Lebendiges Nass

Gewässer

Gewässer gehören zu den artenreichsten Lebensräumen. Von kleinen Tümpeln über Moore und Seen bis zu großen Flüssen bilden sie ein eng vernetztes System, von dem zahllose Tier- und Pflanzenarten abhängen.
Flussufer
Flussufer© Foto: NABU/Sebastian Hennigs

Wasser verbindet Quellen, Bäche, Flüsse, Seen, Moore, Feuchtgebiete und Grundwasser zu einem einzigen System. Was auf den ersten Blick getrennt erscheint, ist in Wirklichkeit eng miteinander verknüpft. Regen versickert im Boden, speist das Grundwasser, tritt als Quelle wieder zutage, fließt durch Bäche und Flüsse und versorgt schließlich Seen, Auen und Feuchtgebiete.

Wo Wasser ausreichend Raum erhält, entstehen vielfältige Lebensräume. Gleichzeitig sichern intakte Gewässer wichtige Leistungen für Mensch und Natur: Sie filtern und speichern Wasser, kühlen Landschaften, binden Kohlenstoff und schaffen Lebensräume für unzählige Tier- und Pflanzenarten.

Doch gesunde Gewässer sind nicht nur Lebensräume, sie bilden die natürliche Infrastruktur unserer Landschaften und spielen eine zentrale Rolle dabei, die Folgen der Klimakrise abzumildern.

Warum Gewässer als Lebensraum so wichtig sind

Süßwasserlebensräume bedecken nur einen kleinen Teil der Erdoberfläche. Dennoch beherbergen sie einen außergewöhnlich großen Anteil der biologischen Vielfalt. Eisvogel, Fischotter, Flussperlmuschel, Biber oder Meerforelle stehen stellvertretend für Tausende Arten, die auf sauberes Wasser, naturnahe Ufer, durchgängige Flüsse und ausreichend Raum für natürliche Dynamik angewiesen sind.

Ob diese Lebensräume bestehen können, hängt nicht allein von einzelnen Schutzmaßnahmen ab. Entscheidend ist, dass ökologische Funktionen von Gewässern erhalten, wiederhergestellt und bei Nutzungskonflikten stärker berücksichtigt werden. So können Flüsse, Seen, Moore, Feuchtgebiete und Kleingewässer ihre Bedeutung für Artenvielfalt, Wasserhaushalt und lebenswerte Landschaften dauerhaft erfüllen. 

Gewässerwelten

Seen, Flüsse, Auen, Moore, Feuchtgebiete, Kleingewässer und Grundwasser sind eng miteinander verbunden. Jeder Gewässertyp erfüllt eigene Aufgaben im Naturhaushalt und bietet spezialisierten Arten Lebensraum. Die folgenden Gewässerwelten zeigen, warum diese Lebensräume so wertvoll sind, wodurch sie bedroht werden und was der NABU für ihren Schutz tut. 

Verbundene Lebensräume

Flüsse, Seen, Moore, Feuchtgebiete und Grundwasser funktionieren nicht unabhängig voneinander. Veränderungen an einer Stelle wirken sich oft auf das gesamte System aus. Wird beispielsweise ein Moor entwässert oder ein Bach begradigt, kann dies den Wasserhaushalt ganzer Landschaften beeinflussen.

Wasser in der Landschaft halten

Viele Landschaften verlieren Wasser schneller, als sie es speichern können. Entwässerte Moore, verbaute Flüsse und versiegelte Flächen beschleunigen den Wasserabfluss. Die Folgen sind sinkende Grundwasserstände, zunehmende Trockenheit und gleichzeitig höhere Hochwasserrisiken.

Der NABU setzt sich deshalb für einen stabilen Landschaftswasserhaushalt ein. Ziel ist eine klimaresiliente Schwammlandschaft, die Wasser möglichst lange zurückhält, Trockenperioden abfedert und extreme Abflüsse verlangsamt. Dabei spielen Auen, Moore, Feuchtgebiete und naturnahe Gewässer eine Schlüsselrolle. Sie speichern Wasser, geben es langsam wieder ab und stabilisieren so ganze Landschaften.

Wie das praktisch funktioniert, zeigen zahlreiche NABU-Projekte: von der Renaturierung von Flüssen und Auen über die Wiederherstellung von Mooren bis zum Schutz von Kleingewässern, der Entwicklung naturnaher Ufer und Monitoring unter Wasser. Projekte an Flusslandschaften wie der Unteren Havel oder an Gewässern vor Ort machen sichtbar, dass Wasserschutz immer Landschaftsschutz ist.

Mehr Raum für Flüsse, mehr Raum für Leben

Flüsse sind die Lebensadern unserer Landschaften. Dort, wo sie sich ausbreiten, Auen überfluten und mit ihrer Umgebung verbunden bleiben können, entsteht ein natürlicher Wasserkreislauf: Wasser wird gespeichert, langsam wieder abgegeben und steht Pflanzen, Tieren und Menschen länger zur Verfügung.

Viele Flüsse wurden jedoch begradigt, eingedeicht oder vertieft. Dadurch fließt Wasser schneller ab, der Grundwasserspiegel kann sinken und natürliche Überschwemmungsflächen gehen verloren. Gleichzeitig verlieren zahlreiche Arten wichtige Lebensräume. 

Die Wiederherstellung naturnaher Flusslandschaften zeigt, wie Gewässerschutz, Klimaanpassung und Biodiversität zusammenwirken. Renaturierte Flüsse und Auen können Wasser zurückhalten, Hochwasser abmildern, Dürrefolgen verringern und wertvolle Lebensräume schaffen. Projekte wie die Renaturierung der Unteren Havel machen sichtbar, wie Flüsse wieder zu Motoren lebendiger Landschaften werden können. 

Flüsse und Auen: Lebensadern der Landschaft

Viele Flüsse wurden begradigt, eingedeicht oder von ihren Auen getrennt. Unser Video zeigt, welche Folgen das für Natur und Mensch hat und wie Renaturierung dazu beitragen kann, Flüsse wieder lebendiger und widerstandsfähiger zu machen.

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Warum viele Gewässerlebensräume gefährdet sind

Unsere Gewässer stehen unter Druck. Vielerorts belasten Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, Pestizide, Arzneimittelrückstände, Industriechemikalien und viele weitere Schadstoffe unsere Flüsse, Seen und Grundwasser. Besonders Überdüngung, Pestizide und der Verlust naturnaher Gewässerrandstreifen und der Gewässerausbau zählen zu den wichtigsten Belastungsfaktoren. Der Schutz unserer Gewässer beginnt daher nicht erst am Ufer, sondern oft weit darüber hinaus in Landwirtschaft, Industrie und Siedlungen. Das dramatische Fischsterben in der Oder im Jahr 2022 hat gezeigt, wie empfindlich Flusssysteme auf erhöhte Salzgehalte, Algenblüten und weitere ökologische Stressfaktoren reagieren können. Gewässerschutz und Agrarwende müssen deshalb gemeinsam gedacht werden. Was ins Wasser gelangt, bleibt selten ohne Folgen für Artenvielfalt, Trinkwasser und menschliche Gesundheit.

Wie Gewässerschutz rechtlich geregelt wird

Ob Gewässer sich erholen können, entscheidet sich nicht nur vor Ort. Auch Gesetze, Förderprogramme und politische Entscheidungen prägen die Zukunft von Flüssen, Seen und Feuchtgebieten.

Der rechtliche Rahmen reicht von der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), der EU-Wiederherstellungsverordnung über Natura 2000 und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) bis zur Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie, der Nationalen Wasserstrategie und den europäischen Wiederherstellungszielen.

Für lebendige Flüsse sind vor allem die konsequente Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und Programme wie das Blaue Band zentral. Sie geben den Rahmen dafür, Flüsse und Auen nicht länger nur als Verkehrs- und Nutzungsräume zu behandeln, sondern ihre ökologische Funktion wiederherzustellen: mit mehr Durchgängigkeit, naturnahen Ufern, funktionsfähigen Auen und verbindlichen Renaturierungszielen.

Wirtschaft: Wasser- und Biodiversitätsrisiken ernst nehmen

Studien des NABU mit der Boston Consulting Group und BDO zeigen, dass Wasser- und Biodiversitätsverluste zunehmend zu Geschäfts-, Lieferketten- und Standortrisiken werden. Gleichzeitig entstehen erhebliche volkswirtschaftliche Kosten, wenn natürliche Wasserspeicher und Gewässerfunktionen verloren gehen. Auch Konflikte um Gewässernutzungen verdeutlichen die wirtschaftliche Bedeutung intakter Ökosysteme, etwa bei Fahrrinnenvertiefungen, die regelmäßig zwischen Schifffahrt, Gewässerschutz und Naturschutz abgewogen werden müssen. Gewässerschutz ist damit nicht nur Naturschutz, sondern auch eine Voraussetzung für langfristige wirtschaftliche Stabilität.


Gemeinsam sollen die politischen Instrumente Gewässer schützen, Wasser in der Landschaft halten und die biologische Vielfalt sichern. Gleichzeitig zeigen zahlreiche Vollzugsdefizite, dass Gesetze allein nicht ausreichen. Der NABU setzt sich deshalb für ihre konsequente Umsetzung, den Abbau bestehender Defizite und eine stärkere Berücksichtigung der Natur als eigenständige Wassernutzerin ein.

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