Menschgemachter Druck auf das Erdsystem
Planetare Grenzen im Kontext der Bioökonomie

Die Grundidee der Bioökonomie basiert auf dem Austausch der fossilen durch eine nachwachsende, biobasierte Rohstoffbasis. Begriffe wie erneuerbar oder nachwachsend suggerieren eine grenzenlose Verfügbarkeit der Rohstoffe. Allerdings werden schon heute die ökologischen Belastungsgrenzen der Biomasseproduktion überschritten.
Deutschland importiert einen Großteil seiner benötigten Flächen aus dem Ausland, um den aktuellen Biomassebedarf mit einer fossil-ausgerichteten Wirtschaftsweise decken zu können. Die Ausweitung der Bioökonomie wird zwangsläufig mit einem wachsenden Bedarf an biobasierten Rohstoffen einhergehen und droht daher den Druck auf (Natur-)Flächen noch zu erhöhen.
Sieben von neun planetaren Grenzen überschritten
Nach aktuellen Erkenntnissen des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sind bereits sieben der neun planetaren Grenzen überschritten (Stand 2025). Die Bereiche Landnutzungsänderung, Veränderung des Süßwasserkreislaufs sowie – seit 2025 neu bewertet – Ozeanversauerung befinden sich im gelben Bereich. Die Grenzen Klimawandel, Integrität der Biosphäre, Veränderung der biogeochemischen Kreisläufe sowie den Eintrag neuartiger, menschengemachter Substanzen liegen bereits im roten Bereich. Lediglich stratosphärischer Ozonabbau und atmosphärische Aerosolbelastung befinden sich derzeit im grünen Bereich.
Das Konzept der planetaren Grenzen
🟢 Grün: Die planetare Grenze wird eingehalten. Der Erdsystemprozess befindet sich innerhalb des sicheren Handlungsraums und gilt derzeit als stabil.
🟡 Gelb: Die planetare Grenze wurde überschritten. Das Risiko für Veränderungen im Erdsystem nimmt zu, die Stabilität ist bereits beeinträchtigt.
🔴 Rot: Die Grenze ist deutlich überschritten. Es besteht ein hohes Risiko für schwerwiegende, teilweise irreversible Veränderungen mit potenziell globalen Auswirkungen.

Treiber der Überschreitung planetarer Grenzen
Die industrielle Landwirtschaft ist eine der wichtigsten Ursachen für die Überschreitung planetarer Grenzen. Die steigende Nachfrage nach tierischen Nahrungsmitteln, Energie aus Biomasse und biobasierten Produkten erhöht den Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen und natürlichen Rohstoffen erheblich. Um diese Nachfrage zu decken, werden immer größere Flächen intensiv bewirtschaftet. Durch intensive Landnutzung, großflächige Monokulturen sowie den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln werden natürliche Ökosysteme erheblich belastet und verändert. Die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen trägt ebenfalls zur Zerstörung wertvoller Ökosysteme wie Wälder, Moore und Graslandschaften bei. Dadurch gehen Lebensräume für zahlreiche Arten verloren und gleichzeitig werden wichtige Kohlenstoffspeicher geschädigt.
Die industrielle Landwirtschaft beeinträchtigt zudem den Süßwasserkreislauf sowie die Stickstoff- und Phosphorkreisläufe. Die Zusammenhänge lassen sich am Beispiel des Düngemitteleinsatzes verdeutlichen: Stickstoff und Phosphor sind wichtige Elemente für das Wachstum von Pflanzen. Sie sind Hauptbestandteile von Düngemitteln. Der Einsatz von Düngemitteln dient dazu, den Nährstoffbedarf von Nutzpflanzen zu decken und hohe Erträge zu erzielen. Ein übermäßiger Einsatz von Düngemitteln führt jedoch dazu, dass überschüssiger Stickstoff und Phosphor in umliegende Ökosysteme gelangen. Dort können sie eine Überdüngung von Seen, Flüssen und Küstengebieten verursachen. Durch die hohe Nährstoffverfügbarkeit kommt es zu einem verstärkten Pflanzen- und Algenwachstum in den betroffenen Gewässern. Beim Abbau der abgestorbenen Pflanzen- und Algenreste durch Bakterien wird Sauerstoff verbraucht, wodurch Sauerstoffmangel im Gewässer entstehen kann. Dadurch gerät die Lebensbedingung der gesamten aquatischen Lebensgemeinschaft aus dem Gleichgewicht.

Ein weiterer elementarer Treiber der Überschreitung planetarer Grenzen sind ressourcenintensive Produktions- und Konsummuster, die weiterhin stark von der Nutzung fossiler Rohstoffe und Energieträger abhängig sind. Die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas setzt große Mengen an Kohlendioxid (CO₂) frei, das über Millionen von Jahren im Untergrund gespeichert war. Dadurch steigt die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre, wodurch der Klimawandel erheblich beschleunigt wird. Die Nutzung fossiler Energieträger zählt daher zu den wichtigsten Ursachen für die Überschreitung der planetaren Grenze für den Klimawandel und beeinträchtigt damit zahlreiche Ökosysteme.
Bedeutung für eine nachhaltige Bioökonomie
Die begrenzte Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen macht deutlich, dass wirtschaftliche Entwicklung und ökologische Belastbarkeit gemeinsam gedacht werden müssen. Eine nachhaltige Bioökonomie kann nicht allein das Ziel verfolgen, fossile Rohstoffe zu ersetzen, sondern muss zugleich natürliche Ressourcen schützen, Stoffkreisläufe schließen und Ökosysteme langfristig erhalten.
Dabei ist Suffizienz ein zentraler Baustein. Es reicht nicht allein aus, fossile durch biobasierte Rohstoffe zu ersetzen oder Ressourcen effizienter zu nutzen. Auch der absolute Verbrauch von Rohstoffen, Energie und Flächen muss sinken. Der Earth Overshoot Day verdeutlicht die Dringlichkeit: 2026 fiel der deutsche Erdüberlastungstag bereits auf den 10. Mai, während der weltweite Earth Overshoot Day am 30. Juli erreicht wurde. Würden alle Menschen so leben wie in Deutschland, wären rechnerisch 2,8 Erden erforderlich. Weltweit werden derzeit 1,73 Erden benötigt.
Neben Suffizienz sind nachhaltige Produktionsweisen, der Schutz der Biodiversität sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasser, Böden und Nährstoffen entscheidend, damit unsere begrenzten Ressourcen auch künftig verfügbar bleiben. Ebenso kommt es auch darauf an, wofür und wie biologische Rohstoffe eingesetzt werden. Nicht jedes biobasierte Produkt führt automatisch zu einer nachhaltigeren Entwicklung. Maßgeblich ist die gesamte Umweltbilanz über den Lebenszyklus eines Produkts hinweg. Faktoren wie Flächenbedarf, Energie- und Wasserverbrauch, Treibhausgasemissionen, Transportwege sowie Möglichkeiten zur Wiederverwendung, zum Recycling oder zur biologischen Verwertung müssen berücksichtigt werden. So kann beispielsweise ein biobasierter Kraftstoff fossile Rohstoffe ersetzen, gleichzeitig aber durch einen hohen Flächenbedarf und Landnutzungsänderungen ökologische Nachteile aufweisen. Eine nachhaltige Bioökonomie sollte daher vor allem Anwendungen fördern, die einen nachweisbaren ökologischen Mehrwert bieten, Ressourcen effizient nutzen und Materialien möglichst lange in geschlossenen Stoffkreisläufen halten.
Bioökonomie-Statement europäischer Umweltorganisationen
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