Hin zu einer erneuerbaren Zukunft

Was ist Bioökonomie?

Einfach erklärt, ist Bioökonomie ein auf nachwachsenden Rohstoffen basierendes Wirtschaftssystem. Als Rohstoffe können dabei nicht nur Pflanzen, Holz und Nutztiere eingesetzt werden – sondern auch organische Reststoffe, Mikroorganismen, Algen oder Insekten.
Aufnahme von oben, eine grüne Agrarlandschaft mit Heckenreihen zwischen Grünflächen..
Agroforst-Fläche© Foto: Lignovis GmbH/Michael Weitz

Langfristig soll ein Großteil der weltweit verwendeten fossilen Rohstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas durch nachwachsende Rohstoffe (Biomasse) ersetzt werden. Diese Wirtschaftsweise wird als Bioökonomie bezeichnet. Fossile Rohstoffe wie Öl, Gas und Kohle stecken in vielerlei Produkten unseres täglichen Bedarfes: vom Shampoo über Turnschuhe bis hin zur Wandfarbe und dem Treibstoff für das Auto.

Wir müssen die fossilen Energieträger im Boden lassen und unser Wirtschaftssystem Schritt für Schritt auf biobasierte Rohstoffe und Produkte umstellen. Denn die Nutzung fossiler Ressourcen ist nicht nur für die zunehmende Umweltverschmutzung und den Verlust an biologischer Vielfalt, sondern auch für den Ausstoß von klimaschädlichen CO₂-Emissionen verantwortlich.

Was umfasst die Bioökonomie?

Die Bioökonomie nutzt unterschiedliche biologische Rohstoffe und Ressourcen, darunter Pflanzen aus Land- und Forstwirtschaft, Holz und holzbasierte Rohstoffe, Rest- und Abfallstoffe aus Land- und Forstwirtschaft, Industrie und Haushalten sowie Tiere, Algen, Pilze und Mikroorganismen. Bereits heute stehen zahlreiche innovative Verarbeitungstechnologien zur Verfügung, mit denen diese biobasierten Rohstoffe in vielfältige Produkte umgewandelt werden können. Biologische Rohstoffe finden heute in vielen Bereichen Anwendung, zum Beispiel für:

  • Chemische Grund- und Spezialstoffe 
  • Bauen und Wohnen 
  • Verpackungen und Konsumgüter 
  • Textilien und Fasern  
  • Medizin und Pharma  
  • Energie und Kraftstoffe

Nicht jede Nutzung ist aus Naturschutzsicht gleichermaßen sinnvoll. Eine nachhaltige Bioökonomie muss Prioritäten setzen und Biomasse dort nutzen, wo sie fossile Rohstoffe wirkungsvoll ersetzt und gleichzeitig den größten gesellschaftlichen Nutzen erzielt.

Nachwachsende Rohstoffe brauchen viel Fläche

Die Grundidee der Bioökonomie basiert auf dem Austausch der fossilen durch eine nachwachsende, biobasierte Rohstoffbasis. Dabei wird Bioökonomie häufig als nachhaltige Alternative dargestellt. Tatsächlich hängt ihre Umweltbilanz jedoch stark von der Art der Rohstoffgewinnung und Nutzung ab. Begriffe wie erneuerbar oder nachwachsend suggerieren eine grenzenlose Verfügbarkeit der Rohstoffe. Bereits heute werden weltweit große Flächen intensiv genutzt, um Nahrung, Futtermittel, und Energiepflanzen bereitzustellen. Künftig droht zudem ein hoher Biomassebedarf für Technologien, die CO2 aus der Atmosphäre entfernen sollen (negative Emissionen).

In Deutschland reicht die verfügbare Fläche nicht aus, um die gesamte Rohstoffversorgung biobasiert auszurichten. Steigt die Nachfrage nach Biomasse weiter, nimmt der Druck auf landwirtschaftliche Flächen und natürliche Ökosysteme zu. Vor diesem Hintergrund ist eine strategische und ressourceneffiziente Nutzung von Biomasse erforderlich, um Nutzungskonflikte zu begrenzen und ökologische Belastungsgrenzen einzuhalten.

Der Anbau von Mais zur Erzeugung von Biogas oder als Ausgangsstoff für biobasiertes Plastik braucht enorm viel Fläche und schädigt Artenvielfalt, Böden und teils auch das Klima© Foto: NABU/Jan Piecha

Wirtschaften im Rahmen der planetaren Grenzen

Am Konzept der planetaren Belastungsgrenzen wird dieser Umstand besonders deutlich. Sie bilden den festen Rahmen für die zukünftige Umsetzung ökologischer, sozialer und ökonomischer Ziele. Arten-, Klima- und Naturschutz müssen deshalb bei der gemeinschaftlichen Entwicklung und Gestaltung bioökonomischer Produktionsprozesse streng berücksichtigt werden. Der Wandel hin zu einer naturverträglichen Bioökonomie darf nicht einseitig sondern muss als Gesamtheit betrachtet werden. Technologische Innovationen allein werden keine nachhaltige Bioökonomie garantieren. Für eine breite Akzeptanz der Bioökonomie sind zivilgesellschaftliche Dialoge und neue Allianzen erforderlich.

Traktor in der Abendsonne auf einem Feld.

Menschgemachter Druck auf das Erdsystem

Planetare Grenzen im Kontext der Bioökonomie

Die industrielle Landwirtschaft ist eine der Hauptgründe für das Überschreiten planetarer Grenzen. Eine erhöhte Nachfrage nach Biomasse könnte die Lage verschärfen.

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Chancen durch die Bioökonomie

Richtig gestaltet kann die Bioökonomie einen wichtigen Beitrag zur Transformation hin zu einer klimaverträglichen und ressourcenschonenden Wirtschaftsweise leisten, beispielsweise in der Chemiebranche. Sie bietet nicht nur das Potenzial, fossile Rohstoffe schrittweise zu ersetzen, sondern auch Innovationen für nachhaltige Produktionsverfahren voranzutreiben, regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken und neue Beschäftigungs- und Entwicklungsperspektiven zu schaffen. Damit eröffnet Bioökonomie vielseitige Chancen für eine nachhaltigere Wirtschaftsweise und einen starken, zukunftsfähigen Standort Deutschland.

Peenetal Ackerrandstreifen bei Quilow

Ökonomie und Ökologie verbinden

Vielseitigkeit der Bioökonomie und ihre Chancen

Die Bioökonomie nutzt nicht nur land- und forstwirtschaftlich erzeugte Rohstoffe, sondern auch organische Reststoffe, Tiere, Mikroorganismen, Insekten oder Algen. Nachhaltig und naturverträglich ist sie aber erst dann, wenn sie den Einsatz fossiler Rohstoffe, den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen sowie den Verlust an Biodiversität begrenzt.

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Politischer Rahmen entscheidend

Der NABU sucht nach konstruktiven Lösungen, um eine naturverträgliche und zukunftsfähige Bioökonomie in den planetaren Grenzen umzusetzen, die gleichzeitig einen entscheidenden Beitrag zum Klima- und Artenschutz leistet. Dazu braucht es eine wirksame Bioökonomie-Gesetzgebung, die die Umweltbilanz und Mengennachhaltigkeit berücksichtigt.

Vogel-Icon auf hellblauem Hintergrund

Wege zur umweltgerechten Bioökonomie

Politische Rahmenbedingungen für die Bioökonomie

Um eine weitere Übernutzung der Ökosysteme zu vermeiden, braucht es für die Bioökonomie wirksame politische Leitplanken.

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Ansprechperson

Porträtfoto von Steffi Ober
Dr. Steffi Ober
Teamleitung Transformation
+49 30-284984-1612
Steffi.Ober@NABU.de

Unter der Lupe: Gentechnik