Pflegeleichte und naturnahe Alternativen

Schottergarten vermeiden

Wer sich einen pflegeleichten Garten wünscht, muss nicht zum Schotter greifen! Die heimische Natur hat viele Alternativen zu bieten, welche Arbeit sparen und gleichzeitig ästhetisch wirken. Ob bunt blühend oder eher zurückhaltend mit kühlen Farben und Formen – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wir zeigen Alternativen zum Schotter und drei konkreten Planungsvorschläge für den Vorgarten.
Alternativen zum Schiottergarten
Alternativen zum Schottergarten© Foto: NABU/Melanie Konrad

Die Gründe, aus denen Menschen einen Schottergarten anlegen, sind vielfältig. Oft ist es ein vermeintlich reduzierter Pflegeaufwand. Manche mögen die kühle „Ästhetik“, die ein Schottergarten versprüht. Oder es fehlt schlicht die Ideen für die Gestaltung des Vorgartens. Doch für jedes dieser Probleme gibt es bessere Lösungen als einen Schottergarten. 

Moderne Gärten mit schlichter Eleganz

Viele Menschen schätzen die reduzierte Ästhetik von Schottergärten. Doch auch mit Pflanzen lassen sich klare Strukturen, ruhige Farben und eine moderne Gestaltung erreichen. 

Ein Vorgarten mit schlichter Eleganz und kühlen Farben kann mit silbrig schimmernden Gräsern, architektonisch anmutenden Wolfsmilchgewächsen und Blüten in zarten Violetttönen gestaltet werden. Arten wie Malven oder Wiesensalbei bringen Farbe ins Beet, ohne aufdringlich zu wirken. Die Pflanzen sind an trockene, sonnige Standorte angepasst und benötigen wenig Pflege. Gleichzeitig bieten sie Unterschlupf und Nahrung für viele Tierarten.

Pflegeleichte Gärten mit Pflanzen

Nicht immer steckt ein bestimmtes Gestaltungsziel hinter der Entscheidung für einen Schottergarten. Häufig sind Zeitmangel oder körperliche Einschränkungen ausschlaggebend. Doch auch dafür gibt es naturnahe Lösungen: 

Ein Kiesgarten nach alpinem Vorbild

Die Pflanzungen können in Form eines Kiesgartens nach alpinem Vorbild angelegt werden. Dabei lässt sich eventuell vorhandener Kies sogar wiederverwenden. Nach dem Entfernen der vorhandenen Schotterfläche wird zusätzlich Sand und feiner Kies in den Boden eingearbeitet. So entsteht eine gut drainierte, trockene Fläche, die vielen Pflanzen optimale Bedingungen bietet. Eine hügelige Gestaltung und der ein oder andere Findling machen den Garten zum optischen Highlight. 

Etwas Humus hilft den Pflanzen beim Anwachsen, ist später jedoch nicht mehr nötig. Nun können anspruchslose wie Dost, Gräser, Thymian oder Sedum-Arten gepflanzt werden. Sie benötigen wenig Wasser und breiten sich nicht übermäßig aus. Wildkräuter, die es dagegen nährstoffreich mögen, siedeln sich hier gar nicht erst an.

Kiesgarten ist nicht gleich Schottergarten

Ein naturnaher Kiesgarten besteht überwiegend aus Pflanzen. Kies dient hier als Gestaltungselement und hilft dabei, trockene Standorte nachzubilden. Im Gegensatz dazu bestehen Schottergärten meist aus großflächigen Steinabdeckungen und bieten kaum Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Bodendeckender als Pflegehelfer

Bodendeckende Pflanzen wachsen dicht und niedrig. Sie breiten sich über größere Flächen aus und schaffen es so, unerwünschte Kräuter zu unterdrücken. In Kombination mit Gräsern und höheren Stauden entstehen pflegeleichte Beete mit natürlicher Wirkung.

Naturnahe Schattengärten 

Schattige Bereiche sind oft schwierig. Mit den passenden Pflanzen lassen sich aber auch hier attraktive und pflegeleichte Beete gestalten.

Ein naturnaher Waldgarten benötigt wenig Pflege, wirkt an heißen Tagen kühlend und bietet zahlreichen Tierarten Lebensraum und Nahrung.

Schottergarten zurückbauen

Mit wenigen Schritten lässt sich die Fläche wieder begrünen und in einen lebendigen Vorgarten verwandeln.

Für den Rückbau einer Schotterfläche wird zunächst der Schotter entfernt. Dieser kann beispielsweise als Steinhaufen für Eidechsen und Insekten wiederverwendet werden. Auch Folien oder Vliese müssen entfernt werden. Ist der Boden stark verdichtet, wird er nun umgebrochen und mit Kompost verbessert. Alternativ können Tiefwurzlern wie Buchweizen eingesät werden. Diese lockern den Boden und versorgen ihn mit Nährstoffen. 

Einen optimalen Zeitpunkt für den Rückbau gibt es nicht. Lediglich die Pflanzenauswahl kann an den Zeitpunkt angepasst werden. Winterharte Gründüngung mit tiefen Wurzeln schafft es auch über die kalte Jahreszeit. Im Frühjahr oder Herbst kann dann der Garten neu bepflanzt werden.

Drei Gestaltungsideen für einen schönen Vorgarten 

Unsere Beispiel-Vorgärten sind 15 Quadratmeter groß und zeigen, dass pflegeleicht nicht pflanzenfrei bedeutet. Denn hier blüht von März bis Oktober immer etwas. Dank detaillierter Pflanzpläne lassen sich die Entwürfe leicht nachgestalten.

Variante 1: Ein Meer aus Blüten 

Nicht nur Insekten fühlen sich in diesem sonnigen Beet auf magerem Boden wohl. Zwiebelpflanzen, gesäte und gepflanzte heimische Wildstauden, Rosen und Kleinsträucher sorgen das ganze Jahr über für wechselnde Farbakzente.

Variante sonnige Vielfalt© Grafik: NABU/Anne Quadflieg

Schon im zeitigen Frühjahr strecken Krokusse, Traubenhyazinthen, Narzissen und Wildtulpen ihre Köpfchen aus der Erde. Am Hauseingang duftet im Sommer die Essigrose Rosa gallica. Ihr sonst dunkelgrünes Laub leuchtet an sonnigen Standorten bis in den Winter hinein von gelb über orange bis rot. Am Zaun darf die Feldrose Rosa arvensis emporranken. Sie blüht erst im Juli und bildet im Herbst hellrote Hagebutten. Purpur- und Färberginster geben dem Beet rechts und links vom Weg Farbe und Struktur und werden von Wildbienen gern besucht. Links am Weg wachsen niedrige Trittpflanzen wie Römische Rasenkamille, Zwerg-Majoran, Thymian und Heidenelke, dahinter folgen Blutstorchschnabel, Königskerze oder Goldhaaraster, die noch bis in den Oktober hinein blüht. Die rechte Seite ist leicht hügelig angelegt und mit einer Naturgarten-Blühsteppe eingesät. In der Mitte thront der Färberginster – ein Meer aus gelben Blüten.

Variante 2: Südliches Flair mit klaren Formen

Blau, Weiß und Gelb dominieren diesen Vorgarten. Das Gerüst des Beetes bilden symmetrisch angeordnete Gehölze, dazwischen darf sich eine bunte Blütensteppe aus heimischen Wildblumen entwickeln. 

Illustration Vorgarten in der Sonne© Foto: NABU/Anne Quadflieg

Zwei Rosmarinblättrige Weiden Salix rosmarinifolia sorgen mit ihren schmalen, silbrigen Blättern für mediterranes Flair und wirken sehr dekorativ. Die robusten Sträucher werden bis zu zwei Meter groß und sind sehr schnittverträglich. Mit Trockenheit kommen sie gut zurecht. Ihre Kätzchen sind im frühen Frühjahr eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten. Ebenso die zahlreichen Frühblüher, die schon zeitig im Jahr das Beet zum Leuchten bringen.

Variante 3: Zarte Eleganz im Schatten

Auch schattige Vorgärten können abwechslungsreich gestaltet werden. Neben bunten Blüten können vor allem Wuchsformen, Blattformen und -farben für Abwechslung sorgen. 

Illustration eines Vorgartens im Schatten© Foto: NABU/Anne Quadflieg

Der Entwurf kombiniert kleinere, langsam wachsende Sträucher mit Gräsern, Farnen, Stauden, Einsaaten und Zwiebelpflanzen. Im Winter sorgen der immergrüne Strauch-Efeu und Bux für Farbe im Beet. Schön wirken sie auch als Kugel. Die kugeligen weißen Blüten vom Zwergschneeball erscheinen ab Mai, im Herbst leuchten seine Blätter und Beeren tiefrot. Die Beeren vom Schneeball und Heckenkirsche sind zudem bei Vögeln äußerst beliebt. Für Farbtupfer im Beet sorgen das Blut-Johanniskraut mit seinen gelben Blüten im Sommer, aber auch zahlreiche Stauden und Zwiebelpflanzen wie Winterling, Sibirischer Blaustern, Schlüsselblume, Waldvergissmeinnicht, Silberblatt oder Sterndolde.

Tipps für die Umsetzung

Die Entwürfe funktionieren in ganz Deutschland. Welche Pflanzen sich durchsetzen, ist regional jedoch unterschiedlich und hängt vom lokalen Klima und vom Boden ab. Alle Entwürfe benötigen wenig Pflege. Damit sich das Bild wie gewünscht einstellt, sollten einige Dinge beachtet werden: 

  • Bodensubstrat: Der Boden ist das A und O. Er sollte für diese Pflanzungen möglichst mager und vor allem frei von Wurzelunkräutern und Unkrautsamen sein. Diese setzen sich sonst später wieder im Beet durch. Am besten nutzt man „hygienisiertem“ oder auch „gedämpftem“ Oberboden, den man im Kompostwerk bekommt.
  • Wässern: Gehölze und Stauden müssen nur beim Einpflanzen gewässert werden, danach nur, wenn es sehr trocken ist. Die Einsaaten brauchen die ersten sechs Wochen aber eine regelmäßige sanfte Dusche. Achtung: Das Saatgut dabei nicht wegspülen.
  • Dünger: Die Pflanzungen mögen es nährstoffarm, brauchen also keinen Dünger. Wenn sie schütter werden, etwa nach ca. 8 bis 10 Jahren, können sie organisch nachgedüngt werden.
  • Wege: Anders als bei herkömmlichem Wegebau werden die Gehwegplatten oder Steine nicht am Rand mit Betonbacken befestigt, sondern in Schotterbanketts gelegt. Der Weg darf ruhig ins Beet „ausfransen“. Damit entstehen attraktive Übergangsbereiche, in denen Pflanzen zur Geltung kommen können, die sich an extremen Standorten besonders wohl fühlen, zum Beispiel Lein.
  • Pflanzen ersetzen, „Unkraut“ entfernen: Die Pflanzenzusammensetzungen sind so geplant, dass sie sich selbst erhalten. Man muss also keine Stauden teilen oder ersetzen, weil sie sich versamen. Nach ein paar Jahren stabilisiert sich das Bild und Lücken schließen sich allmählich. Man kann also getrost abwarten und beobachten, wie sich das Beet entwickelt. Was sich ungewünscht zu stark ausbreitet, darf herausgezogen werden, genauso wie von außen eingeflogene Wildkräuter.
  • Schnitt: Nur die Gehölze brauchen ab und zu einen Schnitt, um in Form zu bleiben oder nicht zu groß zu werden. Viele abgeblühte Stauden können nach der Blüte bodennah zurückgeschnitten werden (Remontierschnitt), dann blühen sie im Herbst ein zweites Mal. Anschließend dürfen sie Samen bilden und sich darüber verbreiten.

Planung: Dipl. Ing. Renate Froese-Genz, Potsdam

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