Obwohl das Verbrennen von Holz pro Energieeinheit mehr CO₂ freisetzt als das Verbrennen von Kohle, ist die Energieerzeugung aus Holzbiomasse in der EU auf dem Papier klimaneutral. Außerdem ist Bioenergie laut der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie als „erneuerbar“ definiert und damit in vielen Fällen förderfähig. Zum anderen muss für den CO₂-Ausstoß aus Holzenergie in der Regel nichts bezahlt werden - eine indirekte Subvention.
Im Gegensatz dazu müssen die Unternehmen bei der Verbrennung von fossilen Rohstoffen mittlerweile Verschmutzungsrechte über den europäischen Emissionshandel erwerben, welche mit der Zeit knapper und teuer werden. Das System zeigt Wirkung: Energie aus Kohle und Gas wird immer weniger profitabel, Holzverbrennung immer lukrativer. Außerdem ist der Umstieg von einer Verbrennungstechnologie in die nächste eine vermeintlich einfache Lösung, um „erneuerbare“ Wärme zu erzeugen.
Subventionierte Abholzung
Rund 25 Prozent des europäischen Energieverbrauchs werden von Erneuerbaren Energien gedeckt. Davon basiert mehr als ein Drittel auf Holzbiomasse. Die Menge des für die Energieerzeugung eingeschlagenen Holzes hat sich europaweit in den letzten Jahren stark erhöht. Mehrere große Kohlekraftwerke wurden bereits auf Holzverbrennung umgerüstet – häufig stark unterstützt durch staatliche Subventionen, denn sie helfen den Ländern, ihre Klimabilanz formal aufzubessern.
Das Kraftwerk Drax in England beispielsweise, eins der weltweit größten auf Holzpellets umgerüsteten Kohlekraftwerke, verbrennt jedes Jahr mehr Holz, als im gesamten Vereinigten Königreich geerntet wird. Es handelt sich dementsprechend hauptsächlich um importierte Holzpellets aus den USA, Kanada und dem Baltikum. Auch in Deutschland (u.a. in Wilhelmshaven, Hamburg und Bremen) gab es solche Pläne für Umrüstungen von Kohlekraftwerken auf Holzpellets, die wir jedoch abwenden konnten. Doch auch weiterhin wird auch hierzulande in zu hohem Maße auf Holz gesetzt, um fossile Brennstoffe zu ersetzen.
In Deutschland droht riesige Holznachfrage durch Wärmekraftwerke
Bereits heute wird die Hälfte des in Deutschland anfallenden Holzes verbrannt. Das meiste davon bisher in privaten Kaminöfen. Doch immer mehr Städte und Unternehmen wollen Holz im großen Stil für die Fernwärme verheizen (siehe Karte unten). Die Kraftwerke zementieren, einmal gebaut, auf Jahrzehnte eine hohe Holznachfrage.
Diese wird absehbar die nachhaltig verfügbaren Holzmengen überschreiten – zumal die Transformation die Holznachfrage in vielen Bereichen stark anwachsen lassen wird: So soll Holz im Bau Beton ersetzen und als Rohstoff in der Grundstoffchemie dienen. Gleichzeitig müssen wir die Wälder als vitale Lebensräume und CO₂-Senken erhalten, um die Klima- und Naturkrise einzudämmen und unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Für die Wärmeversorgung stehen klimafreundliche Erneuerbare zur Verfügung, die unsere Wälder nicht weiter unter Druck setzen.
In den bestehenden und geplanten Holzkraftwerken wird sowohl Frischholz (Holz direkt aus dem Wald) als auch gebrauchtes Holz (sogenanntes Altholz) verbrannt. Beides ist problematisch, denn der wertvolle Rohstoff Holz sollte so lange wie möglich stofflich genutzt werden, bevor er durch die Flammen vernichtet wird. Viele Holzsortimente lassen sich noch in Holzprodukten nutzen, auch der allergrößte Teil des Altholzes taugt noch für die Verwendung, beispielsweise in Spanplatten oder Laminat. Durch diese sogenannte Kaskadennutzung ist dem Klima dreifach geholfen: Holz ersetzt klimaschädliche (Bau-)Stoffe, mehr Bäume können im Wald bleiben und das CO₂ bleibt im Holz langfristig gebunden.
Holzenergieanlagen in Deutschland auf einen Blick
Aktuell sind unter anderem folgende Holzkraftwerke im Bau, geplant oder angedacht:
- Umrüstung eines Kohlekraftwerks: Kassel (Altholz)
- Neubau am Standort eines bestehenden Kohlekraftwerkes: Berlin Reuter-West (Altholz), Nürnberg (Altholz)
- Neubau: Cuxhaven (Waldholz), Chemnitz (Waldholz), Stade (Altholz), Dortmund, Diepholz, Zwickau sowie zahlreiche weitere
Alle bestehenden und geplanten Kraft- sowie Pelletwerke siehst du hier auf einen Blick:
Details zu geplanten Holzenergieanlagen in Deutschland
Der NABU begleitet gemeinsam mit seinen Verbündeten einige geplante Holzenergieanlagen eng. Hier kannst du detaillierte Informationen zu den Planungen downloaden:
NABU-Position:
- Der NABU lehnt die Verbrennung von Holzbiomasse zur Energiegewinnung im industriellen Maßstab ab.
- Wälder müssen als natürliche CO₂-Senken und Lebensraum erhalten bleiben.
- Holz sollte daher nur am Ende der Nutzungskaskade verbrannt werden, das heißt: wenn es bereits als Werkstoff genutzt wurde und keinem anderen Zweck mehr dienen kann.
Welche politischen Maßnahmen braucht es, um Wälder und Klima zu schützen?
- Die Europäische Union muss in der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (engl. Renewable Energy Directive, RED) die Waldbiomasse aus der Liste der förderfähigen Energieträger streichen.
- Energiegewinnung aus Waldbiomasse darf nicht weiter als erneuerbare Energie auf die Klimaziele angerechnet werden.
- Es darf nur Holz verbrannt werden, das nicht mehr stofflich genutzt werden kann, das besagt das sogenannte Kaskaden-Prinzip.
Dieses Prinzip muss gesetzlich verankert und ab dem Moment der Holzernte konsequent angewendet werden. Die Subventionen, die bisher die Holzverbrennung begünstigen, müssen stattdessen ausschließlich für echte emissionsfreie Energiequellen wie Wind-, Solar- und Geothermie-Energie verwendet werden. Zusätzlich sind Maßnahmen zur Stärkung der Energieeffizienz und zur Wiederherstellung und zum Schutz unserer Wälder nötig.
Fragen und Antworten zur Holzverbrennung
Letzte Aktualisierung: 06/2026
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