Wege zu einer umweltgerechten Biomassenutzung

Politische Rahmenbedingungen für die Bioökonomie

Um eine weitere Übernutzung der Ökosysteme zu vermeiden, braucht es für die Bioökonomie wirksame politische Leitplanken. Diese müssen einen effizienten Ressourceneinsatz und die Verwendung nachhaltiger Biomasse gewährleisten. Die Politik braucht zudem den Mut, zukunftsfähige Lebensstile und Konsummuster gesellschaftlich zu reflektieren und zu diskutieren.
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© Foto: NABU/Christoph Kasulke

Um Klimawandel und Umweltzerstörung zu begrenzen, muss der Verbrauch fossiler Energieträger beendet und unser Wirtschaftssystem auf erneuerbaren Strom sowie biobasierte Rohstoffe umgestellt werden. Eines ist jedoch schon sicher: Ein vollständiger Ersatz fossiler Stoffe durch Biomasse, ohne die grundlegende Veränderung der Wirtschafts- und Lebensweisen hoch industrialisierter Konsumgesellschaften, wird die bereits jetzt bestehende massive Konkurrenz um Flächen drastisch verschärfen und kann beträchtlich zur Belastung unserer Ökosysteme mit Chemikalien und Pestiziden beitragen.

Die seit Jahrzehnten bekannten Probleme der Land- und Forstwirtschaft werden weiter befeuert, anstatt diese auf ein ökologisch und sozial tragfähiges Maß zu verringern. Bioökonomie auf einen einfachen Austausch der fossilen Rohstoffbasis zu reduzieren und auf rein technische Lösungen zu setzen, ist daher nicht zielführend.

Diskussion über zukunftsfähigen Lebensstil nötig

Häufig scheint bei der Bioökonomie die Hoffnung durch, mit noch mehr Technologien ließen sich die nicht intendierten Nebenfolgen unserer Industrie- und Konsumgesellschaft begrenzen. Was dabei fehlt, ist eine kritische Reflexion mit der Gesellschaft über zukunftsfähige Lebensstile und Konsummuster. Denn klar ist: Nur ein grundsätzliches Umdenken kann biobasiertes Wirtschaften in den planetaren Grenzen ermöglichen.

Bioökonomie stellt grundsätzliche gesellschaftliche Fragen

Bei der Ausgestaltung des politischen Rahmens für Bioökonomie ist eine partizipative Technikfolgenabschätzung und eine gleichberechtigte Einbindung gesellschaftlicher Vertreter*innen in die Expertengremien dringend nötig, denn in der Bioökonomie diskutieren wir normative Fragen. Gerade wenn es darum geht, eine mögliche Zukunft zu entwerfen, alternative Umsetzungswege zu beschreiben sowie deren Bedingungen und Folgen zu analysieren, ist die Beteiligung von Expert*innen unverzichtbar. 

Fest steht: Der Aufbau einer biobasierten Wirtschaft und die Transformation zu einer nachhaltigeren Gesellschaft muss von einer breiten Diskussion begleitet werden. Dabei gilt es, die Vertreter*innen von Menschenrechten, des Umwelt- und Naturschutzes in den Diskurs mit einzubeziehen sowie die Expertise der Zivilgesellschaft für eine Korrektur der blinden Flecken in den Strategien und Förderprogrammen zu nutzen. 

Kernforderungen des NABU zur Bioökonomie

Vor dem Hintergrund der gravierenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen sind aus Sicht des NABU dies die grundlegenden Kern

  • Eine ökologisch ausgerichtete und diversifizierte Landnutzung muss gestärkt werden: Die Erzeugung von Biomasse muss mit dem Schutz von Biodiversität, Böden und Ökosystemen vereinbar sein. Monokulturen und eine weitere Intensivierung der Landnutzung müssen vermieden und vielfältige, standortangepasste Anbausysteme gefördert werden. 
  • Ein wissenschaftlich fundierter Überblick zu allen Biomasse-Stoffströmen ist zwingend notwendig: Ein kontinuierliches, flächendeckendes Monitoring der Biomassebestände, Stoffströme und ihrer Nutzung muss die Grundlage dafür schaffen, welches Biomassepotential unter Berücksichtigung der planetaren Grenzen nachhaltig genutzt werden kann. 
  • Keine Ausweitung der Biomassenutzung in Bereichen mit ressourceneffizienteren Alternativen: Biomasse muss gezielt eingesetzt werden, wo sie für die Transformation einen Mehrwert bietet, und darf nicht dort eingesetzt werden, wenn ressourceneffizientere und nachhaltigere Alternativen verfügbar sind.
  • Biomasse muss für den stofflichen Nutzen priorisiert werden: Statt Biomasse direkt zur Energiegewinnung zu verbrennen, sollte sie zunächst zu chemischen Grundstoffen, Produkten oder Materialien verarbeitet werden. Eine energetische Verwertung sollte erst erfolgen, wenn eine stoffliche Nutzung nicht mehr möglich ist. 
  • Lineare Werkschöpfungsketten müssen zu Kreisläufen weiterentwickelt werden: Neben-, Rest- und Abfallstoffe müssen stärker genutzt sowie Kaskadennutzung und Recycling konsequent umgesetzt werden, um Rohstoffe möglichst lange im Kreislauf zu halten. Biomasse muss ressourceneffizient genutzt und der Verbrauch von Primärrohstoffen reduziert werden.  
  • Unser Flächenverbrauch muss reduziert werden: Lebensmittel- und Rohstoffbereitstellung müssen ökologisch und standortangepasst aufeinander abgestimmt werden. Gleichzeitig braucht es verstärkte Maßnahmen zur Förderung biotechnologischer Innovationen und von Suffizienzstrategien, die dazu beitragen, den Ressourcen- und Biomassebedarf zu senken. 
  • Unser Ernährungssystem muss grundlegend transformiert werden: Pflanzenbasierte Ernährung ist doppelt so flächeneffizient wie tierische: Um eine nachhaltige Ernährung weltweit zu gewährleisten, muss der Konsum tierischer Produkte um mindestens 50 Prozent reduziert werden.
  • Lieferketten mit angepassten und konsequent umgesetzten Gesetzen müssen auf allen Ebenen etabliert werden: EU-weite Regeln und Importgesetze müssen die lokale Bioökonomie vor nicht ökologisch hergestellten Produkten schützen. 
Die gesamte NABU-Position zur Bioökonomie als PDF

Überblick politische Strategien

Politisch wird die bioökonomische Transformation auf verschiedenen Ebenen begleitet:

Die industrielle Landwirtschaft hat Arten wie das Braunkehlchen an den Rand des Aussterbens geführt. Wie gelingt eine Biomassenutzung, ohne die Folgen der intensiven Landnutzung noch zu verschärfen? Der NABU sucht nach konstruktiven Lösungen.© Foto: Foto: Jonathan Fieber

NABU zeigt Lösungswege auf

Der NABU beteiligt sich konstruktiv an der Suche nach Lösungen für eine umweltgerechte Bioökonomie und hat unter anderem verschiedene Studien zum Thema durchführen lassen. 

Letzte Aktualisierung: 08/2026

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Dr. Steffi Ober
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Steffi.Ober@NABU.de

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