Unterschätzter Ressourcenfresser
Papierherstellung belastet die Umwelt stärker als du denkst

Papier hat in der Öffentlichkeit ein tadelloses ökologisches Image. Doch der grüne Schein trügt: Wie stark die Papierherstellung die Umwelt belastet, ist hierzulande weitgehend unbekannt. Tatsächlich benötigt die Produktion von Papier große Mengen an Ressourcen: Holz, Wasser, fossile Energie und Chemikalien (etwa Chlor, Säuren). Die Papierindustrie gehört damit zu den drei energieintensivsten Industrien Deutschlands – nach der Metallerzeugung und der chemischen Industrie. Papierherstellung trägt zudem zu einem Nährstoffüberschuss in Gewässern bei, der das ökologische Gleichgewicht stört (fachsprachlich: „aquatische Eutrophierung").
Die Folgen der Papierherstellung für die Natur sind gravierend
Die Produktion von Zellstoff, dem zentralen Baustein für die Papierherstellung, stützt sich größtenteils auf industrielle Forstwirtschaft – mit schweren Folgen für Wälder weltweit. Sie treibt massiven, teils illegalen Holzeinschlag voran und ist einer der Hauptgründe für den Verlust von Urwaldbeständen. Ein Fünftel des Holzeinschlages weltweit geht in die Papierproduktion, und damit in der Regel in kurzlebige Einwegprodukte. Monokulturen und Kahlschläge vernichten biologische Vielfalt und schädigen wichtige Waldfunktionen: sauberes Wasser, stabile Böden, gefilterte Luft, gespeichertes CO₂.
Während Palmöl, Soja und andere Agrarrohstoffe als Ursachen für Waldzerstörung im öffentlichen Fokus stehen, bleibt die Papier- und Zellstoffindustrie als Mitverursacher weitgehend unsichtbar.
Woher stammen die Rohstoffe für unsere Papierprodukte?
Papierherstellung benötigt zunächst Faserrohstoff. Dieser kann aus zwei Quellen gewonnen werden: entweder aus Primärfasern, sprich: aus Holz. Oder durch Altpapierrecycling.
Primär bezieht sich in diesem Zusammenhang darauf, dass ein Rohstoff zum ersten Mal genutzt wird. Daher spricht man synonym auch von Frischfasern. Analog dazu werden Sekundärfasern aus Altpapier gewonnen, in dem der Ursprungsrohstoff bereits verarbeitet wurde.
Für die Primärfaserproduktion wird Zellstoff durch ein aufwendiges chemisches Verfahren aus dem Holz extrahiert. Auf einer zweiten Produktionsstufe entstehen aus den Frischfasern dann Papier, Pappe und Karton. Den Prozess der Papierherstellung erklären wir Dir im nächsten Abschnitt noch genauer.
65 Prozent des hierzulande verarbeiteten Zellstoffs stammen aus Importen, wie die folgende Grafik zeigt.

Mit durchschnittlich rund 200 Kilogramm Papier pro Person zählt Deutschland zu den größten Papierkonsumenten weltweit. Es trägt damit Verantwortung für die Umweltschäden in anderen Ländern, die durch die Zellstoff- und Papierproduktion entstehen – denn die Abholzung von Urwäldern weltweit ist direkt mit dem deutschen Papierverbrauch verbunden.
Zellstoffproduktion auf Holz-Basis ist gleichzeitig der energieintensivste Prozessschritt und belastet so die Umwelt in doppelter Hinsicht, wie der folgende Abschnitt zeigt.
Warum der Ressourcenverbrauch bei der Papierherstellung so hoch ist
Laut Umweltbundesamt (UBA) ist die Papierindustrie der weltweit fünftgrößte industrielle Energieverbraucher. Für die Produktion einer Tonne Kopierpapier aus Primärfasern werden bis zu fünf Megawattstunden (MWh) nicht-erneuerbare Energie benötigt – genauso viel wie für die Herstellung einer Tonne Stahl. Die folgende Grafik veranschaulicht den komplexen Prozess der Papierherstellung:

Die Hauptursache für den hohen Energieverbrauch ist die Zellstoffgewinnung aus Holz. Wenn Papierprodukte nicht aus Altpapier hergestellt werden, müssen eingangs erwähnte Primärfasern produziert werden. Dafür werden in einem aufwändigen chemischen Verfahren die einzelnen Fasern aus dem Holz herausgelöst – der besagte Zellstoff entsteht. Das Herauslösen ist der energie- und wasserintensivste Schritt der gesamten Papierherstellung. Altpapier zu recyceln verbraucht deutlich weniger Energie. Aus dem Altpapier gewonnene sogenannte Sekundärfasern erfordern – im Gegensatz zur Primärfaserproduktion – auch kein neues Holz.
Bei der Herstellung einer Tonne Primärfaserpapier fallen zudem bis zu 50 Kubikmeter Abwasser an. Dieses ist meist stark mit Chemikalien belastet, insbesondere mit organischen Kohlenstoffverbindungen. Diese können in Kläranlagen nur bedingt abgebaut werden und gelangen schließlich in die Flüsse – mit negativen Folgen etwa für die Bodenfruchtbarkeit. Auch tragen die Abwässer zur aquatischen Eutrophierung bei. In ursprünglich nährstoffarmen Gewässern wachsen dadurch Algen und Wasserpflanzen übermäßig. Sie entziehen anderen Pflanzenarten, Kleinlebewesen und Tieren die Lebensgrundlage.
Altpapierrecycling schont Klima und Natur
Der Einsatz von Altpapier anstelle von Frischfasern reduziert die Umweltbelastung erheblich. Die Produktion einer Tonne Hygienepapier aus Altpapier verbraucht 71 Prozent weniger Energie und 25 Prozent weniger Süßwasser als mit Primärfasern aus Holz, wie die folgende Grafik zeigt:

Allerdings: auch Altpapierrecycling verbraucht viele Ressourcen entlang der gesamten Produktionskette. Die Fasern lassen sich nicht unbegrenzt wiederverwenden – mit jedem Durchlauf nimmt ihre Qualität ab: Durchschnittlich sind dabei bis zu sieben Durchläufe möglich. Daher ist Abfallvermeidung noch wichtiger als Recycling.
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NABU-Forderungen zur Papierherstellung
Sowohl in Europa als auch weltweit wächst der wirtschaftliche und ökologische Druck auf Wälder und Forstflächen. Das gefährdet zunehmend die Biodiversität und die Fähigkeit der Wälder, Kohlenstoff zu speichern. Der weltweite Holzverbrauch muss dringend eingeschränkt werden – allen voran der Papierverbrauch.
Wertvolles Holz sollte primär für langlebige Güter genutzt werden. Für kurzlebige Produkte wie Hygienepapiere und Verpackungen sollte es nur nachrangig verwendet werden. Gerade bei Hygienepapieren, die nicht recycelt werden können, ist die Altpapiernutzung deutlich zu erhöhen.
Das Altpapierrecycling muss qualitativ verbessert werden. Dazu müssen Papiere ohne schwer abbaubare sowie umwelt- und gesundheitsgefährliche Chemikalien hergestellt werden. Denn sie verhindern den Einsatz von Altpapier für Lebensmittelpapiere. Da Papiere nicht unendlich im Kreislauf geführt werden können und auch das Recycling energieintensiv ist, hat die absolute Verbrauchsminderung Priorität.
Technologien für Papierherstellung und Altpapierrecycling sind weiter ökologisch zu optimieren. Das betrifft die Energieeffizienz, den Wasserverbrauch, Chemikalieneinsatz sowie den Einsatz erneuerbarer Energien. Über transparente Lieferketten müssen Holz und Zellstoff besser rückverfolgbar sein. Einschläge in ökologisch besonders schützenswerten Wäldern müssen dringend verhindert und sanktioniert werden.
Auch für die Umweltbelastungen in anderen Ländern muss die Papierindustrie in Deutschland Verantwortung übernehmen. Grundlage der Waldbewirtschaftung sind nach Ansicht des NABU resiliente und möglichst naturnahe Wälder, um die Ökosystemleistungen des Waldes sicherzustellen.
Letzte Aktualisierung: 06/2026
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