Für mehr Klimaschutz und Wertschöpfung
Holz effizienter nutzen – dank Kaskadenprinzip

Deutschland liegt hinsichtlich der angestrebten Kreislaufwirtschaft weit hinter anderen europäischen Ländern zurück, die Altholz vorrangig stofflich nutzen, zum Beispiel zur Produktion von Spanplatten. Durch die Verbrennung hingegen werden Ressourcen verschwendet, Klima und Umwelt unnötig belastet und Wälder indirekt abgeholzt. Deutschland muss die stoffliche Verwertung von Altholz deutlich steigern. Von einem Zubau neuer Altholzverbrennungskapazitäten ist vor diesem Hintergrund abzusehen – derartige Planungen müssen gestoppt werden.
Was ist eigentlich Altholz und wofür ist es verwendbar?
Als „Altholz“ ist Holz definiert, welches nach dem Verbrauch anfällt und entsorgt werden muss, zum Beispiel als Sperrmüll oder beim Abriss von Gebäuden. Von den jährlich in Deutschland anfallenden 9 Millionen Tonnen Altholz werden aktuell über 80 Prozent verbrannt. Eine Wiederverwendung von Holzprodukten findet kaum statt und lediglich 1,5 Millionen Tonnen (17 Prozent) werden stofflich genutzt – obwohl die im Kreislaufwirtschaftsgesetz vorgegebene fünfstufige Abfallhierarchie der Wiederverwendung und dem Recycling gegenüber der Verbrennung einen Vorrang einräumt und auch die EU eine Kaskadennutzung von Holz vorgibt. Dies ist jedoch nicht ausreichend gesetzlich verankert.
Was bedeutet das Kaskadenprinzip?
Die Kaskadennutzung von Holz bedeutet, dass der Rohstoff so lange wie möglich im Kreislauf geführt wird. Er soll zunächst möglichst viele Produktzyklen durchleben, und erst ganz am Ende für die Energieerzeugung genutzt werden, wenn keine andere Nutzung mehr möglich ist. Das wäre deutlich effizienter und würde Ressourcen schonen und das Klima schützen. Das Holz aus einem Baum kann beispielsweise zunächst mehrere Jahrzehnte in einem Möbelstück genutzt werden, dieses kann anschließend aufgearbeitet und noch einmal wiederverwendet werden. Danach kann es zu einer Spanplatte verarbeitet werden und dann zum Beispiel zu einem Terrassenboden. Teils können auch Fasern noch für die Herstellung von Papier genutzt werden, welches mehrfach recycelt wird.
Dieses Vorgehen birgt große Vorteile: Im Gegensatz zur einmaligen Nutzung in der Verbrennung ist die Wertschöpfung bei der mehrfachen stofflichen Nutzung deutlich höher. Das CO2 bleibt länger im Produkt gebunden und heizt so die Klimakrise nicht weiter an. Und der Wald als wichtiger Lebensraum, natürliche Klimaanlage und CO2-Speicher wird geschont, weil weniger Holz entnommen werden muss.
Die Realität sieht leider anders aus: Jede Menge stofflich noch gut nutzbares Holz landet im Kraftwerk oder Ofen. Zugrunde liegt politische Fehlsteuerung: Über Jahrzehnte gab es EEG-Subventionen für die ineffiziente Stromerzeugung aus Altholz. Erst jetzt laufen die letzten Förderungen aus. Die Verbrennung von Frischholz zur Energieerzeugung wird immer noch subventioniert. Die Politik ist gefragt, hier umzusteuern und den wertvollen Rohstoff effizienter zu nutzen.
Die Problematik der Altholz-Verbrennung
Auf der Suche nach alternativen Geschäftsmodellen in Zeiten des Kohleausstiegs setzen immer mehr Unternehmen auf auf Altholz-Verbrennung statt auf Kohle. Konkrete Pläne für solche Altholz-Heiz(kraft)werke existieren momentan in Berlin, Nürnberg, Kassel und Stade. Kürzlich in Betrieb genommen wurden Kraftwerke unter anderem in Hannover und Braunschweig. Zudem wollen der Zementhersteller Cemex und das Entsorgungsunternehmen Alba in Rüdersdorf bei Berlin eine große Anlage zur Herstellung von verkohlten Altholz-Pellets errichten.
Energie aus Altholz klingt grüner und nachhaltiger. Doch diese Pläne gefährden Klima und Wälder: Denn je weniger Altholz die Spanplattenindustrie zur Verfügung hat, desto mehr frisches Holz aus dem Wald muss genutzt werden. Neben diesem indirekten Angriff auf die CO2-Senke im Wald, setzt die Verbrennung von Altholz zusätzliches CO2 frei - sogar mehr als bei der Verbrennung von Kohle. Dieses CO2 würde gebunden bleiben, wenn das Altholz weiter in Holzprodukten genutzt werden würde.
Vom Wald direkt in den Ofen
Auch beim Frischholz besteht dringender Änderungsbedarf: Derzeit wird in Deutschland mindestens ein Drittel des Holzes direkt nach der Ernte verbrannt. Insbesondere saubere Sägereste, aber auch Laub- und Schadholz könnten allerdings problemlos auch stofflich genutzt werden - in Spanplatten sowie auch für innovative Holzprodukte oder als Ausgangsstoff für chemische Stoffe (Bioökonomie).
Die EU hat das Kaskadenprinzip in der EU-Erneuerbaren-Richtlinie RED III verankert und verschiedene Einschränkungen zur Förderung der Energieerzeugung aus Frischholz formuliert. Deutschland muss daher dringend konsequente Schritte unternehmen, damit Holz vorrangig stofflich genutzt wird. Ein erster, überfälliger Schritt wäre es, die Subventionierung von Holzverbrennung vollständig zu beenden. Die staatlichen Mittel sollten stattdessen für eine soziale Wärmewende auf Basis klimafreundlicher Technologien sowie für den Waldumbau und die verstärkte stoffliche Nutzung von Holz verwendet werden.
Gemeinsamer Appell von NABU, VHI und HPE: Mehr Wertschöpfung und Klimaschutz durch Kaskadennutzung von Holz
Holz vorrangig stofflich nutzen! Mit diesem Appell wandte sich der NABU gemeinsam mit dem Verband der Verband der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie (VHI) und dem Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE) an die Politik. Wir sind uns einig: Für mehr Klimaschutz und Wertschöpfung bedarf es konkreter Leitplanken auf nationaler und europäischer Ebene.
Letzte Aktualisierung: 08/2026
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