Welche verschiedenen Anbausysteme gibt es?

Alternativen zur konventionellen Landwirtschaft

Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland bestellen ihre Felder konventionell. Das bringt zwar höhere Erträge, wirkt sich allerdings auf die Gesundheit unserer Böden, das Grundwasser und die Artenvielfalt aus. Wir zeigen Alternativen auf.
Wiesenmahd
Wiesenmahd© Foto: NABU/F. Schöne

Die meisten Landwirt*innen in Deutschland bestellen ihre Felder konventionell. Das heißt, dass sie vergleichsweise viele chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und mineralischen Dünger einsetzen. Allerdings ernten sie auch höhere Erträge als ökologisch wirtschaftenden Betriebe. Dies wirkt sich jedoch auch auf die Gesundheit unserer Böden, die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft und auf das Grundwasser aus. Daher zeigen wir hier verschiedene alternative Landwirtschaftssysteme auf und stellen beispielhaft Betriebe vor. 

Ein Überblick: 

1. Solidarische Landwirtschaft

Bei der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) handelt es sich um einen Zusammenschluss von landwirtschaftlichen Betrieben oder Gärtnereien mit einer Gruppe privater Haushalte. Erzeuger*innen und Verbraucher*innen bilden eine Wirtschaftsgemeinschaft, die auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt ist und dabei Mitwelt, Natur und Tiere berücksichtigt. Auf Grundlage der geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Erzeugung des Betriebes verpflichten sich die Kund*innen, jährlich im Voraus einen festgesetzten (meist monatlichen) Betrag an den SoLaWi-Betrieb zu zahlen und erhalten dann zumeist wöchentlich eine Lieferung in Form einer Biokiste oder ähnlichem.  

Der Betrieb wird also von den Verbraucher*innen mitfinanziert und teilweise auch in Form von Arbeitseinsätzen mit organisiert. Häufig handelt es sich hierbei um Biobetriebe. 

Die Solidarische Landwirtschaft ist damit eine innovative Strategie für eine lebendige, verantwortungsvolle Landwirtschaft, die die Existenz der dort arbeitenden Menschen sicherstellt und gleichzeitig einen essenziellen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leistet. Sie ermöglicht den Erzeuger*innen, unabhängig von Marktzwängen bedarfsorientiert zu wirtschaften, sich einer guten landwirtschaftlichen Praxis zu widmen und so den Boden fruchtbar zu erhalten.

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2. Permakultur

Permakultur ist eine landwirtschaftliche soziale Umweltbewegung, deren Ziel es ist, durch innovative Landwirtschaft und Siedlungsgestaltung neue Gemeinschaften zu schaffen, die im Einklang mit der Natur stehen. Sie hat sich von ihren bescheidenen Anfängen auf einer Farm in Australien in den 1970er Jahren zu einer weltweiten antikapitalistischen Bewegung entwickelt. Theorie und Praxis dieser sozialen Bewegung werden dabei in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich verstanden und praktiziert. 

Nach Mollison und Holmgren stellen bestimmte Grundsätze, Prinzipien und Methoden charakteristische Eckpunkte dar, die die Landwirtschaft und den Gartenbau der Permakultur ausmachen. Sie basiert demnach auf drei ethischen Prinzipien: 

  • Sorge für die Erde
  • Sorge für die Menschen
  • Gerechtes Teilen

Diese Prinzipien bilden innerhalb der Permakultur die Grundlage jeglichen Handelns. Oft werden sie auch mit anderen Nachhaltigkeitsmaximen kombiniert. Als Resultat entsteht so ein umfassendes Permakultur-Verständnis, das einen breiten Handlungsrahmen absteckt, der weit über die Bereiche Landwirtschaft und Gartenbau hinausgeht. Auch die sogenannten R-Regeln werden dementsprechend als Leitfaden für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen gesehen: 

  • Refusing: überflüssigen Konsumgütern widerstehen 
  • Reducing: Energie, Material und Müll reduzieren 
  • Reusing: Gegenstände mehrfach benutzen 
  • Repairing: Gegenstände reparieren
  • Recycling: Wertstoffe zurückgewinnen 

Der verantungsvolle Umgang mit Land und Natur gehört zu den elementaren Bestandteilen des Permakultur-Gedankens. Er findet Anwendung in den Bereichen Landwirtschaft und Gärtnern wie auch in der nachhaltigen Forst- und Wasserwirtschaft. Permakultur bedeutet in der Landwirtschaft das Wirtschaften in Kreisläufen, die darauf abzielen, ein zukunftsfähiges System zu schaffen, das Humus aufbaut, Wasser speichert und die Vielfalt fördert. 

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3. Agrarökologie

Die Agrarökologie gilt als Wissenschaft, Praxis und soziale Bewegung zugleich. Sie umfasst das gesamte (Lebensmittel-)system von der Organisation der menschlichen Gesellschaft bis zum Boden. Sie ist wertorientiert und basiert auf zehn Grundprinzipien (FAO): 

Als Wissenschaft fokussiert sich die Agrarökologie auf ganzheitliche, partizipatorische Ansätze sowie Transdisziplinarität beziehungsweise die Einbeziehung verschiedener Wissenschaften.  

In der Praxis basiert Agrarökologie auf der nachhaltigen Nutzung lokaler, erneuerbarer Ressourcen und dem Wissen indigener Kulturen und Kleinbäuer*innen sowie der sinnvollen Nutzung der biologischen Vielfalt zur Erbringung von Ökosystemleistungen und Ökosystemresilienz. 

Als Bewegung setzt sie sich in einem antikapitalistischen Kontext für Kleinbäuer*innen und Familienbetriebe, ländliche Gemeinschaften, Ernährungssouveränität, lokale und kurze Lebensmittelversorgungsketten, die Vielfalt einheimischen Saatguts und einheimischer Tierrassen sowie gesunde und hochwertige Lebensmittel ein. So ist die agrarökologische Bauernbewegung La Via Campesina die größte antikapitalistische Bewegung der Welt. 

Die Agrarökologie betont, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, und fördert daher die Interaktion zwischen den Akteur*innen in Wissenschaft, Praxis und Bewegungen, indem sie den Wissensaustausch und das Handeln erleichtert. Seit Neuestem gibt es aber auch wissenschaftliche und privatwirtschaftliche Versuche, die Agrarökologie für Greenwashing zu benutzen und sie damit beispielsweise für gentechnisch veränderte Organismen (GMOs) zu öffnen.

Der Ökolandbau hat viele positive Wirkungen auf Natur, Mensch und Tier: Neben dem Erhalt der Artenvielfalt leistet die ökologische Bewirtschaftungsform auch einen Beitrag zum Klimaschutz.© Foto: NABU/Volker Gehrmann

4. Ökologische Landwirtschaft

Die ökologische Landwirtschaft beziehungsweise der ökologische Landbau, auch biologische Landwirtschaft oder Biolandwirtschaft genannt, ist eine ressourcenschonende Form der Landwirtschaft mit langer Geschichte. Der Ökolandbau ist entsprechend mit strengen Vorschriften verbunden, die jeglichen Einsatz von synthetischen Chemikalien, wie synthetischen Pestiziden oder auch mineralischem Stickstoffdüngemittel, verbieten sowie einen diversen Fruchtwechsel und die Flächenbindung der Tierhaltung vorschreiben. Für die Umstellung vom konventionellen zum ökologischen Landbau ist zudem eine definierte Übergangszeit von drei Jahren vorgeschrieben.
 
Die ökologische Landwirtschaft folgt dem Organisationsprinzip eines in sich geschlossenen Betriebsorganismus – die Bodennutzung und Viehhaltung passen die Landwirt*innen individuell dem Standort an und verbinden beides innerhalb des Betriebes miteinander.

Ökologisch erzeugte Lebensmittel werden unter vielen verschiedenen Bezeichnungen beziehungsweise Siegeln verkauft, je nach Höhe der ökologischen Standards, und bieten damit Konsument*innen Sicherheit im Lebensmittelmarkt. So gibt es einen „EU-Bio-Standard“ sowie staatliche Bio-Standards und Verbandssiegel wie zum Beispiel von „Naturland“, „Bioland“ oder „demeter“.  

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5. Konservierende Landwirtschaft

Die Konservierende Landwirtschaft, auch als conservation agriculture bekannt, ist definiert als ein Anbausystem, das eine  

  • minimale Bodenstörung (das heißt keine Bodenbearbeitung),  
  • die Erhaltung einer dauerhaften Bodenbedeckung und  
  • die Diversifizierung der Pflanzenarten fördert.  

Laut FAO fördert sie die biologische Vielfalt und die natürlichen biologischen Prozesse über und unter der Bodenoberfläche, die zu einer effizienteren Wasser- und Nährstoffnutzung sowie zu einer verbesserten und nachhaltigen Pflanzenproduktion beitragen. Entscheidend ist das Zusammenspiel der gleichzeitigen Umsetzungen aller drei Prinzipien zur Ausnutzung synergetischer Effekte. Langjährige Studien in allen Weltregionen belegen, dass die Praktiken der Konservierenden Landwirtschaft unter anderem wirtschaftliche Einsparungen in Bezug auf die Energieeffizienz für die Kleinbäuer*innen und Landwirt*innen ermöglichen und gleichzeitig zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Agrarsystems und der Biodiversität mit Blick auf den Klimawandel beitragen.  
 
Der Begriff „Konservierung“ kann jedoch leicht falsch interpretiert werden, da er bestimmte Aktivitäten beziehungsweise die Erhaltung eines aktuellen Naturzustands suggeriert, der gleichzeitig nicht die Maxime sein sollte. Der Begriff rührt vielmehr von einer besonders schonenden Bodennutzung (hier: keine Bodenbearbeitung) und verdeutlicht somit den Boden als Zentrum des Anbausystems.  
 
Die Konservierende Landwirtschaft ist jedoch auch nicht mit dem Begriff der konservierenden Bodenbearbeitung zu verwechseln, der sich lediglich auf die Verringerung der intensiven Bodenbearbeitung beschränkt. Die konservierende Bodenbearbeitung verzichtet zwar auf den Pflugeinsatz, jedoch kommen nichtwendende Bearbeitungsgeräte zum Einsatz, wie zum Beispiel Grubber und Scheibenegge, die den Boden je nach Arbeitstiefe in seinem Aufbau und seiner Struktur stören können. 

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Burkhard Fromme ist ein Landwirt der Konservierenden Landwirtschaft© Foto: Burkhard Fromme

6. Regenerative Landwirtschaft

Entscheidend bei der Regenerativen Landwirtschaft ist die Abkehr von der ausschließlichen Optimierung der Ernteerträge hin zu einer längerfristigen Betrachtung der Bodengesundheit, der Förderung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen sowie der Ertragsstabilität. Damit schützt sie die entscheidenden langfristigen landwirtschaftlichen Produktionsfaktoren und Ökosystemleistungen zugleich. 

Es gibt allerdings bisher keine allgemeingültige Definition der Regenerativen Landwirtschaft. So werden die Begriffe und Innovationen dieser landwirtschaftlichen und wissenschaftlichen Bewegung mittlerweile auch von Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft vereinnahmt und verbreitet, mit entsprechend negativen, aber auch positiven Effekten.  

Allen Versuchen der Definition gemein ist jedoch die Annahme, dass die Regenerative Landwirtschaft keine „Standardlösungen“ bereithält, sondern einen kontextspezifischen Weg, dessen konkrete Umsetzung von der Art und Beschaffenheit des lokalen Ökosystems, des Bodens und Klimas, der Pflanzenkulturen und vielen weiteren Faktoren abhängt. Sie stellt also einen Prozess dar, der, der ständige Anpassungen auf dem Betrieb erfordert. 

Die Regenerative Landwirtschaft beruht jedoch auf sechs Grundprinzipien, die auf den drei Grundprinzipien der Konservierenden Landwirtschaft aufbauen:  

  • minimale Bodenstörung 
  • dauerhafte Bodenbedeckung mit Pflanzen und eine permanente Durchwurzelung des Bodens 
  • Förderung der Biodiversität einschließlich einer weiten Fruchtfolge  
  • kontinuierliche Reduktion von künstlichen Produktionsmitteln 
  • Integration von Tierhaltung  
  • Verständnis des Kontextes der Landnutzung des Betriebes  

Diese Grundsätze haben vor allem das Ziel, die Funktionen des lebendigen Bodenökosystems zu unterstützen, indem sie dessen Biodiversität schützen und fördern. 

Die Regenerative Landwirtschaft folgt also keinen standardisierten Vorschriften, sondern erweitert die aktuellen landwirtschaftlichen Praktiken maßgeblich und kann dadurch sowohl konventionelle als auch ökologische Betriebe umgestalten.  

Hervorzuheben ist schließlich die Tatsache, dass sich mittlerweile Praktiker*innen aus allen der auf dieser Seite aufgeführten Landwirtschaftsmethoden mit der Regenerativen Landwirtschaft identifizieren – einer Landwirtschaft, die die Biodiversität und Ökosystemleistungen nicht nur erhält, sondern kontinuierlich durch die landwirtschaftlichen Produktionsmethoden aufbaut.

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Die verschiedenen Beispiele haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, zum Beispiel gibt es auch das sogenannte „Natural Farming” in Japan und Indien sowie diverse weitere Ansätze. 

Kontakt

Getreidefeld mit Mähdrescher im Hintergrund
Team Landnutzung

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