125 Jahre NABU im Fokus des 30. NABUsalons

Naturschutz verbindet – über Grenzen hinweg

Der Schutz der Natur bringt viele Menschen zusammen, auch über Grenzen hinweg. Das wurde beim 30. NABUsalon deutlich, bei dem die bewegte Geschichte des NABU im Mittelpunkt stand. Klar wurde auch: Es gibt noch viel zu tun.
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Naturschutz verbindet. Das wissen die mehr als 940.000 NABU-Mitglieder und Fördernden natürlich – und auch mit Blick auf den Werdegang des mitgliederstärksten Umweltverbands Deutschlands wird das deutlich. Denn der NABU kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, die beim 30. NABUsalon am 25. Juni 2024 unter dem Motto „125 Jahre NABU: Naturschutz verbindet – ohne Grenzen!“ im Mittelpunkt stand. Musikalisch passend wurde die Zeitreise von der Swing- und Jazzband „Lou’s The cool cats“ begleitet.

Der heutige NABU wurde 1899 von Lina Hähnle als „Bund für Vogelschutz“ gegründet, die den Verband mehr als drei Jahrzehnte führte. Der Blick in die Geschichte sei uns eine Lehre, betonte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger vor über 270 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur in der Bundesgeschäftsstelle in Berlin. Krüger nannte aber zunächst die Erfolge, dass beispielsweise Reiher- und Paradiesvogelfedern heute nicht mehr an Hüten getragen werden, was die erste erfolgreiche Kampagne des frühen Vogelschutzbundes war, oder dass sich Populationen wie Schwarzstorch und Fischotter erholten. Auch das umfangreich aufgebaute Schutzgebietsnetzwerk hob er hervor.

Gleichzeitig gibt es noch viel zu tun: 90 Prozent der Moore und Auen seien verschwunden oder beschädigt, das Artensterben habe mit dem massiven Insektensterben „die Kleinsten der Kleinen“ erreicht. Und der gesellschaftliche Gegenwind nehme zu.

„Diese Leidenschaft für den Naturschutz, das macht den NABU aus“

 „Wir können und dürfen nicht unpolitisch sein“, führte er weiter aus, die Gäste applaudierten zustimmend. Denn nur in freien Gesellschaften sei Naturschutz möglich – und der Einsatz für die Natur lohne sich, für eine lebenswerte Zukunft.

Den Einsatz der mehr als 70.000 NABU-Ehrenamtlichen für die Natur hob NABU-Bundesgeschäftsführerin Susanne Baumann hervor. „Diese Leidenschaft für den Naturschutz, das macht den NABU aus“, sagte sie, „darauf sind wir besonders stolz!“

Besonders stolz auf die NABU-Mitarbeitenden und die Ehrenamtlichen in den Ortsgruppen sei auch er, betonte der scheidende NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller, der den NABU nach 25 Jahren verlässt. Für ihn war die Zeit beim Umweltverband mehr als nur ein Job, gemeinsam habe man viel für Mensch und Natur erreicht.

Landwirtschaftsminister Cem Özdemir bedankte sich bei Leif Miller für seine Arbeit, bei den vielen Ehrenamtlichen und dem NABU für die Zusammenarbeit in Gremien, wie der Zukunftskommission Landwirtschaft, und die faire Kritik seitens des Verbands. „Alles Gute für die nächsten 125 Jahre!“, wünschte Özdemir zum Jubiläum.

Zum Geburtstag gehören natürlich auch Geschenke. Ein vorzeitiges Geschenk gab es schon vor dem NABUsalon, sagte Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne). Und nannte das vor einer Woche verabschiedete EU-Renaturierungsgesetz, das Nature Restoration Law. Anerkennend und lang anhaltend applaudierten die Gäste. Es sei mit diesem Gesetz gelungen, so Lemke, „verschiedene gesellschaftliche Kräfte zusammenzuführen“.

Diesen Zusammenhalt in der Gesellschaft brauche es aktuell „mehr denn je“. Der Schutz der Natur bringe Menschen zusammen, auch über Grenzen hinweg. Als Erfolg nannte sie das Weltnaturschutzabkommen, das 2022 im kanadischen Montréal verabschiedet worden ist.

„Der NABU wird mehr denn je gebraucht“

Dass Naturschutz auch an den Ländergrenzen nicht halt macht, wird am größten europäischen Moorschutzprojekt Europas deutlich, das der NABU gemeinsam mit der Rewe Group realisiert. 25 Millionen Euro fließen bis 2027 in den NABU-Klimafonds, mit dem die Wiedervernässung von Mooren gefördert wird. Das lohnt sich fürs Klima und die Artenvielfalt.

„Der NABU wird mehr denn je gebraucht“, betonte Daniela Büchel, Mitglied des Vorstands der Rewe Group, „aber auch Menschen, die bereit sind, zu machen.“ Sie lobte die vielen Ehrenamtlichen, die in den über 2.000 Ortsgruppen in ganz Deutschland aktiv sind. „Ihr bewegt was im Kleinen und Großen!“ Als Geschenk brachte Büchel einen Scheck mit zusätzlichen 450.000 Euro für den NABU-Klimafonds mit, mit dem künftig sicher weitere Moorflächen renaturiert werden können. Auch weitere NABU-Partner überreichten Geschenke: VW FS schenkte zwei Elektrofahrräder, von IKEA gab es einen Gutschein zur Ausstattung der Büroräumlichkeiten.

NABU-Weißstorchpate Schwanke: Störche kehren vier Wochen früher zurück

Ein Geburtstagsansprache hielt außerdem TV-Meteorologe und Wissenschaftsjournalist Karsten Schwanke. Als NABU-Weißstorchpate erklärte er, dass die Weißstörche mittlerweile deutlich früher aus ihren Winterquartieren zurückkommen: etwa vier Wochen früher als um 1910. Ursache für die zeitigere Rückkehr sei das veränderte Klima: Der langjährige globale Temperatur-Mittelwert sei um 0,8 Grad in den vergangenen 60 Jahren gestiegen. „In Berlin sind in den gleichen 60 Jahren die sommerlichen Hitzewellen um fünf Grad wärmer geworden“, schilderte Schwanke. Das gelte für jeden Ort in Deutschland. „Wir gehen heute davon aus, dass es in den nächsten 30 Jahren 45 Grad in Deutschland geben wird, im Schatten wohlgemerkt. Darauf ist dieses Land nicht vorbereitet.“

Eins wurde besonders deutlich an diesem Abend: Es gibt noch viel zu tun für den Natur- und Klimaschutz.