Ein Taschenbuch pro Tag

Papierverbrauch in Deutschland bleibt viel zu hoch

Auspacken, abreißen, ausdrucken: Beim Papierverbrauch zählt Deutschland weltweit zu den Spitzenreitern. Das meiste Papier landet nach kurzer Nutzung im Müll – und was die Digitalisierung einspart, fressen Verpackungen wieder auf.
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Altpapiertonne mit Kartonagen
Der Papierverbrauch hat sich je nach Papierart sehr unterschiedlich entwickelt© Foto: NABU/Kühnapfel Fotografie

Seit Jahren gehört Deutschland zu den größten Papierverbrauchern der Welt: Knapp 16 Millionen Tonnen Papier, Pappe und Karton waren es allein im Jahr 2024. Pro Kopf lag der rechnerische Verbrauch bei 190 Kilogramm. Das sind circa 520 Gramm pro Tag – ungefähr ein 500-seitiges Taschenbuch. Über die Hälfte davon entfällt auf Verpackungen, wie die folgende Grafik zeigt. Dazu kommen grafische Papiere wie Schreib- oder Zeitungspapier und Hygienepapiere, etwa Toilettenpapier oder Windeln. Den kleinsten Anteil machen Spezialpapiere aus – zum Beispiel Teebeutel, Kaffeefilter, Backpapier oder Banknoten.

Schätzungsweise 90 Prozent aller Papiere nutzen wir nur einmal oder nur kurz – dann sind sie Abfall. Das ist eine enorme Verschwendung natürlicher Ressourcen, denn die Papierherstellung belastet Natur und Umwelt erheblich.

Infografik „Papierverbrauch in Deutschland 2024“: Von 16 Mio. t Papier entfallen 9 Mio. t (58%) auf Verpackungspapiere, 4,5 Mio. t (27%) auf grafische Papiere, 1,5 Mio. t (9%) auf Hygiene‑ und 1 Mio. t (6%) auf Spezialpapiere.
© Grafik: NABU/E. Tuckow

Wohin der Trend beim Papierverbrauch geht

Seit dem Jahr 2000 stagnierte der Pro-Kopf-Verbrauch von Papier über zwei Jahrzehnte auf hohem Niveau – obwohl digitale Alternativen immer mehr Büro- und Zeitungspapier ersetzten. Bei diesen Sorten – in der Grafik grün dargestellt und als grafische Papiere zusammengefasst – gab es vor allem ab 2010 tatsächlich Einsparungen. Doch der wachsende Verbrauch an anderen Papierarten kannibalisierte sie über Jahre fast vollständig. Erst in den letzten Jahren sinkt der Papierverbrauch insgesamt spürbar – allerdings von einem Niveau, das noch immer fast das Vierfache des globalen Durchschnitts beträgt.

Gepacktes Säulendiagramm „Papierverbrauch in Deutschland“: Pro Kopf/Jahr (kg) 2000–2024 für Verpackung, grafisches, Hygienepapier und Spezialpapiere. Trend: Rückgang bei Verpackung (232→190 kg), Anstieg bei Hygiene (189→222 kg)
© Grafik: NABU/E. Tuckow

Weniger Zeitungspapier, mehr Verpackungen

In absoluten Zahlen: Zwischen 2000 und 2021 lag der jährliche Papierverbrauch in Deutschland weitgehend konstant bei 19 bis 20 Millionen Tonnen. Im Jahr 2022 ging er auf 17,5 Millionen Tonnen zurück, 2024 waren es knapp 16 Millionen.

Die verschiedenen Papierarten haben sich dabei sehr unterschiedlich entwickelt: Der Verbrauch an grafischen Papieren ging deutlich zurück, bei Verpackungs- und Hygienepapieren stieg er kräftig an.

Gepacktes Säulendiagramm „Papierverbrauch pro Kopf 2000 vs. 2024“ (kg): Verpackungspapiere +22% (110→134 kg), grafisches Papier -58% (120→51 kg), Hygienepapiere +35% (89→120 kg), Spezialpapiere +7% (10→11 kg).
© Grafik: NABU/E. Tuckow

Dass immer mehr Verpackungspapier verbraucht wird, liegt vor allem am wachsenden Online-Handel – sprich: an den Versandkartons. So stiegen die Verpackungsabfälle aus Papier, Pappe und Karton in Privathaushalten zwischen 2000 und 2020 um 55 Prozent.

Auch der Verbrauch von Hygienepapier stieg steil an. Das liegt unter anderem daran, dass Toilettenpapier immer mehr Lagen hat – zum Beispiel fünf statt drei – und die alternde Bevölkerung mehr Inkontinenzprodukte benötigt. Gleichzeitig sank die Quote des Altpapiereinsatzes in der Produktion von Hygienepapier von 74 Prozent im Jahr 2000 auf 39 Prozent im Jahr 2024 – es steckt also immer mehr Frischfaser in den Wegwerfprodukten.

Weltweit steigt der Papierverbrauch weiter

Treiber dafür ist vor allem die wirtschaftliche Entwicklung in Asien und anderen wachsenden Volkswirtschaften. Hinzu kommt der Trend, Plastik durch Papier zu ersetzen – das könnte die Nachfrage zusätzlich steigern. Die Hauptverantwortlichen bleiben jedoch die gleichen: Wie schon heute produzieren und verbrauchen die Industriestaaten Westeuropas und Nordamerikas pro Kopf die größten Mengen Papier.

NABU-Forderungen zum Papierverbrauch

Der NABU fordert neben einem höheren Einsatz von Altpapier eine absolute Verbrauchsminderung bei Papierprodukten und -verpackungen. Dazu gehören unter anderem:

  • Verbindliche Abfallvermeidungsziele der Bundesregierung
  • Reduktionsziele auch für den Papier- statt nur für den Kunststoffverbrauch bei Unternehmen
  • Mehrweglösungen für Versand- und Transportverpackungen
  • Drastische Reduktion von Einweggeschirr, Einwegbechern und To-go-Verpackungen durch Mehrweglösungen in der Gastronomie und in privaten Haushalten
  • Verbot des „Overpackaging" – also unnötig großer oder mehrschichtiger Verpackung – bei Primär- und Transportverpackungen, einschließlich Umkartons, sowie von „Luftverpackungen"
  • Abschaffung der Vorverpackungen bei Obst und Gemüse. Dazu sollte es ein flächendeckendes Angebot an Mehrwegbeuteln anstelle von Papiereinwegtüten für loses Obst und Gemüse sowie Backwaren geben
  • Gesetzliche Abgabe auf Einweg-Papiertragetaschen
  • Materialeffizientere Hygieneprodukte und Abkehr von der zunehmenden Nutzung von Einweg-Handtüchern, Einweg-Putztüchern sowie feuchtem Toilettenpapier
  • Opt-in-Lösung für Werbung im Postkasten (aktive Einwilligung zum Erhalt im Vorhinein)
  • Weiterentwicklung des digitalen Büros und der digitalen Ablage

Letzte Aktualisierung: 06/2026

Ansprechperson

Porträtaufnahme Katharina Istel, NABU-Mitarbeiteterin.
Katharina Istel
Senior Referentin Kreislaufwirtschaft
+49 (0)30 284 984-1661
Katharina.Istel@NABU.de

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