Kein Plastik in die Biotonne
Qualität von Bioabfall

Mehr als 1.200 Tonnen Mikroplastik werden laut einer NABU-Studie über die Ausbringung von Komposten und Gärprodukten pro Jahr in die landwirtschaftlichen Böden in Deutschland eingetragen. Ein zentraler Grund hierfür ist, dass zu häufig Plastiktüten und sonstige Plastikabfälle in der Biotonne entsorgt werden. Eine Studie der Universität Bayreuth aus dem Jahr 2018 wies Mikroplastikpartikel in allen untersuchten Komposten aus Bioabfällen nach. Erfahrungsberichte aus den Kommunen deuten darauf hin, dass der Anteil an Fremdstoffen in der Biotonne tendenziell steigt. Neben Kunststoffen landen auch Glas und Metalle regelmäßig in der braunen Tonne. Da die Fremdstoffe später technisch nicht vollständig abgetrennt werden können, führt der steigende Fremdstoffgehalt zu einer verminderten Kompostqualität und schließlich dazu, dass diese Stoffe in den Gärten und auf den Ackerflächen landen.
Potenzial nutzen
Der NABU fordert die Kommunen daher auf, Maßnahmen zu ergreifen, um hochwertigen, fremdstoffarmen Kompost zu gewährleisten. Denn das ökologische Potenzial einer hochwertigen Verwertung von Bioabfällen ist enorm: Kompost dient als Ersatz für Kunstdünger und torfhaltige Erden, schützt dadurch Ressourcen und Klima und trägt als Nährstoff- und Humuslieferant zur Bodenverbesserung bei.
Fremdstoffanteile im Bioabfall: Ursachen, Folgen, Grenzwerte
Maßnahmen zur Reduzierung des Fremdstoffanteils im Bioabfall
Best-Practice-Beispiele aus den Kommunen
Erhebungen des NABU zeigen, wie sich die Sammelmengen von Bioabfall je nach Kommune unterscheiden. Dies geht auf unterschiedliche Siedlungsstrukturen zurück, aber auch auf Maßnahmen, die Kommunen ergriffen haben, um die Nutzung der Biotonne zu erhöhen. Die Steigerung der Quantität und die Verbesserung der Qualität der Bioabfallsammlung muss hierbei Hand in Hand gehen. Zahlreiche Kommunen haben Maßnahmen ergriffen, um Fremdstoffe in der Biotonne zu reduzieren. Im Folgenden stellt der NABU ausgewählte Best-Practice-Beispiele vor.
NABU-Forderungen
Minimaler Fremdstoffanteil – maximale Menge
- Kommunen müssen Maßnahmen zur Reduktion des Fremdstoffanteils ergreifen. Diese sollten langfristig angelegt sein, entsprechende Stellen in den Behörden und Entsorgungsunternehmen müssen geschaffen werden.
- „Weiche“ (z.B. Abfallberatung) und „harte“ Maßnahmen (z.B. Tonnenkontrollen und Sanktionen) müssen sich sinnvoll ergänzen.
- Technische Ansätze, die die Fremdstoffe einzelner Chargen entfrachten, können Maßnahmen am Beginn der Abfallerfassung (bessere Mülltrennung) ergänzen, nicht aber ersetzen.
- Bioabfallbehandler sollten verpflichtet werden, alle Untersuchungsergebnisse von Fremdstoffanalysen an die Behörden zu übermitteln.
- Verpflichtende Mindeststandards für die kommunale Abfallberatung sollten bundesweit festgelegt werden.
- NABU-Forderungen zur Steigerung der Bioabfallsammelmengen finden Sie hier.
Weiterführende Literatur und Links
- Aktion Biotonne Deutschland
- Aktion "Wir für Bio"
- Bundesgütegemeinschaft Kompost (2020): Sortenreine Bioguterfassung
- Bundesgütegemeinschaft Kompost (2019): Kunststoffe in Kompost und Gärprodukten
- Kehres, B. (2018): Problem Fremdstoffe/Kunststoffe in Bioabfall und Kompost
- Kehres, B. (2018): Standardisierung der Untersuchung von Fremdstoffen in Bioabfällen
- Umweltbundesamt (2019): Ermittlung von Kriterien für eine hochwertige Verwertung von Bioabfällen und Ermittlung von Anforderungen an den Anlagenbestand
- Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie (2019): Leitfaden zur hochwertigen Behandlung und Verwertung von Bio-und Grüngut im Freistaat Thüringen

