Wir alle kennen das: Wir stehen im Supermarkt und wollen möglichst nachhaltig einkaufen. Oft greifen wir dann zu einem in Papier verpackten Produkt. Denn immer mehr Unternehmen stellen ihre Verpackungen von Plastik auf Papier um – und werben damit. Der Haken: Papier ist nicht automatisch ökologisch besser als beispielsweise Kunststoff. Jede Nutzung natürlicher Ressourcen ist ein Eingriff ins Ökosystem. Und die Papierherstellung braucht enorme Mengen an Holz, Energie und Wasser.
Die Abwässer aus der Papierindustrie belasten auch in Deutschland die Gewässer. In Papier steckt eine Vielzahl von Chemikalien. Sie gelten teils als gesundheits- und umweltgefährdend. So wurden ausgerechnet auch Chemikalien aus der Stoffgruppe der sogenannten PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) in Einweggeschirr und To-go-Verpackungen aus Papier und Pappe eingesetzt, damit diese nassfest und fettbeständig sind. Dabei stecken PFAS normalerweise in anspruchsvolleren Produkten als Pommesschalen: in Feuerlöschern, feuerfester Kleidung, Pfannenbeschichtungen oder Outdoorausrüstung. Die Substanzen reichern sich in der Natur an – bis hinauf in die Arktis. Laut Umweltbundesamt wurden sie nicht nur in Pflanzen und Tieren, sondern auch im menschlichen Blut und sogar in Muttermilch nachgewiesen. Im Körper schwächen sie unter anderem das Immunsystem.
Die EU hat das Problem erkannt, reguliert aber uneinheitlich: Einige PFAS sind bereits verboten oder eingeschränkt, andere bislang gar nicht. Für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt gibt es durch die EU-Verpackungsverordnung seit August 2026 strenge Grenzwerte für alle PFAS.
Unser Papierverbrauch hat globale ökologische Folgen
Deutschland ist Europas führender Papierproduzent. Wir haben einen der höchsten Pro-Kopf-Verbräuche an Papier auf dem Planeten – mit Auswirkungen auf die Wälder weltweit. Über ein Drittel des Zellstoffs, der hier zu Papier verarbeitet wird, stammt aus Brasilien. Wälder sind Orte großer biologischer Vielfalt, binden Treibhausgase und stabilisieren das Klima der Erde. Holzeinschlag und industrielle Forstwirtschaft für die Papierproduktion beschädigen oder vernichten solche Ökosysteme.
Als „Bösewichte“ der weltweiten Waldzerstörung gelten vor allem Palmöl und Soja. Die Papier- und Zellstoffindustrie bleibt dagegen weitgehend außerhalb des öffentlichen Fokus – zu Unrecht.
Papier ist nicht gleich Papier
Wie stark ein Produkt die Umwelt belastet, hängt von vielen Faktoren entlang seines Lebenszyklus ab: der Herkunft des Holzes oder Zellstoffs, dem Einsatz von Altpapier, unterschiedlichen Herstellungsverfahren und Technologien der Produktionsanlagen sowie dem Produktdesign. Es macht einen großen Unterschied, ob ein Papierprodukt aus Altpapier entsteht, das in Deutschland gesammelt wurde – oder aus frischem Zellstoff vom anderen Ende der Welt, für den womöglich sogar Urwald gerodet wird.
Wichtig ist auch, ob ein Papierprodukt recycelt werden kann: Kunststoffbeschichtungen und gewisse Zusatzstoffe in den Papieren können das Altpapier-Recycling erschweren oder unmöglich machen. Gerade für feuchte und fettige Lebensmittel kommen immer mehr Papierverpackungen auf den Markt, etwa To-go-Becher und Schalen für Fertiggerichte. Diese lassen sich bislang nicht zu hochwertigen neuen Fasern recyceln. Hygienepapiere wiederum landen nach einmaliger Nutzung in der Toilette oder im Restmüll – ihr Recycling ist ausgeschlossen. Umso mehr zählt hier der Einsatz von Altpapier.
Als Orientierung empfiehlt der NABU, beim Kauf von Papierprodukten auf das staatliche Umweltzeichen „Blauer Engel“ zu achten. Das Siegel zeichnet Produkte aus, die innerhalb ihrer Kategorie besonders umweltschonend sind. Für Papierprodukte, in denen sich Altpapier gut verarbeiten lässt, verlangt es nicht nur dessen Einsatz, sondern setzt auch strenge ökologische Kriterien für die Herstellung. Schulhefte und Kopierpapier, Toilettenpapier und Babywindeln, Kaffeefilter oder Küchenrolle – sie alle gibt es mit dem Blauen Engel. Bei Produkten, in denen sich kein Altpapier verarbeiten lässt – wie eben Windeln –, stellt das Siegel hohe Anforderungen an die Herkunft des Zellstoffs.
Selbst gut recyclingfähige Papierverpackungen schneiden nicht immer besser ab als solche aus Kunststoff. Und auch wenn mal eine Papiervariante ökologisch vorn liegt: Der Verbrauch materieller Ressourcen in den Ländern des Globalen Nordens liegt weit über den planetaren Grenzen. Die Frage ist also nicht einfach nur, ob Papier besser oder schlechter als Plastik ist. Vielmehr müssen wir überlegen, wie wir den Ressourcenverbrauch insgesamt senken und global gerecht verteilen. Produktion und Konsum müssen so weit sinken, dass sie unsere Lebensgrundlagen nicht zerstören.
Wie du im Alltag Papier sparst, richtig entsorgst und Produkte aus Altpapier erkennst, haben wir in unseren [Papier-Tipps] zusammengestellt.
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