Mittelspecht auf einem Baumstamm.
Mittelspecht© Foto: Frank Derer

Dendrocoptes medius

Mittelspecht

Der Mittelspecht ist in lichtdurchfluteten Laubwäldern zu Hause. Sorgfältig in Reihe gepflanzte artenarme Fichten-Monokulturen meidet er. Hier findet er nicht genügend Insekten, die er mit seinem – im Vergleich zum Buntspecht – schmächtigeren Schnabel aufnehmen könnte. Sein roter, rundlich wirkender Kopf ist zwar auffällig, aber durch seine geringe Stimmfreudigkeit ist der mittelgroße Specht nicht leicht zu entdecken.

Vorkommen in Deutschland

Gefährdungs­grad

Der Gefährdungsgrad ist der Roten Liste der Brutvögel in Deutschland 2020 entnommen.

Nicht gefährdet

  • Nicht gefährdet
  • Extrem selten
  • Vorwarnliste
  • Gefährdet
  • Stark gefährdet
  • vom Aussterben bedroht
  • Ausgestorben

Bestands­zahl

37.000 - 66.000 Brutpaare

Bestands­trend

+ 133 % (zunehmend)

Steckbrief

Beobachten

ganzjährig zu beobachten

Größe

19,5-22 cm groß

Besonderheit

leuchtend rote Kopfplatte

Funfact

Baumsaft spielt für die Ernährung des Mittelspechts eine wichtige Rolle. Mit seiner langen Zunge wird dieser vom Stamm abgeleckt.

Der Mittelspecht hat eine lange Zunge.© Foto: NABU/Winfried Rusch

Beschreibung

Aussehen

Wie der Name schon verrät, ist er der mittlere unter den drei häufigsten schwarz-weißen Spechten: Bunt-, Mittel- und Kleinspecht. Man erkennt ihn gut an seiner leuchtend roten Kopfplatte, seinen gestrichelten Flanken und den hellroten Unterschwanzdecken. Das Männchen ist etwas intensiver rot gefärbt, ansonsten sehen beide Geschlechter nahezu identisch aus.

Der Mittelspecht bewohnt hauptsächlich lichtdurchflutete Laubwälder.© Foto: Frank Derer

Verhalten

Mittelspechte mögen es gerne sonnig. Ist eine warme Baumhöhle in einer alten Eiche angelegt, starten die Spechte Mitte April mit dem Brutgeschäft. Beide Geschlechter kümmern sich dabei um die Brut selbst und die Jungenaufzucht.

Lebensraum

Der Mittelspecht bewohnt sonnige Laubwälder mit alten Eichen und Buchen. Hier kann er sich eine Bruthöhle zimmern und ausreichend Nahrung finden. Ist Totholz vorhanden, können Sie ihn gelegentlich auch in Parks oder Erlenwäldern entdecken.

Gefährdung

Mittelspechte sind nicht gefährdet.

Nahrung

Wie die meisten Spechte bevorzugt der Mittelspecht holzbewohnende Insekten und ihre Larven. Auch Früchte, Samen und Baumsaft gehören zu seinem Speiseplan.

Stimme/Laute

Auf ein Trommeln kann man beim Mittelspecht lange warten, häufiger hört man eine Serie schneller „kücks“. Die erste Silbe ist dabei etwas höher, sodass man insgesamt „kweck kück-kück-kück“ verstehen könnte.

Zugverhalten

Mittelspechte sind Standvögel und verlassen ihr Brutgebiet nur zur Futtersuche.

Was den Mittelspecht besonders macht

Der Mittelspecht ist charakteristisch für alte Laubwälder, in denen Eichen einen hohen Anteil haben. Je nach Region nutzt er auch Bestände von Buchen, Erlen, Pappeln oder Streuobstwiesen – Hauptsache, die Bäume sind alt und bieten viel Nahrung in Form von holzbewohnenden Insekten und ihren Larven. In manchen Regionen, die von Nedelwäldern dominiert werden, fehlt der Mittelspecht ganz. Denn gerade Fichtenmonokulturen bieten ihm keinen Lebensraum.

Der Mittelspecht lebt ausschließlich in Europa: Sein Verbreitungsgebiet geht nicht über Baltikum, Kaspisches Meer und Mittelmeer hinaus. Von seinen etwa 45.000 Paaren lebt ein Großteil in Deutschland. Er ist damit eine Art, für deren Erhalt Deutschland eine große Verantwortung trägt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat der Mittelspecht-Bestand aus nicht eindeutigen Gründen abgenommen. Seit etwa dreißig Jahren macht sich das anschließende Bestandswachstum besonders bemerkbar. Der Mittelspecht konnte sein Vorkommen in das Norddeutsche Tiefland ausdehnen, denn er profitiert wie andere Spechtarten auch von einem insgesamt alternden Baumbestand.

Dem Mittelspecht geht es heute durch wirksame Naturschutzmaßnahmen besser. Biotopbäume, in denen er Bruthöhlen baut und alte Bäume, in welchen er Nahrung findet, werden vermehrt erhalten. Der Sinneswandel in der Forstwirtschaft führt langsam zu einem Waldumbau und der Abkehr von reinen Nadelforsten. Doch wir müssen mehr tun, und dafür ist der Mittelspecht ein hervorragender Botschafter. Es ist nötig, mehr ökologisch wertvolle Wälder aus der Nutzung zu nehmen und zu Wildnis werden zu lassen. Der Anteil von in Wäldern verbleibendem Totholz muss deutlich steigen. Artenreiche alte Wälder sind auch eine wichtige Versicherung gegen die Erderhitzung, da sie Kohlenstoff aus der Atmosphäre binden und zur Kühlung der Umgebung beitragen.

Beobachtungstipps

Der Mittelspecht ist etwas ruhiger als seine Verwandten, hier müssen Sie sich eher auf Ihre Augen verlassen. Suchen Sie daher am besten alte Laubwälder auf und haben Sie einen Blick auf die Baumkronen von alten Eichen und Buchen mit sonnigem Standort. Ein Fernglas ist unbedingt zu empfehlen, um ihn sicher von Bunt- und Kleinspecht zu unterscheiden.

Aktiv werden

Was kann ich tun?

Er ist auf alte Bäume und Totholz angewiesen, nur hier kann er seine Bruthöhle anlegen.

Vogelporträt: Mittelspecht - NABU