Für den Erhalt wertvoller Ökosysteme

Bundesfachausschuss Mykologie

Der BFA Mykologie sieht sich in der Verantwortung, die Pilze und damit verknüpfte Themen stärker in den Fokus der breiten Öffentlichkeit zu rücken und „Pilzinteressen“ im Naturschutz zu verankern.
  • Artikel

Der BFA Mykologie setzt sich dafür ein, die Mykologie stärker in den Fokus der öffentlichen Gemeinschaft und des Naturschutzes zu rücken. Der BFA sieht sich daher in der Verantwortung, Orts-, Regional- und Landesverbände untereinander und mit dem NABU-Bundesverband zu vernetzen. Hierbei sollen vorrangig bereits bestehende Strukturen unterstützt werden.

Obwohl Pilze als Destruenten, Symbionten und Parasiten in allen Ökosystemen präsent sind, reichen die Kenntnisse über sie selten über den kulinarischen Tellerrand hinaus. Ein Grund dafür ist ihre „heimliche“ Lebensweise, denn Pilze wirken im Verborgenen. Der eigentliche Organismus, das Myzel, ist fast immer im Holz, Boden oder in und an Wirten versteckt. Viele Arten kommen lediglich zur sexuellen Vermehrung als Fruchtkörper zum Vorschein und sind nur so in der Natur erkennbar. Dieser als Fruktifikation bezeichnete Prozess ist stark von Jahreszeit und Witterung abhängig. Es ist möglich, dass eine Pilzart an einem Standort nur einmal in 5-10 Jahren fruktifiziert und nur dann im Gelände nachweisbar ist. Dies macht die Kartierung von Pilzarten und -gemeinschaften zu einer besonderen Herausforderung. Wegen der oft engen Bindung an bestimmte Umweltzustände sind zahlreiche Pilze dafür sensible Zeiger. Sie reagieren vor allem empfindlich auf Bodenverdichtung, Austrocknung, Nährstoffeintrag, Pestizide und Habitatverlust. Aufgrund ihrer Funktionalität sind sie essentieller Bestandteil gesunder Böden und beeinflussen die Qualität unserer Feldfrüchte.

Ein langfristiges Ziel des BFA Mykologie ist die Integration von Pilzen in naturschutzrechtliche Systeme mithilfe der Erarbeitung biotopspezifischer Charakterisierungen auf der Basis aktueller Roter Listen.

Werden Pilze im Naturschutz berücksichtigt, so erhalten wir uns wertvolle Güter, wie artenreiche Habitate und gesunde Böden, für nachfolgende Generationen.

Mitmachen

Der BFA Mykologie ist daran interessiert breit aufgestellt zu sein und freut sich daher über jedes aktive Mitglied. Da der Mykologie traditionell auch die Flechten unterstellt werden, der Lichenologie, jedoch (noch) kein eigener BFA zuteil ist, sind gerade Lichenologen oder solche die es werden wollen herzlich willkommen! Wer Lust hat sich am BFA zu beteiligen, meldet sich bitte beim Sprecher Alexander Karich.

Kontakt

Sprecher

Dr. Alexander Karich

Aktuelle Projekte

Erhalt eines bemerkenswerten Mykotops in Lückendorf (Zittauer Gebirge, Sachsen)

In Lückendorf (Sachsen) befindet sich in einem ehemaligen Kurpark eine Wiese, auf der eine Vielzahl seltener Pilzarten nachgewiesen wurde. Gemeinsam mit Vertretern der Gemeindeverwaltung und örtlichen Naturschutzvereinen setzt sich der BFA für den Erhalt des Standortes und die wissenschaftliche Betreuung des Mykotops ein. Eine vorläufige Einschätzung der Artenvielfalt der Wiesenbiotops-spezifischen Pilzgruppen Clavariaceae, Hygrocybe s.l., Entoloma, Geoglossaceae, Dermoloma s.l – auch unter dem Akronym CHEGD bekannt – stuft die Wiese trotz seiner geringen Größe von etwa 250 m² als international gehaltvoll ein. So konnten hier neben vielen Vertretern der Gattung Hygrocybe (Saftlinge), darunter auch eine mutmaßlich unbeschriebene Art, mit Microglossum rufescnes und Lamelloclavaria petersenii, bereits zwei Neufunde für Deutschland, und darüber hinaus, mit Entoloma simulans, eine bis dato unbeschriebene Rötlingsart nachgewiesen werden.

In Zukunft soll verstärkt auf diese besondere Wiese hingewiesen werden. Außerdem wird eine Infotafel die bedeutende Situation vor Ort darstellen und erörtern, welche Maßnahmen für den Erhalt solcher Mykotope notwendig sind.

Literatur:

A. Karich, H. Kellner, M. Schmidt & R. Ullrich (2015). Ein bemerkenswertes Mykotop im Zittauer Gebirge mit Microglossum rufescens als Erstnachweis für Deutschland. Boletus 36-2, S. 151-163

A. Karich & R. Ullrich (2019). Lamelloclavaria petersenii, eine Clavariaceae mit agaricalem Hymenophor – Erstfund für Deutschland. Boletus 40-1, S. 17-23

Publikationen

Datei-Pfad aus Imperia:

Download-Beschreibung: BOLETUS – Pilzzeitschrift
Download-Link:

Datei-Pfad aus Imperia:

Download-Beschreibung: Beiheft 13 (2014): Verantwortungsarten bei Großpilzen in Deutschland von Matthias Lüderitz und Andreas Gminder
Download-Link:

Datei-Pfad aus Imperia:

Download-Beschreibung: A. Karich, H. Kellner, M. Schmidt & R. Ullrich (2015): Ein bemerkenswertes Mykotop im Zittauer Gebirge mit Microglossum rufescens als Erstnachweis für Deutschland. Boletus 36-2, S. 151-163
Download-Link:

Externe Links

Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V.: www.dgfm-ev.de
Pilze Deutschlands: www.pilze-deutschland.de