Umstrittener Unkrautvernichter
Die Kritik an Glyphosat bleibt bestehen

Glyphosat wird in der landwirtschaftlichen Nutzung eingesetzt. Knapp über die Hälfte der deutschen Landesfläche (etwa 51 Prozent) wird landwirtschaftlich genutzt. Seit 2024 ist der Wirkstoff in Haus- und Kleingärten verboten. Die Deutsche Bahn, die Glyphosat an Gleisanlagen anwendet, hat sich freiwillig dazu verpflichtet, den Einsatz auslaufen zu lassen.
Weltweit werden jährlich etwa eine Million Tonnen Glyphosat eingesetzt. Allein in den USA hat sich zwischen 2002 und 2012 die Einsatzmenge nahezu verdreifacht. Vor allem in Kombination mit gentechnisch veränderten (GV) Nutzpflanzen, die resistent gegen den Wirkstoff Glyphosat sind, wird das Mittel in Lateinamerika und Nordamerika in großen Mengen eingesetzt.
Herbizide vernichten Artenvielfalt
Glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel vernichten als Totalherbizid nahezu alle Wildpflanzen. Herbizide wie Glyphosat beeinflussen deshalb die Artenzusammensetzung und die Häufigkeit von Wildkräutern und Gräsern sowohl auf Äckern wie auch auf angrenzenden, unbehandelten Flächen. Etwa ein Drittel der typischen Ackerwildkrautarten ist gefährdet und ihr Bestand hat in den letzten Jahren massiv abgenommen. Wo ehemals noch 20 bis 30 Arten an Ackerkräutern zu finden waren, sind es heute noch etwa fünf bis sieben Arten – dabei handelt es sich oft um herbizidtolerante Gräser und andere Generalisten.
Eine wesentliche Rückgangsursache für die meisten heute in ihrem Bestand bedrohten Wildkräuter und Gräser ist daher mitunter auf den flächendeckenden Einsatz von Herbiziden, und damit auch von Glyphosat, zurückzuführen. Durch die Vernichtung von Ackerwildkräutern und dem damit einhergehenden Verlust von Nahrungsquellen und Lebensräumen, tragen Herbizide wie Glyphosat aber insbesondere auch zum Rückgang der biologischen Vielfalt bei. Nach dem Verlust der Pflanzen verschwinden viele der Bestäuberarten, die auf diese Pflanzen angewiesen sind. Studien zeigen, dass insbesondere die Bestände von Bestäuberarten, die auf nur wenige Pflanzenarten spezialisiert sind, stark sinken und in der intensiv genutzten Landschaft kaum noch Überlebenschancen haben.
Weitreichende Folgen von Totalherbiziden wie Glyphosat
Doch auch für Bestände vieler Fledermaus- und Vogelarten hat der Unkrautvernichter weitreichende Konsequenzen. Seit 1980 sind beispielsweise mehr als zehn Millionen Vogel-Brutpaare aus der Agrarlandschaft verschwunden. Besonders stark betroffen sind Vogelarten, die sich von Insekten ernähren – hierzulande insbesondere Kiebitz, Rebhuhn, Grauammer und Feldlerche.
Der übermäßige Einsatz von Herbiziden wie Glyphosat hat außerdem zur Folge, dass viele Wildkräuter resistent gegen das Mittel werden, was oftmals den Einsatz von weiteren Herbiziden nach sich zieht. Die Resistenzbildung von Gräsern und Kräutern gegen Herbizide wird dadurch beschleunigt. Da Glyphosat zudem die Nährstoffaufnahme von Kulturpflanzen im Boden beeinträchtigen und die Zusammensetzung der Mikroorganismen verändern kann, kommt es häufig zu einem höheren Einsatz von Düngemitteln. Das kann die Pflanzen wiederum schwächen, anfälliger für Schädlinge machen und den Einsatz weiterer Pestizide nach sich ziehen.
Die Kontamination der Böden durch Glyphosat und/oder seinem Abbauprodukt AMPA ist in der Europäischen Union bereits als hoch einzustufen: 48 Prozent der beprobten Böden wiesen Rückstände von über 0,05 mg/kg auf. Das Herbizid gelangt aber nicht nur in die Böden. Durch Regen- und atmosphärische Verwehung kann es zudem auf angrenzende Flächen, in Bäche, Flüsse und Seen gelangen.

Mythos: Klima- und bodenschonendes Glyphosat
Vielfach wird auch argumentiert, dass der Einsatz von Glyphosat die Umwelt entlaste. Und das, obwohl wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Risiken des Einsatzes seit Jahren unterschätzt werden. Auch wenn es viele weitere Pflanzenschutzmittel mit zum Teil giftigeren Wirkstoffen gibt, sind vor allem glyphosathaltige Mittel deshalb ein Problem, weil von ihnen enorme Mengen eingesetzt werden. Vielfach wird Glyphosat zur Arbeitsvereinfachung eingesetzt, da damit zeitintensivere, mechanische Bearbeitungsmethoden umgangen werden können und diese Vorgehensweise aus betriebswirtschaftlichen Gründen für Landwirt*innen oftmals attraktiver erscheint.
Glyphosat wird häufig mit der pfluglosen Bodenbearbeitung oder ferner der Direktsaat in Verbindung gebracht. Teilweise wird Glyphosat sogar als Bedingung dafür gesehen, weil es eine das Unterpflügen von Unkrautern und Beikräutern obsolet macht. Aber auch das stellt einen Eingriff in das Ökosystem Boden dar und hat negative Auswirkungen für Bodenorganismen.
Verbot von Glyphosat ist nur der Anfang
Der NABU spricht sich seit Jahren für ein Glyphosat-Verbot aus: Trotz Ausstiegsplan im Koalitionsvertrag der Ampel wurde Glyphosat von der EU für zehn Jahre verlängert. Dies gilt auch in Deutschland und die Diskussion um einen Ausstieg ist aktuell nicht mehr in der politischen Debatte. Das Verbot von Glyphosat könnte allerdings nur der Anfang sein und es muss sichergestellt werden, dass als Ersatz für Glyphosat nicht giftigere Mittel eingesetzt werden.
Wir müssen unsere Landwirtschaft insgesamt nachhaltiger und naturverträglich gestalten. Dazu reicht es nicht aus, nur einen einzelnen Wirkstoff zu verbieten. Vielmehr brauchen wir ein grundsätzliches Umdenken, systemische Lösungsansätze und müssen die gesamte Giftigkeit und den Einsatz aller Wirkstoffe in den Blick nehmen. Wir müssen wissen, welche Wirkstoffe welche Schäden in der Umwelt verursachen, um das Risiko und insbesondere die Schäden durch Pestizide in der Umwelt in Deutschland und in Europa langfristig zu senken. Nur so können wir die Ziele der europäischen Farm-To-Fork-Strategie erreichen.
Ein systemischer Ansatz ist beispielsweise die regenerative Landwirtschaft. Auch in dieser werden noch glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel (PSM) angewendet. Doch die Mengen können durch die Anwendung regenerativer Praktiken reduziert werden, wie Landwirt*innen in Deutschland und Europa bereits zeigen. Die regenerative Landwirtschaft zeigt vielfältige ökologische Verbesserungen wie Humusaufbau, Reduktion von Pflanzenschutzmitteln, Reduktion von mineralischen Düngemitteln, Reduktion von Diesel – bei gleichbleibenden Erträgen. Unsere Studie zeigt einen Rückgang von bis zu 50 Prozent der PSM in Risiko und somit können durch regenerative Landwirtschaft Pestizidreduktionziele erreicht werden. Der Einsatz von Glyphosat und anderen Pestiziden muss dabei stets mit betrachtet und soweit wie möglich reduziert werden.
(Letzte Aktualisierung 03/2026)
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