Nach heutigem Wissensstand sind Pilze enger mit den Tieren als mit den Pflanzen verwandt, bilden aber neben Pflanzen und Tieren ein eigenständiges Reich von enormer Artenvielfalt. Man geht davon aus, dass es auf der Welt mehr Pilz- als Pflanzenarten gibt.
Dank ihrer winzigen, leicht verbreitbaren und oft in ungeheuren Mengen gebildeten Sporen sind Pilze allgegenwärtig und doch nur selten augenscheinlich. Wir nehmen noch am ehesten jene Arten wahr, die Fruchtkörper bilden. Die als kulinarische Köstlichkeit verehrten Trüffel, Steinpilze oder Morcheln sind also nur die Vermehrungsstadien der Arten, ähnlich den Äpfeln des Apfelbaumes.
Bedeutung von Pilzen für den Naturhaushalt
Zusammen mit den Bakterien bilden Pilze die Zersetzerorganismen (Destruenten) im Stoffkreislauf unserer Ökosysteme. Sie bauen beispielsweise Holz, vertrocknete Blätter, Früchte, aber auch Horn und Fette ab. Dabei führen sie Stickstoffverbindungen und andere Stoffe in den Boden zurück, die dadurch Pflanzen und Tieren erneut zur Verfügung stehen. Diese „Recycling“-Aufgabe macht Pilze aus ökologischer Sicht zu den Ernährern des Waldes.
Was können Pilze noch?
Beim Thema Pilze geht es um viel mehr als die Frage „giftig oder nicht“. „Pilze sind ebenso wichtig wie Pflanzen und sie haben so viele Zukunftslösungen parat: Sie sanieren die Böden. Sie können Kunststoff, Styropor sowie Verpackungen ersetzen. Sie lassen sich zu Dämmmaterial oder sogar Tinte verarbeiten. Sie spielen als Antibiotika und Immunstabilisatoren eine zentrale Rolle in der Medizin und enthalten unzählige Vitalstoffe für unsere Gesundheit. Sie spenden beispielsweise Vitamin D, wenn wir im Herbst kaum noch welches durch die Sonneneinstrahlung auf unserer Haut aufnehmen“, weiß Pilzsachverständige Dr. Rita Lüder. Sie ist Mitglied im Bundesfachausschuss für Mykologie beim NABU und war Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM).
Gefährdete Pilze
Viele heimische Pilzarten sind gefährdet, oder bereits ausgestorben: Rund ein Drittel der bisher untersuchten rund 5.000 Großpilzarten Deutschlands steht auf der Roten Liste.
Bedrohte Wälder = bedrohte Pilze
Pilze sind stark von ihrer Umwelt abhängig und daher meist an spezifische Biotope gebunden. Daher funktioniert der Schutz von Pilzarten nur gesamtheitlich als Biotopschutz. Im Zusammenhang mit Forschungen über das Waldsterben ist schon in den siebziger Jahren erkannt worden, dass dem Waldsterben ein Pilzsterben vorausgeht beziehungsweise mit ihm gekoppelt ist.
Viele Pilze reagieren sehr empfindlich auf Umweltbelastungen und sind daher zuverlässige Indikatoren für Verunreinigungen. Kahlschlagbetrieb, Altersklassenwälder und Veränderungen des Baumartenbestandes wirken sich aus. Besonders die Mykorrhizapilze scheinen zunehmend durch Luftschadstoffe und Nährstoffeintrag gefährdet zu sein.
Welche Pilze stehen unter direktem Naturschutz?
Einige Pilzarten sind stark gefährdet. Sie stehen unter direktem Naturschutz und dürfen nicht gesammelt werden. Dazu gehören: Schaf-Porling,
Semmel-Porlinge, Kaiserling, Weißer Bronze-Röhrling, Gelber Bronze-Röhrling, Sommer-Röhrling, Echter Königs-Röhrling, Blauender Königs-Röhrling, Erlen-Grübling, März-Schneckling, Saftlinge, Trüffel.
Unter eingeschränktem Schutz stehen viele beliebte Speisepilze, beispielsweise Birkenpilz, Rotkappe, Steinpilz, Pfifferling und andere Leistlinge, Schweinsohr, Brätling und Morcheln. Diese dürfen laut Bundesartenschutzverordnung „in geringen Mengen für den eigenen Bedarf der Natur entnommen werden.“
In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist das Pilzesammeln ausnahmslos verboten.







