Aus der Naturschutz heute

Tipps zum Fernglaskauf

Wer sich für Vögel und ihr Verhalten interessiert, braucht früher oder später ein Fernglas. Nur so erkennt man Details wie Gefiederfarbe, Überaugenstreif oder Schnabelform. Aber welches eignet sich? Unsere Tipps für den Einstieg und für Fortgeschrittene.
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  • von Stefan Bosch
Mädchen schaut durch Fernglas.
Durchblick: Vögel beobachten im NABU-Naturgarten Hamburg© Foto: NABU/Thomas Dröse

Den ersten Blick durch mein neues Spitzenfernglas werde ich nie vergessen: Ein Hausrotschwanz, der im ersten Morgenlicht auf dem Dachgiebel sang, aus voller Kehle und am ganzen Körper vibrierend. Jedes Detail der Federn war bestens zu erkennen. 

Ein Fernglas ist das wichtigste Hilfsmittel zur Vogelbeobachtung. Wer sich für Vögel und ihr Verhalten interessiert, braucht früher oder später eines. Nur mit ihm erkennt man für die Bestimmung relevante Details wie Gefiederfarbe, Überaugenstreif oder Schnabelform. Aber welches Fernglas eignet sich dafür? Bei der Auswahl kommt man um einige technische Details nicht umhin.

Vergrößerung und Linsen-Durchmesser

Erste Informationen über die Leistung gibt auf jedem Fernglas eine Zahlenkombination wie etwa „10 x 40“.

Die erste Zahl ist die Bildvergrößerung – im Beispiel zehnfach – und beschreibt, um wie viel näher ein Objekt dem Betrachter erscheint. Ein 100 Meter entfernter Weißstorch erscheint beim Blick durchs Glas so groß, als sei er nur zehn Meter entfernt.

Zum Beobachten sind sieben- bis zehnfache Vergrößerungen ideal. Bei höheren Werten lässt sich ein Fernglas nicht ausreichend ruhig halten, das Bild zittert und wackelt. Manche Hersteller bieten heute Kombinationen mit umschaltbarer 10- und 15-facher Vergrößerung.

Mit dem richtigen Fernglas lassen sich einige Vögel erspähen© Foto: NABU/Guido Rottmann

Nach dem Multiplikationszeichen steht der Durchmesser der Frontlinse – im Beispiel 40 Millimeter –, von dem zwei wesentliche Qualitäten abhängen: der Lichteintritt ins Glas und das Sehfeld. Je größer die Frontlinse, desto mehr Licht sammelt das Glas. Für Tagbeobachtungen eignen sich 20 bis 32, für ungünstige Lichtverhältnisse 40 bis 80 und mehr Millimeter.

Ergänzend sind nicht sofort ersichtliche Angaben wichtig, die erfragt werden müssen:

Akzeptable Gläser ab 150 Euro

Bessere Werte bei Frontlinse, Okular, Lichtstärke, Dämmerungszahl, Vergütung und Abbildungseigenschaften machen sich natürlich beim Preis bemerkbar. Ferngläser kosten zwischen 25 und 2.000 Euro, in brauchbarer Qualität mindestens 150 Euro. Für den Einstieg reicht das völlig aus. Wenn einen das Birdwatch-Virus gepackt hat, kann man mehr investieren, denn ein Spitzenklassen-Fernglas ist ein Begleiter über Jahre oder Jahrzehnte. Einen Spaziergang ohne Fernglas kann ich mir nicht mehr vorstellen.

Bautechnisch unterscheidet man Ferngläser mit Umkehr- und Dachkantprismen. Erstere sind eckiger, stoßanfälliger und billiger, letztere schlanker, handlicher und leichter. Gute Ferngläser lassen sich auch im Nahbereich bis vier Meter scharf stellen, was die Beobachtung von Kleinvögeln erleichtert. Für intensiven Einsatz empfehlen sich eine Innenfokussierung sowie Gummiarmierung gegen Stöße und Feuchtigkeit. Bei Brillenträgern entscheidet der Abstand zwischen Okular und Brille über die volle Sehfeldnutzung. Qualitätsferngläser verfügen über verstellbare Okularblenden, sodass das Blickfeld mit Brille nicht kleiner wird als ohne.

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Vor dem Kauf beim Händler ausprobieren

Ein Fernglas wird zum „dritten Auge“ des Beobachters, sein Kauf ist deshalb eine individuelle Sache, die eine sorgsame Auswahl erfordert. Am besten geht man zum Fachhändler, der gut berät und mehrere Varianten vorstellen kann. Testen Sie gleich an der Ladentür das Glas und achten Sie auf Gewicht, Handlichkeit, Bedienungsfreundlichkeit, Ergonomie und optische Qualität. Für gelegentliches Beobachten reicht ein Glas mit 7 x 42, 7 x 50 oder 8 x 42, für leidenschaftliche Beobachter ist ein 10 x 40 oder 10 x 50 optimal und in der Dämmerung ein 8 x 56 vorteilhaft. Kompakt- und faltbare Taschenferngläser mit 8 x 25 oder 10 x 25 eignen sich zum Beispiel für Bergtouren.

Zum „Fernsehen“ ist Vorbereitung nötig: Beide Okulare werden auf den Augenabstand des Benutzers eingestellt und leichte Fehlsichtigkeiten mit der Dioptrienkompensation beim Blick auf einen fernen Punkt entweder am Okular oder Mitteltrieb eingestellt. Brillenträger blicken besser mit Brille durchs Fernglas und entfernen dazu die Okularblenden. Zielanpeilung und schnelles Scharfstellen sind reine Routine und müssen trainiert werden - dann wird das Fernglas zum unentbehrlichen, nützlichen Helfer beim Beobachten.

Spektive und Stativ

Nützliches Zubehör für Gläser und Spektive sind Tragegurte, Schutztaschen und Okularkappen gegen Regen. Zur Vogelexkursion gehören gute Bestimmungsbücher, ein Notizbuch und Verpflegung in den Rucksack. Zur Pflege werden regelmäßig Objektiv- und Okularlinsen mit einem Brillenputztuch gereinigt, Sand gegebenenfalls mit Druckluftspray weggeblasen und Scharniere und Fokussierungsgetriebe von Schmutz befreit.

Erschienen in der Naturschutz heute 02/2006.

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