Erhalt der Artenvielfalt und Beitrag zum Klima

Ökolandbau

Der Ökolandbau erbringt wertvolle Umweltleistungen. Er ist aus Naturschutz-Sicht wichtig für den Wandel der Landwirtschaft.
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Kornblumen im Getreidefeld
Das zentrale Element des Systems Ökolandbau ist die Nutzung ökologischer Wechselwirkungen.© Foto: NABU/Christoph Kasulke

Der Ökolandbau gilt als eine besonders umweltschonende Anbauform und nimmt eine zentrale Rolle in den Nachhaltigkeitszielen der Bundesregierung ein. Ein Ziel: 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche bis zum Jahr 2030 ökologisch zu bewirtschaften.

Derzeit macht der Ökolandbau jedoch nur etwa elf Prozent der Anbaufläche in Deutschland aus und spielt deshalb bislang immer noch eine eher untergeordnete Rolle im Agrarsystem. Daher unterstützt und fördert auch der NABU die Ausweitung des Ökolandbaus, beispielsweise durch Projekte wie „Gemeinsam Boden gut machen“.

Ökolandbau und Naturschutz

Der Ökolandbau hat viele positive Wirkungen auf Natur, Mensch und Tier: Neben dem Erhalt der Artenvielfalt leistet die ökologische Bewirtschaftungsform auch einen Beitrag zum Klimaschutz – um so wichtiger ist es, dass der Anteil des Ökolandbaus steigt. 

Basisinfos zur ökologischen Bewirtschaftungsform

Die Landwirtschaft ist einer der Hauptverursacher für den Artenrückgang in der Kulturlandschaft: Synthetische Stickstoffdünger, Pestizideinsatz, Flurbereinigungen, Drainagen und Verbesserungen in der Produktionstechnik haben zwar einerseits zu gewaltigen Ertragssteigerungen geführt. Die Nebenwirkungen der heute üblichen Landbewirtschaftung sind jedoch Belastungen von Boden, Wasser und Luft, ein Zerfall der historisch gewachsenen Kulturlandschaften und ein drastischer Rückgang der biologischen Vielfalt. Verantwortlich für diese Situation sind jedoch keinesfalls die Landwirt*innen allein – die verfehlte Agrarpolitik der letzten Jahrzehnte drängte vielmehr die Landwirtschaft dazu, immer mehr und immer billiger zu produzieren. 
 
Die Entstehung und Verbreitung des ökologischen Landbaus in der Mitte des letzten Jahrhunderts kann als eine Reaktion auf diese Entwicklung gewertet werden. Denn der Ökolandbau versteht sich als ein auf natürlichen Prozessen und ökologischen Belastungsgrenzen beruhendes System. Dabei wird ein geschlossener Betriebskreislauf angestrebt und versucht, Belastungen von Boden, Wasser und Luft durch die Bewirtschaftung weitestgehend zu vermeiden. Im Jahr 2023 wurde in Deutschland eine Fläche von geschätzt 1,9 Millionen Hektar ökologisch bewirtschaftet, dies entspricht 11,4 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. 

Gesetzliche Regelungen der Europäischen Union

Seit 1991 ist der ökologische Landbau in einer gesetzlichen Grundlage auf EU-Ebene geregelt. Die Basis-Verordnung und ihre Ergänzungen enthalten Regeln für die Umstellung und Bewirtschaftung eines Betriebs. Der Import von Erzeugnissen des ökologischen Landbaus aus Staaten, die nicht der EU angehören, unterliegt ebenfalls der Verordnung. Die Öko-Betriebe müssen sich einmal im Jahr einem routinemäßigen Kontrollverfahren unterziehen. Dies wird von unabhängigen Kontrollstellen durchgeführt, die einer staatlichen Zulassung bedürfen und der Überwachung durch die jeweilige Landesbehörde unterliegen. 

Die Verbandsrichtlinien

Fast zwei Drittel der Bio-Betriebe in Deutschland bewirtschaften ihre Höfe nicht „nur“ nach den EU-Mindeststandards für den ökologischen Landbau, sondern sind auch Mitglied in einem der Bio-Anbauverbände wie Demeter, Naturland oder Bioland. Damit werden fast 70 Prozent der ökologischen Anbaufläche Deutschlands nach strengeren Öko-Kriterien der verschiedenen Anbauverbände bewirtschaftet.

Denn die Verbandsrichtlinien gehen in vielen Bereichen noch über die EU-Richtlinie hinaus. So ist beispielsweise festgelegt, dass stets der gesamte Landwirtschaftsbetrieb auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt werden muss. Betriebe, die nach EU-Richtlinien wirtschaften, können dagegen auch nur einzelne Betriebszweige umstellen. Stärker beschränkt sind die Verbandsrichtlinien meist auch hinsichtlich der Düngemittel und konventionellen Futtermittel, die im Bedarfsfall zugekauft werden dürfen.  

Der Feldhamster ist vom Aussterben bedroht und hat daher einen Platz weit oben auf der Roten Liste.© Foto: Mathias Schäf

Umweltwirkungen des Ökolandbaus

Der Ökolandbau erbringt – auch aufgrund seines fest definierten Regelwerks – diverse wertvolle Umweltleistungen und nimmt somit aus Sicht des Naturschutzes eine wichtige Rolle in der Transformation der Landwirtschaft ein.  

Das zentrale Element des Systems Ökolandbau ist die Nutzung ökologischer Wechselwirkungen. Dazu gehört der Aufbau nahezu geschlossener Nährstoffkreisläufe. Dabei werden betriebsinterne und regionale Ressourcen genutzt, statt aufwändige externe Ressourcen, wie chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche Mineraldünger, einzusetzen – hiermit wird ein systemorientierter Ansatz verfolgt. Dazu gehört die Einbindung von Leguminosen und der Anbau angepasster Sorten in breiten Fruchtfolgen, die Verbindung von Tierhaltung und Ackerbau, die Förderung nützlicher Organismen und die mechanische Unkrautregulierung. Diese Effekte zeigen sich in den Auswirkungen des Ökolandbaus auf einzelne Schutzgüter, wie im Folgenden zu sehen ist.  

Leistungen des Ökolandbaus

Weiterentwicklung des Ökolandbaus

Dennoch gibt es aus Sicht des Naturschutzes Entwicklungspotentiale im Ökolandbau, denn nicht alles wird über die Richtlinien der Anbauverbände und die gesetzlichen Standards geregelt. Dies gilt besonders für die Intensität der Bewirtschaftung des Grünlands, die Bereitstellung von Habitat-Strukturen und für eine bodenschonende Bodenbearbeitung. So fehlen im Ökolandbau beispielsweise Vorgaben zu einer strukturreichen Landschaft, die genügend Habitate und deren Vernetzung gewährleisten. Auch der Schutz von artenreichem Grünland ist im Ökolandbau leider keine Selbstverständlichkeit.  

Denn wie in der konventionellen Landwirtschaft wird aus wirtschaftlichem Zwang das Grünland auch im Ökolandbau häufig zu intensiv genutzt. Ein weiterer Punkt ist die generelle Intensivierung des Ökolandbaus. Mit dem Ziel, das Ertragsdefizit auszugleichen, gibt es einen anhaltenden Trend zur Intensivierung und Spezialisierung von ökologischen Betrieben. Diese Maßnahmen zur angestrebten Ertragssteigerung können dabei aber negative Effekte haben, die die positive Wirkung des Ökolandbaus schmälern.  
 
Die Benennung der Grenzen und Entwicklungspotentiale des Ökolandbaus soll jedoch keineswegs seine generellen Vorzüge schmälern. Ziel ist vielmehr, aus Sicht des Naturschutzes den Ökolandbau dabei zu unterstützen, seine Potenziale als eine nachhaltige Landnutzung für die dringend notwendige Transformation der Landwirtschaft zu sicher und weiterzuentwickeln.

Rolle der ökologischen Landwirtschaft im Agrarsystem

Um wichtige Umweltziele, wie den Schutz und die Wiederherstellung der Artenvielfalt, die Verbesserung der Bodenqualität, die Verringerung der Schadstoffbelastung, die Reduzierung von Nährstoffüberschüssen und die Senkung der Anzahl von Tieren durch Flächenbindung, zu erreichen, ist die Ausweitung der ökologischen Landwirtschaft aufgrund ihres fest definierten Rechtsrahmens und der Akzeptanz der Konsument*innen sowohl sinnvoll als auch notwendig.

Denn auch wenn der Ökolandbau in Teilaspekten keine Spitzenleistungen erbringt, zeigt er doch als Gesamtsystem konstant gute Ergebnisse in Bezug auf Ertrag und Umweltleistungen. Zusätzlich spielt er in einem nachhaltigen Landwirtschaftssystem eine gewichtige Rolle als Innovationstreiber für die konventionelle Landwirtschaft. Gleichzeitig bieten jedoch auch andere alternative Formen der Landwirtschaft eine Inspirationsquelle für den Ökolandbau, damit dieser sich weiterentwickeln kann. 

Deutsches Bio-Siegel und EU-Bio-Logo© Foto: NABU/Guido Rottmann

Wie erkenne ich echte Bio-Produkte?

Die ökologischen Anbauverbände in Deutschland sind Bioland, Naturland, Demeter, Biokreis, Biopark, Gäa, Verbund Ökohöfe, Ecovin und Ecoland. Im Juni 2002 wurde der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) gegründet. Sein Ziel ist es, unter Zusammenarbeit verschiedenster Akteure aus Anbauverbänden, Lebensmittelverarbeitung und Handel die Entwicklung des ökologischen Landbaus voranzubringen.

Eine große Auswahl an Bioprodukten gibt es heute in vielen Supermärkten, auf dem Markt sowie in Bio- und Naturkostläden, Hofläden oder direkt beim Bio-Bauern. Generell gilt: Der Wortzusatz „Bio“ oder „Öko“ darf für Lebensmittel nicht willkürlich verwendet werden. Nur Hersteller, die den Anforderungen der EU-Bio-Verordnung gerecht werden und sich Kontrollen unterziehen, sind berechtigt, ihre Produkte als „Bio“- oder „Öko“-Waren zu verkaufen. Das heißt: Wo „Bio“ draufsteht, ist auch „Bio“ drin.

Zudem müssen Bio-Produkte, die in Deutschland hergestellt oder verpackt werden, auf dem Etikett die Codenummer ihrer zuständigen Kontrollstelle tragen, beispielsweise „DE-001-Öko-Kontrollstelle“.

Getreidefeld mit Mähdrescher im Hintergrund
Team Landnutzung

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