Besserer Schutz für Schweinswal, Seetaucher & C

Meeresschutzgebiete

Meeresschutzgebiete sollen bedrohte Arten und empfindliche Lebensräume bewahren. Aber leider schützen sie nicht, wie sie es sollten! Unsere Meere leiden unter Rohstoff-Abbau, Überfischung, Bautätigkeiten und regem Schiffsverkehr.
Gruppe Austernfischer fliegt übers Meer
Austernfischer im Wattenmeer© Foto: Christoph Moning

Seit Jahren bemühen sich Regierungen weltweit, die artenreichen Lebensräume durch die Ausweisung von rechtsverbindlichen Meeresschutzgebieten zu schützen.

  • Sie sollen den Verlust der marinen Artenvielfalt stoppen, die wichtigen Funktionen der Meeresökosysteme für uns Menschen erhalten, und können dadurch auch zum Klimaschutz beitragen.
  • Bis zum Jahre 2030 sollen 30 Prozent der Weltmeere unter Schutz stehen – aktuell sind es lediglich 9,8 Prozent. Streng geschützte Bereiche bestehen sogar nur auf etwa drei Prozent.

Doch unzureichende Regulierungen menschlicher Aktivitäten, mangelhafte Überwachung der Gebiete und eine fehlende Durchsetzung der rechtlichen Vorgaben sind dafür verantwortlich, dass viele Schutzgebiete nur auf dem Papier existieren.

Die Lage in Nord- und Ostsee

Auch die heimischen Schutzgebiete werden ihrem Anspruch nicht gerecht. Zwar sind rund 45 Prozent der Nord- und Ostsee ausgewiesene Schutzgebiete, doch aktuelle Bewertungen des Zustandes unserer Meere zeigen deutlich: Von einem guten ökologischen Zustand unserer Meere sind wir weit entfernt. Schützenswerte Arten wie Schweinswale, Seevögel, Fische sowie sensible Lebensräume wie Riffe, Sandbänke oder Schlickgründe stehen weiterhin unter hohem Nutzungsdruck.

Fokus auf das Weltnaturerbe Wattenmeer

Wattenmeer aus der Luft fotografiert, Blick auf Wasser durchzogen von Sandstellen.

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Weltnaturerbe Wattenmeer

Das Wattenmeer genießt in großen Teilen als UNESCO-Weltnaturerbe den höchsten Schutzstatus für Naturräume. Dennoch gerät es immer weiter unter Druck.

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Wie richtig schützen?

Damit ein Schutzgebiet wirksam sein kann, benötigt es ein effektives Management mit verbindlichen Schutzzielen und konkreten Schutzmaßnahmen sowie ein etabliertes Monitoring und konsequente Kontrollen.

  • Der Schutz von Arten, Lebensräumen und ökolog. Funktionen in geschützten Gebieten muss auf der gesamten geschützten Fläche Vorrang vor Nutzungsinteressen haben.
  • Schutzgebiete brauchen räumliche und zeitliche Zonierungen, die bestimmte Nutzungen nur in ausgewählten Bereichen erlauben,
  • sowie nutzungsfreie Bereiche („No-Take-Zonen“), die komplett frei von menschlichen Aktivitäten und Eingriffen sind

Zudem müssen Schutzkonzepte dynamischer werden, um wandernde Arten besser zu berücksichtigen – etwa durch Migrationskorridore und eine bessere ökologische Vernetzung der Schutzgebiete.

OECMs

Weitere räumliche Schutzmaßnahmen

Neben rechtsverbindlichen Meeresschutzgebieten wird auch über den Beitrag anderer räumlich basierter Maßnahmen, sogenannter OECMs (engl. other effective area-based conservation measures) diskutiert. Der Begriff entstammt den Zielen der Biodiversitäts-Konvention der Vereinten Nationen für das Jahr 2020. Er beschreibt Gebiete, die nicht als Schutzgebiet ausgewiesen sind, aber so verwaltet werden sollen, dass sie einen positiven und langfristigen Beitrag zum Schutz und Erhalt der Artenvielfalt leisten können.

Um diesen Zielen gerecht werden zu können, bedürfen OECMs klaren Kriterien hinsichtlich Ausweisung und Management sowie verbindlichen Regelungen. Insbesondere im marinen Kontext sind diesbezüglich noch viele Fragen offen, eine erste Einschätzung zu den Möglichkeiten und Risiken von OECMs liefert unser Hintergrundpapier.

NABU fordert strengen Schutz

Um dem voranschreitenden Artenverlust in Nord- und Ostsee entgegenzuwirken und die Ökosystemleistungen der Meere zu erhalten, braucht es schnellstens wirksame Schutzgebiete. In ihrem Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2021 hat sich die damalige Bundesregierung verpflichtet, zehn Prozent der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) gemäß EU-Biodiversitätsstrategie streng zu schützen, also Zonen frei von jeglichen extraktiven und/oder lebensraumverändernden Aktivitäten zu etablieren. Richtig so!

Seit Jahren unterstützt der NABU die wissenschaftlich basierte Forderung, dass mindestens 50 Prozent der Meeresschutzgebiete frei von jeglicher schädlichen Nutzung sein müssen und hat in diesem Sinne Vorschläge für streng zu schützende Gebiete in der deutschen AWZ der Nord- und Ostsee entwickelt. Die vom NABU ausgewählten Gebiete decken Bereiche mit der höchsten Dichte an streng geschützten Arten und Lebensräumen und ihrer Funktionen (unter anderem Nahrungs- und Fortpflanzungsgebiete) ab. Darunter befinden sich artenreiche Riffe, Schlickgründe und Sandbänke, Schweinswale und eine Vielzahl an Seevögeln wie Prachttaucher und Eisenten:

Karte der laut NABU streng zu schützender Meeresschutzgebiete in der Nord- und Ostsee.
Karte der laut NABU streng zu schützender Meeresschutzgebiete in der Nord- und Ostsee.© Foto: NABU Bundesverband

Politik muss handeln

Meeresschutz darf kein politisches Versprechen bleiben, sondern entschlossen umgesetzt werden. Meeresschutzgebiete müssen endlich zu echten Rückzugsorten für die Natur werden:

  • Die politischen Verantwortlichen in Bund und Ländern müssen endlich streng geschützte Gebiete ausweisen. Insbesondere da der Druck auf die Meere u. a. durch den Ausbau der Offshore-Windenergie, LNG und die Debatten um CCS weiter ansteigt.
  • Der Schutz der Natur und damit der Meeresschutz sollte integrale Verpflichtung politischer Entscheidungen sein, wie es im Grundgesetz Artikel 20a verankert ist.
  • Des weiteren müssen die Ziele der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, der EU-Wiederherstellungsverordnung und der EU-Biodiversitätsstrategie in das Bundesnaturschutzgesetz aufgenommen werden.

Letzte Aktualisierung: 03/2026

Ansprechperson

Porträtaufnahme Thorsten Werner, mit Kappe und vor blauem Hintergrund.
Thorsten Werner
Wissenschaftlicher Mitarbeiter OSPAR
+49 (0)3831-306 859-2
Thorsten.Werner@NABU.de

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