Wendehals an einem Ast.
Vogel des Jahres 1988
Wendehals an einem Ast© Foto: Mathias Schäf

Jynx torquilla

Wendehals

Der Wendehals gehört zur Familie der Spechtvögel, auch wenn er von Optik und Verhalten in keiner Weise an einen Specht erinnert: Er trommelt nicht, baut keine Höhle und läuft nicht senkrecht den Stamm entlang, wozu ihm auch die versteiften Schwanzfedern fehlen würden. Zusammen mit einem weiteren Vertreter aus Afrika, dem Rostkehl-Wendehals, bildet er eine eigene Unterfamilie.

Vorkommen in Deutschland

Gefährdungs­grad

Der Gefährdungsgrad ist der Roten Liste der Brutvögel in Deutschland 2020 entnommen.

Gefährdet

  • Nicht gefährdet
  • Extrem selten
  • Vorwarnliste
  • Gefährdet
  • Stark gefährdet
  • vom Aussterben bedroht
  • Ausgestorben

Bestands­zahl

Die Bestandszahl stammt aus "Gerlach et. Al (2025): Vögel in Deutschland - Bestandssituation 2025. DDA, BfN, LAG VSW, Münster."

10.500 - 19.500 Brutpaare

Bestands­trend

Der Bestandstrend stammt aus "Gerlach et. Al (2025): Vögel in Deutschland - Bestandssituation 2025. DDA, BfN, LAG VSW, Münster."

- 48 % (abnehmend)

Steckbrief

Beobachten

von Mitte April bis September zu beobachten

Größe

16-18 cm groß

Besonderheit

perfekt getarnt

Reise

Langstreckenzieher

Funfact

Bei Gefahr macht der Wendehals seinem Namen alle Ehre: Er plustert sich auf und dreht und wendet seinen Kopf hin und her.

Nichts an seiner Optik lässt seine Zugehörigkeit zu der Spechtfamilie erahnen© Foto: Christoph Moning

Beschreibung

Aussehen

Er hat eine ockergelbe Kehle und eine hellbraune, gefleckte Unterseite. Die Oberseite ist grau gefärbt, die Flügel sind überwiegend braun. Im Flug ist ein dunkelbraunes Band auf dem Rücken zu erkennen. Überall auf seinen Federn befinden sich dunkle Flecken und Bänderungen, was ihm ein markantes Tarnmuster verleiht. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt.

Verhalten

Im Gegensatz zu den meisten anderen Spechtarten löst der Wendehals keine Rinde von Baumstämmen und sucht darunter nach Käferlarven. Er spürt hüpfend am Boden Ameisen auf, die er dann mit seiner langen, klebrigen Zunge aufnimmt.

Lebensraum

Der Wendehals benötigt offene, strukturreiche Flächen wie Waldlichtungen, Windwurfflächen, Obstwiesen oder Parks. Hier bewohnt er Baumhöhlen oder Nistkästen.

Gefährdung

Wendehälse sind durch den Verlust ameisenreicher, nährstoffarmer Grasflure durch Eutrophierung, Flurbereinigungen, Rodung von Streuobstbeständen und Anwendung von Insektziden gefährdet. Sie profitieren aber von Schutzmaßnahmen wie Nistkästen und konnten in der Roten Liste herabgestuft werden.

Nahrung

Als Ameisenspezialist verspeist er vor allem ihre Puppen und Larven. Daneben frisst er auch andere Insekten und Spinnen.

Stimme/Laute

Der Gesang des Männchens ist ein lautes, abfallendes „gjä-gjä-gjä-gjä“ aus etwa 15 Silben und erinnert an den Ruf eines Baumfalken. Bei Gefahr warnt der Wendehals mit einem harten „teck“.

Zugverhalten

Er ist ein Langstreckenzieher und überwintert in West- oder Zentralafrika. Er überfliegt die Alpen, meidet aber den Flug über das Mittelmeer. Zunehmend werden Überwinterungen in Südspanien oder Griechenland dokumentiert.

Beobachtungstipps

Wendehälse sind gut getarnt und in vielen Teilen Deutschlands sehr selten. Die besten Chancen hat man in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder im Norden Baden-Württembergs. Suche alte Obstwiesen oder offene Wälder auf und achte auf den Gesang des Männchens.

Tipps zum Fernglaskauf

Aktiv werden

Was kann ich tun?

Lege eine Obstwiese an oder fördere diese durch den Kauf von regionalen, ökologischen Produkten.

Weitere Spechte kennenlernen

Vogelporträt: Wendehals - NABU