Herkunft und Verwendung entscheidend

Biogas nachhaltig erzeugen und nutzen

Gas aus Biomasse statt fossilem Erdgas? Das klingt auf dem Papier nach einer umwelt- und klimafreundlichen Alternative. In der Realität bestehen aber je nach Herkunft der Biomasse und Nutzung des Gases große Unterschiede.
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Biogasanlage inmitten von Feldern, von oben fotografiert.
Biogasanlage© Foto: NABU/Jan Piecha

Was ist Biogas?

Biogas ist ein Energieträger, der durch den mikrobiellen Abbau organischer Stoffe unter sauerstofffreien Bedingungen entsteht.

Das dabei gebildete Roh-Biogas besteht etwa zur Hälfte bis zu Dreiviertel aus Methan – der Rest ist vor allem CO₂. Aufgrund seines reichlichen Methangehalts ist Biogas brennbar und kann zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt werden. Etwa zehn Prozent der erneuerbaren Stromerzeugung stammt derzeit aus Biogas.

Für eine Einspeisung in das Erdgasnetz, für die Produktion von Kraftstoffen oder die Verwendung als chemischer Rohstoff muss Roh-Biogas zu Biomethan aufbereitet werden. Dazu wird das CO₂ aus dem Biogas entfernt und der Methangehalt so auf ca. 95 Prozent gesteigert.

Um zu verhindern, dass das beim Abbau-Prozess entstandene CO₂ zurück in die Atmosphäre gelangt, kann es abgeschieden und in die Erde verpresst oder anderweitig genutzt werden. Mehr dazu erfährst du auf unserer Seite zu technischen Kohlenstoffsenken.

Woraus wird Biogas hergestellt?

Biogas kann aus angebauten Energiepflanzen, Nebenprodukten aus der Landwirtschaft wie Stroh, Gülle oder Grünschnitt sowie aus Bioabfällen erzeugt werden.

Die Wahl der eingesetzten Substrate hat einen wesentlichen Einfluss auf die Biogasausbeute. Aus wirtschaftlicher Sicht sind insbesondere leicht abbaubare organische Substanzen mit einem hohen Anteil an leicht vergärbaren Kohlenhydraten (beispielsweise Stärke) vorteilhaft, die sich zugleich gut lagern lassen.

Für die Biogasproduktion werden bezogen auf die Masse jeweils etwa zur Hälfte angebaute Pflanzen und Wirtschaftsdünger, also Gülle und Mist, eingesetzt. Aufgrund des höheren Energiegehaltes stammt jedoch fast 70 Prozent des deutschen Biogases aus Mais und anderen Energiepflanzen. Daneben werden Bioabfälle und organische Reststoffe aus Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft genutzt.

Biogas kann zum Beispiel aus Gülle erzeugt werden© Foto: NABU/Herbert Moritz

Was sind die Risiken dieser Energieproduktion?

Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen klingt zunächst umwelt- und klimafreundlich. Allerdings werden für die Biogasproduktion derzeit großflächig Energiepflanzen angebaut. Hinzu kommt ein hoher Anteil an Gülle, deren Verfügbarkeit teils von der industriellen Tierhaltung abhängt. Beides ist mit erheblichen ökologischen Auswirkungen verbunden: So kann der intensive Energiepflanzenanbau die Biodiversität beeinträchtigen und die Bodenqualität verschlechtern, während auch die Massentierhaltung Umwelt und Klima belastet.

Zudem ist der Anbau von Energiepflanzen nicht per se klimaneutral, da entlang der gesamten Wertschöpfungskette Treibhausgasemissionen entstehen, etwa durch den Einsatz von Düngemitteln, landwirtschaftliche Bewirtschaftung, Transport sowie den Betrieb der Anlagen. Darüber hinaus zeigen Studien, dass durch Methanleckagen aus Biogasanlagen teils enorme Mengen an Treibhausgasen freigesetzt werden. Auch Landnutzungsänderungen verursachen zusätzliche Emissionen, insbesondere wenn Moore oder Wälder in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt werden und dabei zuvor gebundener Kohlenstoff aus Biomasse und Böden freigesetzt wird.

Wie sieht es mit naturverträglicher Biomasse aus?

Aus den oben genannten Gründen setzt sich der NABU dafür ein, dass nur naturverträgliche Biomasse für Bioenergie genutzt wird, also vorrangig aus Rest- und Abfallstoffen. Doch auch hier gilt es genau hinzuschauen, denn sie stehen nur begrenzt zur Verfügung. So werden zum Beispiel Stroh, Gülle und Mist oft – irrtümlicherweise – als Reststoffe angesehen, die ohne Einschränkungen für die Erzeugung von Biogas genutzt werden könnten. Doch diese Substrate sind im Stoffkreislauf für den Humusaufbau der Böden unentbehrlich – und nur auf gesunden Böden kann zuverlässig Nahrung erzeugt werden. Zudem können viele Reststoffe auch stofflich verwendet werden, beispielsweise Stroh als Bau- oder Dämmmaterial.

Wofür sollten Biogas und Biomethan eingesetzt werden?

Vor diesem Hintergrund sollte der Einsatz von Biogas nicht unbegrenzt ausgeweitet werden. Sinnvoll ist vor allem eine Nutzung in Bereichen, wo die Abkehr von fossilen Brennstoffen bisher schwer umzusetzen ist: Dort, wo flexible Stromerzeugung benötigt wird, um Schwankungen im Stromsystem auszugleichen, oder in der industriellen Hochtemperaturwärme. Zudem ist Biomethan ein wichtiger Grundstoff in der Chemieindustrie und kann dort fossiles Erdgas ersetzen.

Überall wo es erneuerbare Alternativen zur Bioenergie gibt, sollten diese unbedingt genutzt werden, um die Biomasse-Nachfrage auf ein naturverträgliches Maß zu begrenzen. Würde etwa Biomethan im großen Stil in Heizungen verheizt, würde dies eine weitere Ausweitung des Energiepflanzenanbaus nach sich ziehen. Bereits heute werden rund 13 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche für Energiepflanzen genutzt und stehen damit in direkter Konkurrenz zu Nahrungsmitteln und der stofflichen Nutzung. Diese Fläche müsste stark ausgeweitet werden, wenn steigende Anteile im Erdgasnetz durch Biomethan ersetzt werden sollen.

Windräder in einer Agrarlandschaft© Foto: Mathias Schäf

Die landwirtschaftliche Fläche innerhalb Deutschlands ist nahezu ausgeschöpft. Gerade für Gebäudeheizungen bestehen klimafreundliche und deutlich ressourceneffizientere Alternativen. Zum Vergleich: Windenergie plus Wärmepumpen können von einem Hektar genug Wärme für über 4.000 Haushalte liefern. Werden auf der gleichen Fläche Energiepflanzen abgebaut und das Biomethan in Gasheizungen verbrannt, können so lediglich zwei Haushalte mit Wärme versorgt werden.

Was der NABU zu Biogas fordert

  • Effizienter Einsatz der begrenzten Mengen an naturverträglicher Biomasse! 

Biogene Gase müssen dort eingesetzt werden, wo es (bisher) keine Alternative für den Einsatz von Methan gibt: Dezentrale, flexibel steuerbare landwirtschaftliche Biogasanlagen, die direkt vor Ort und bedarfsgerecht Strom und Wärme erzeugen können, sowie „grüne Moleküle“ oder Hochtemperaturwärme in der Industrie. Wird das wertvolle Gas im Motor oder in Heizungsanlagen verbrannt, wäre das Verschwendung. Für diese Zwecke stehen mit Wärmepumpe und E-Auto deutlich effizientere Technologien zur Verfügung.

  • Gezielte Subventionen für umweltfreundliche Substrate!

Landwirt*innen sollten bei der Nutzung naturverträglicher Biomasse und der Umstellung auf regenerative Landwirtschaft finanziell unterstützt werden. Neben Zwischenfrüchten, Untersaaten und Ernterückständen kann auch Schnittgut aus der Landschaftspflege für Biogas naturverträglich verwendet werden. Wird das gesondert honoriert, kann das dazu führen, dass mehr Flächen für Natur und Biodiversität geschaffen werden.

Letzte Aktualisierung: 06/2026

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