Das WATTRenature-Projekt macht Potenzial für natürlichen Klimaschutz sichtbar

Wie viel Kohlenstoff speichert die Nordsee?

Gesunde Meere können enorme Mengen Kohlenstoff speichern und das Klima schützen. Eine NABU-Studie berechnet erstmals das Potenzial zur Kohlenstoffspeicherung von Salzwiesen, Seegras, Kelpwäldern und Meeresboden in der Nordsee.
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Salz- und Seegraswiesen haben große Bedeutung für die Biodiversität: Kleine Fische finden darin Schutz, Zugvögel fressen sich dort nach ihren Langstreckenflügen satt, Schnecken und Würmern dienen sie als Lebensraum. Außerdem schützen sie als Wellenbrecher die Küste vor Sturmfluten und Erosion. Doch diese und andere marine Biotope leisten so viel mehr: Sie speichern große Mengen Kohlenstoffdioxid (CO₂), den sogenannten „Blauen Kohlenstoff“.

Blauer Kohlenstoff (Blue Carbon)

„Blauer Kohlenstoff“ bezeichnet den Kohlenstoff, der von marinen und küstennahen Biotopen wie Salz- und Seegraswiesen aufgenommen und gespeichert wird. 

Bisher ist diese Bedeutung von Meeres- und Küstenbiotopen für den Klimaschutz kaum bekannt, aber es gibt einen enormen Wissenszuwachs. Das WATTRenature Projekt unterstützt den Transfer dieses Wissens in die Politik und in die praktische Umsetzung, und zeigt, warum diese Lebensräume in der Nordsee und im Wattenmeer so wichtig sind.   

Dazu gehen wir in den Dialog mit Entscheidungsträger*innen, Behörden und Wissenschaftler*innen und setzen uns für den Erhalt und die Wiederherstellung dieser natürlichen Kohlenstoffsenken ein. 

Viele marine Ökosysteme wurden in der Vergangenheit durch menschliche Eingriffe zerstört. Entwässerte Salzwiesen beispielsweise haben einen Großteil ihres Kohlenstoffspeichers verloren, weil sie für landwirtschaftliche Zwecke umgestaltet wurden.

Ebenso sind Seegraswiesen an der niedersächsischen Küste stark zurückgegangen. 97 Prozent der Flächen sind aufgrund der schlechten Wasserqualität, bedingt durch die zu hohe Nährstoffbelastung, verschwunden. Aus Sicht des Natur- und Klimaschutzes besteht daher die Notwendigkeit, diese Lebensräume wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen, sprich: Sie wiederherzustellen. Dabei kann es im Falle der Seegraswiesen schon genügen, die Nährstoffbelastung zu reduzieren.

NABU-Studie zeigt Speicherpotenzial der deutschen Nordsee

Die von der Universität Kiel durchgeführte Studie berechnet erstmals Kohlenstoffspeicherpotenziale von Salzwiesen, Seegraswiesen, Kelpwäldern und dem Meeresboden in der deutschen Nordsee. Die Ergebnisse sind in einer Karte zusammengeführt:

Die Karte zeigt, wie viel Kohlenstoff pro Jahr im Boden gespeichert wird (die Kohlenstoffsequestrierungsraten von Salzwiesen, Seegraswiesen und Kelpwäldern). Die dunklen Flächen speichern mehr Kohlenstoff als die helleren. In den hell gefärbten Flächen sollte geprüft werden, ob Wiederherstellung möglich ist. Weitere Karten stehen zum Download bereit.

Allein in den Salzwiesen der deutschen Nordseeküste sind bereits 6,64 Millionen Tonnen Kohlenstoff gespeichert – dafür könnte man mit einem PKW die Erde gut siebenmal umrunden! Fast 40.000 Tonnen Kohlenstoff werden jährlich im Boden der Salzwiesen eingespeichert. Der Projektbericht zeigt: Insgesamt speichern die vier untersuchten Biotope über 250.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Die Wiederherstellung und der Schutz von Seegras und Salzwiesen sind also vielversprechende, notwendige Mittel, unser Klima zu schützen.

 

Die Politik ist am Zug

Durch den Schutz mariner Kohlenstoffsenken können wir Klima, Artenvielfalt und die Küste schützen. Im nächsten Schritt müssen die Biotope, die in der Vergangenheit zerstört wurden, wiederhergestellt werden.

Für den Wiederaufbau der Kohlenstoff speichernden Biotope brauchen wir für die gesamte Küste, über alle Bundesländer hinweg, einen Wiederherstellungsplan. Dieser sollte sich an dem von der EU beschlossenen Nature Restoration Law (Verordnung zur Wiederherstellung der Natur) orientieren und eine sichere Finanzierung bekommen.

Nach dieser Verordnung müssen bis 2030 mindestens 20 Prozent der degradierten Flächen wiederhergestellt werden.

Woran scheitert die Wiederherstellung in Deutschland?

In den kommenden Jahren wird das „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ Wiederherstellungsprojekte an der Küste finanzieren. Doch schon jetzt ist klar, dass die Gelder nicht für alle Projekte ausreichen werden. Es fehlt an konkreten Plänen und einheitlichen Förder- und Rahmenbedingungen in Bund und Ländern.

Neben der Finanzierung ist der Flächenzugriff eine Hürde. Oft gibt es viele Eigentümer und Interessensgruppen, die Wiederherstellungsprojekte sehr kompliziert machen. Hinzu kommt, dass im Küstenschutz eher technische Strukturen wie Deiche und Dämme gebaut werden und natürliche Küstenschutzmaßnahmen zu wenig Bedeutung haben.

Der NABU möchte durch das Projekt WATTRenature in den fachlichen Austausch mit den Behörden und der Wissenschaft gehen, um Lösungen zu finden und politische Handlungsempfehlungen zu entwickeln.

Download

Datei-Pfad aus Imperia:

Download-Beschreibung: NABU-Standpunkt: Carbon Capture and Storage (CCS) im Meer (2024)
Download-Link: /imperia/md/nabu/images/naturschutz/meeresschutz/240612-nabu-standpunkt-ccs-im-meer.​pdf

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Download-Beschreibung: Faltblatt „Natürlicher Klimaschutz im Meer“ (2024)
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/naturschutz/meeresschutz/240619-nabu-faltblatt-klimaschutz-im-meer.​pdf

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Download-Beschreibung: NABU-Projektdokumentation: Kohlenstoffspeicher Nordsee (01/24)
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/meeresschutz/240126_nabu_nordsee-kohlenstoff_projektdokumentation.​pdf

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Download-Beschreibung: NABU-Kartenmaterial: Kohlenstoffspeicherpotenziale der marinen Biotope (8 Karten) (01/24) 3.2 MB
Download-Link:

Datei-Pfad aus Imperia:

Download-Beschreibung: NABU-Standpunkt: „Meeresschutzgebiete – Chance für Natur und Klima“ (04/24)
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/meeresschutz/240410_nabu-standpunkt-meeresschutzgebiete.​pdf

Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV).