NABU-Studie zu Kunststoff-Einträgen in landwirtschaftlich genutzte Böden

Plastik in der Landwirtschaft

Mehr als 13.000 Tonnen Kunststoffe werden in Deutschland jährlich durch landwirtschaftliche Aktivitäten freigesetzt. Dies ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des NABU. Der Großteil der Kunststoffe landet direkt im oder auf dem Boden.
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Zu Kunststoff-Emissionen und der Bodenbelastung durch Kunststoffe gibt es noch großen Forschungsbedarf. Aus diesem Grund hat der NABU das Fraunhofer UMSICHT und Ökopol beauftragt, erstmals Quellen für Kunststoffeinträge in landwirtschaftlich genutzte Böden in Deutschland umfassend zu identifizieren und die Mengen der Kunststoff-Emissionen abzuschätzen. Die Berechnungen umfassen Kunststoff-Emissionen in der Landwirtschaft und im professionellen Gartenbau inklusive Baumschulen (im Folgenden mit dem Begriff Landwirtschaft zusammengefasst). In der Studie werden darüber hinaus Maßnahmen vorgeschlagen, um die Emissionsmengen zu reduzieren.

Im Ergebnis werden schätzungsweise 13.256 Tonnen Kunststoffe jährlich durch landwirtschaftliche Aktivitäten in die Umwelt freigesetzt. Hinzu kommen 5.800 Tonnen Plastikabfall, der auf landwirtschaftlich genutzte Böden geweht wird. Die folgende Übersicht zeigt die Quellen und die geschätzten Emissionsmengen pro Jahr:

Knapp drei Viertel der Gesamtemissionen gehen auf die als Düngemittel eingesetzten Klärschlämme, Komposte und Gärreste zurück. Hier sind Landwirtschaft und Gartenbau Leidtragende der Verschmutzungen durch Dritte – beispielsweise durch Plastikfehlwürfe in der Biotonne oder durch Reifenabrieb und Textilfasern im Abwasser, die in der Kläranlage im Klärschlamm gebunden werden. Die Verantwortung, Kunststoffeinträge zu reduzieren, liegt daher nicht allein bei Landwirtschaft und Gartenbau.

Umgerechnet auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Deutschland entsprechen die berechneten Emissionen einer Flächenbelastung von durchschnittlich 1,1 Kilogramm Kunststoff pro Hektar und Jahr. Die Spannbreite ist hier jedoch hoch, wenn man die einzelnen Emissionen auf die für die Anwendung jeweils relevanten Flächen bezieht. Über Bodenverbesserer, die im Boden für die Speicherfähigkeit und Durchlässigkeit für Luft und Wasser fördern, werden über 400 Kilogramm pro Hektar eingetragen, über Pflanzenschutzmitteln und Saatgut dagegen weniger als 0,1 Kilogramm.

Der Großteil der Kunststoffe wird direkt in den Boden eingetragen: Kunststoff-Verschmutzungen im Klärschlamm, in Komposten/Gärresten oder als Bestandteil von Düngemitteln, Bodenverbesserern, Pflanzenschutzmitteln oder Saatgut. Ein kleinerer Teil der Kunststoffe wird dagegen nicht bewusst in die Böden eingebracht, ein Verbleib auf oder im Boden ist eigentlich nicht beabsichtigt, findet aber in der Praxis statt: Gerade dünne Agrarfolien können schnell reißen und in Kleinteile zerfallen oder die Kunststoff-Beschichtungen von Fahrsilos reiben ab. So können diese Kunststoffe in den Boden oder auch in die angrenzende Natur gelangen.

NABU-Forderungen

  • Entwicklung einer Gesamtstrategie zur ökologisch verträglichen Nutzung von Kunststoffen in Landwirtschaft und Gartenbau sowie zur Minimierung der Kunststoffeinträge in Böden.
  • Einsatz von abbaubaren Kunststoffen beziehungsweise Polymeren nur bei sinnvoller Anwendung und nachgewiesener Abbaubarkeit unter den realen Umweltbedingungen am Einsatzort.
  • Entwicklung einer geeigneten und einheitlichen Messtechnik für Kunststoffgehalte in Böden.

Mikroplastik im Boden ist nicht rückholbar und baut sich kaum ab, auch bioabbaubare Polymere wie PLA bauen im Boden nicht so gut ab wie in einer industriellen Kompostierungsanlage, da sich die Temperatur und andere Umweltbedingungen, die den Abbau beeinflussen, stark unterscheiden.

Zu den Folgen und Risiken von Plastik im Boden besteht noch Forschungsbedarf, dennoch geben viele Studien Anlass zur Sorge: Untersuchungen zeigen, dass hohe Kunststoffkonzentrationen im Boden das Pflanzenwachstum hemmen und Plastikpartikel in Nanogröße von den Pflanzenwurzeln aufgenommen werden. Auch kann Mikroplastik die Bodenfauna, etwa Regenwürmer, schädigen.

Im Sinne des Vorsorgeprinzips sind Kunststoff-Emissionen so gut es geht zu unterbinden: jede Tonne, die reduziert wird, zählt. Daher ist es auch wichtig, Reduktionsmaßnahmen für Quellen umzusetzen, die vergleichsweise wenig zur Gesamtemission beitragen.

Der NABU fordert nicht, die Kunststoffnutzung in Landwirtschaft und Gartenbau zu verbieten. Die Nutzung ist in vielen Fällen auch für den Naturschutz wichtig, wenn dadurch beispielsweise weniger giftige Pestizide ausgebracht werden oder seltener gedüngt wird. Der NABU fordert einen bedachten und sinnvollen Einsatz von Kunststoffen, einschließlich bioabbaubarer Kunststoffe.

 

Informationen und NABU-Forderungen zu den einzelnen Emissionsquellen

Zum Download

Datei-Pfad aus Imperia:

Download-Beschreibung: Studie von Fraunhofer UMSICHT und Ökopol im Auftrag des NABU: „Kunststoffe in der Umwelt: Emissionen in landwirtschaftlich genutzte Böden“ (05/21)
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/konsumressourcenmuell/210521-fraunhofer_oekopol_studie_plastik_landwirtschaft.​pdf

Datei-Pfad aus Imperia:

Download-Beschreibung: Studie von Fraunhofer UMSICHT und Ökopol im Auftrag des NABU: „Kunststoffe in der Umwelt: Emissionen in landwirtschaftlich genutzte Böden“ - Zusammenfassung (11/21)
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/konsumressourcenmuell/211102-mp-boeden-studie_nabu-zusammenfassung_nabu_final.​pdf

Datei-Pfad aus Imperia:

Download-Beschreibung: Factsheet Kunststoff-Emissionen in Landwirtschaft und Gartenbau (05/21)
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/konsumressourcenmuell/210521-nabu_factsheet_mp_boeden.​pdf

Datei-Pfad aus Imperia:

Download-Beschreibung: Factsheet „Plastics in Soils“ (08/2021)
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/konsumressourcenmuell/2021_factsheet_nabu_plastics_soils_english.​pdf