Alt schlägt neu

7 Dinge, die du über Papierrecycling wissen solltest

Papierrecycling schont Wälder, spart Energie und Wasser – erheblich und messbar. Trotzdem stammt noch immer mehr als jedes dritte Blatt aus frischem Holz. Was mit Altpapier möglich wäre und was dazu fehlt – ein Überblick.
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Altpapier-Ballen in der Sortieranlage ALBA Berlin, die zu Recyclingpapier weiterverarbeitet werden
Altpapier-Ballen in der Sortieranlage, die zu Recyclingpapier weiterverarbeitet werden© Foto: NABU/Benjamin Bongardt

Papierherstellung mit Recyclingpapier schont wichtige Ressourcen. Es wird aus Altpapier – sogenannten Sekundärfasern – gewonnen. Recyclingpapier ersetzt Frischfaserpapier aus Primärfasern, die aus „frischem" Holz hergestellt werden. Holz wird eingespart, Wälder werden geschützt. Das fördert den Erhalt der Biodiversität, vermindert die Flächenkonkurrenz und schützt Lebensräume der lokalen Bevölkerung. Sekundärfasern kommen in der Regel aus der Region. Das erspart lange Transportwege und reduziert klimaschädliche Emissionen.

Das Beispiel Hygienepapier veranschaulicht den Zusammenhang zwischen Papierverbrauch und Holz- und Flächennutzung: Für eine Tonne Hygienepapier aus Primärfasern werden mindestens 1.700 Quadratmeter Waldfläche benötigt. Wer sparsam mit Papier umgeht und Altpapier nutzt, reduziert also den Druck auf die Wälder.

Eine Kahlschlagfläche in Deutschland. Holz für Papier stammt aus industrieller Forstwirtschaft, nicht aus naturnahen Wäldern© Foto: NABU/Jan Piecha

Recyclingpapier spart nicht nur Holz, sondern wirkt sich auch positiv auf Klima, Energie- und Wasserverbrauch aus. Es herzustellen benötigt im Vergleich zu Primärfaserpapier durchschnittlich nur halb so viel Energie und ein Drittel des Wassers.

Allerdings handelt es sich dabei um Durchschnittswerte – exakte Zahlen für die gesamte Papier- und Zellstoffindustrie gibt es nicht. Wie stark die Vorteile ausfallen, hängt von mehreren Faktoren ab – etwa vom Produkt, der Papiersorte, der Rohstoffherkunft, dem Herstellungsverfahren und dem technischen Stand der jeweiligen Papierfabrik. In der folgenden Grafik siehst du den ökologischen Nutzen von Recyclingpapier am Beispiel einer Tonne Hygienepapier.

Balkendiagramm „Ökologische Vorteile von Recyclingpapier“: Pro Tonne Recyclingpapier gespart gegenüber Primärpapier: Energie 71%, Ozonabbau 48%, Feinstaub 48%, Versauerung 33%, Süßwasserverbrauch 27%, Treibhausgas 25%, Schadstoffemissionen 12%
© Grafik: NABU/E. Tuckow

Das Papierrecycling ist jedoch nicht endlos möglich: die Qualität der Fasern nimmt bei jedem Recyclingprozess ab. Auch müssen bei vielen Papierprodukten Primärfasern beigemischt werden. So bestehen in Deutschland Transportverpackungen zu über 80 Prozent aus Altpapier. Schätzungen zufolge werden dafür jährlich 600.000 Tonnen Primärfasern benötigt – nach NABU-Berechnungen umgerechnet 1,2 Millionen Bäume.

Die Altpapiereinsatzquote lag in Deutschland im Jahr 2024 durchschnittlich bei 84 Prozent. Diese hohe Quote ergibt sich vor allem dadurch, dass in Kartonagen und Verpackungspapieren sehr viel Altpapier verwendet wird. Bei Hygienepapier dagegen sank dieser Anteil von 74 Prozent im Jahr 2000 auf 39 Prozent im Jahr 2024. Ein Grund dafür ist, dass heute weniger weiße grafische Altpapiere zur Verfügung stehen als früher. Inzwischen wurden Prozesse entwickelt, mit denen sich Hygienepapiere wie Toilettenpapier, Taschentücher oder Küchenrolle auch aus recycelten Kartons herstellen lassen. Diese Produkte erkennt man an ihrer beigen bis braunen Optik. Wenn Kund*innen diese Produkte annehmen, könnte der Altpapiereinsatz in Hygienepapieren zukünftig wieder steigen.

Allerdings ist der Einsatz von Recyclingpapier nicht für alle Anwendungen möglich. Das hat technische wie hygienische Gründe, zum Beispiel bei direktem Kontakt mit Lebensmitteln. Für solche Fälle kommen nur bestimmte Altpapierquellen zum Einsatz. Teilweise greifen Hersteller direkt auf Primärfasern zurück. So lässt sich verhindern, dass Schadstoffe wie Druckfarben aus dem Altpapier auf Lebensmittel übergehen. Dennoch gibt es ein großes Potenzial, mehr Altpapier einzusetzen und die Qualität des Recyclingpapiers zu verbessern.

Du willst tiefer einsteigen? Hier beantworten wir Dir die wichtigsten Fragen rund ums Papierrecycling.

NABU-Forderungen zum Papierrecycling

Papierrecycling schont Ressourcen, kann den Verbrauch aber nicht allein kompensieren. Der NABU fordert:

  • Verbrauchsreduktion durch Mehrweg-Transportverpackungen, Mehrwegverpackungen für den To-go-Bereich und Verzicht auf überflüssige Umkartons.
  • Verbesserung der Altpapiersammlung: Laut Umweltbundesamt besteht der Hausmüll in der Restmülltonne zu über fünf Prozent aus Altpapier.
  • Recyclingfreundliche Produktgestaltung gewährleisten, nur recyclingfähige Verbundverpackungen in Verkehr bringen.
  • Bessere Sortiertechnik in den Anlagen: Ohne Nachsortierung gehen laut Umweltbundesamt über die Outputströme von Sortieranlagen erhebliche Mengen an Altpapier-Qualitäten verloren (20 bis 40 Prozent). Dieser Verlust könnte durch integrierte Nachsortierung um rund 50 Prozent verringert werden.
  • Erhöhung der Recyclinganteile in Hygienepapieren, die nach der Nutzung nicht in den Recyclingkreislauf zurückfließen, sowie in grafischen Papieren.
  • Nachfrage nach Altpapierprodukten in der öffentlichen Beschaffung stärken.
  • Verbot mineralölbasierter Farben in Verpackungen und grafischen Papieren, um hochwertigeres Recyclingpapier produzieren zu können (einschließlich Lebensmittelkonformität).
  • Gefährliche Chemikalien aus Papierprodukten eliminieren, damit das Altpapier nicht belastet ist.

Ansprechperson

Porträtaufnahme Katharina Istel, NABU-Mitarbeiteterin.
Katharina Istel
Senior Referentin Kreislaufwirtschaft
+49 (0)30 284 984-1661
Katharina.Istel@NABU.de

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