Ein singender Seggenrohrsänger.
Ein singender Seggenrohrsänger© Foto: NABU/Zymantas Morkvenas

Acrocephalus paludicola

Seggenrohrsänger

Der kleine gestreifte Rohrsänger konnte zuletzt nur in einem einzigen Areal an der Oder in Brandenburg nachgewiesen werden. Die Population scheint erloschen. Die Art könnte damit zukünftig als ausgestorben für Deutschland gelten. Sein natürlicher Lebensraum sind Seggenmoore und nasse Seggenwiese, die zunehmend aus unserem Landschaftsbild verschwinden. Auf den ersten Blick dem Schilfrohrsänger ähnelnd, unterscheidet er sich durch seine kontrastreichere Zeichnung und einen hellen Streifen auf dem Scheitel von ihm.

Vorkommen in Deutschland

Gefährdungs­grad

Der Gefährdungsgrad ist der Roten Liste der Brutvögel in Deutschland 2020 entnommen.

vom Aussterben bedroht

  • Nicht gefährdet
  • Extrem selten
  • Vorwarnliste
  • Gefährdet
  • Stark gefährdet
  • vom Aussterben bedroht
  • Ausgestorben

Bestands­zahl

Die Bestandszahl stammt aus "Gerlach et. Al (2025): Vögel in Deutschland - Bestandssituation 2025. DDA, BfN, LAG VSW, Münster."

0 Reviere

Bestands­trend

Der Bestandstrend stammt aus "Gerlach et. Al (2025): Vögel in Deutschland - Bestandssituation 2025. DDA, BfN, LAG VSW, Münster."

(abnehmend)

Steckbrief

Beobachten

von Ende April bis September zu beobachten

Größe

11,5-13 cm groß

Besonderheit

turnt oft akrobatisch zwischen den Seggenhalmen herum

Reise

Langstreckenzieher, überwintert in Westafrika

Funfact

Der Seggenrohrsänger wird auch als „Spatz der Niedermoore“ bezeichnet.

Pro Jahr gibt es nur noch wenige Nachweise singender Vögel im Nordosten Deutschlands© Foto: Eckhardt Köhler

Beschreibung

Aussehen

Der Seggenrohrsänger ist gelblich gefärbt mit dunkelbraun bis schwarzen Streifen. Auf dem Rücken trägt er ein dunkelbraunes zum Schwanz hin auslaufendes Dreieck, gerahmt von zwei gelblichen Mantelstreifen. Der Kopf ist markant gestreift mit hellem Überaugenstreif, schwarzen Seitenstreifen und hellem Scheitelstreif. Der Bauch ist fein gestrichelt.

Verwechslungskandidat Schilfrohrsänger

Schilfrohrsänger

Acrocephalus schoenobaenus

Schilfrohrsänger

Beim Spaziergang durch dichte Schilfgürtel hört und sieht man den kleinen Rohrsänger in ganz Nord- und Mitteleuropa.

Jetzt lesen

Verhalten

Seggenrohrsänger sitzen zum Singen gerne in erhöhter Position. Mit ihren kräftigen Krallen können sie gut zwischen den Halmen hin- und herklettern und nehmen dabei akrobatische Haltungen ein. Zur besseren Übersicht und zu Beginn ihrer Strophen strecken sie ihren Hals weit vor. Die kleinen Vögel sind sehr gesellig und besitzen keine eigenen Reviere.

Lebensraum

In Seggenwiesen und Seggenmooren, also offenen, nassen Flächen mit fußhoher Vegetation, ist der Seggenrohrsänger für sein Brutgeschäft zu Hause. Im Herbst bricht er auf in sein Winterquartier nach Westafrika.

Gefährdung

Sie sind sehr stark gefährdet. Durch den Rückgang ihres Lebensraumes gibt es heute kaum noch Brutpaare in Mitteleuropa. Der Seggenrohrsänger ist übrigens der einzige „kleine braune Vogel“, zu dessen Schutz es ein eigenes UNO-Abkommen gibt. 2003 hat auch Deutschland dieses Abkommen mit unterzeichnet. Zurecht, denn der Seggenrohrsänger ist Deutschlands einzige weltweit gefährdete Singvogelart. Auch daher setzt sich der NABU für seinen Schutz ein.

Nahrung

Die Nahrung besteht aus Insekten, Larven, Schnecken, Käfern und Spinnen.

Stimme/Laute

Er ruft ein schnalzendes „Tschack“ oder „Tack“, warnt kurz und heiser mit einem „tscht“. Sein Gesang beginnt mit einem knarrenden „trrrr“ und geht dann in pfeifendes „jüjüjüjü“ oder „didididi“ über. Das Knarren und Pfeifen wechselt sich dann wiederkehrend ab.

Zugverhalten

Der Seggenrohrsänger bricht im Herbst auf in sein Winterquartier nach Westafrika, überfliegt dabei Mittel-und Westeuropa. Rückkehr ist im späten Frühling.

Beobachtungstipps

Der Seggenrohrsänger ist die Symbolvogelart der Niedermoore und war in Norddeutschland weit verbreitet, in den Mooren gar häufig. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts galt Deutschland als Verbreitungszentrum, aber mit der Entwässerung der Moore wurde er hierzulande immer seltener und ist kürzlich sogar komplett aus Deutschland verschwunden. 

Bis 2015 hielt sich ein letzter Restbestand im Nationalpark Unteres Odertal. Heute kommen weltweit nur noch gut 10.000 singende Männchen in Polen, Litauen, Weißrussland und der Ukraine vor.

Aktiv werden

Was kann ich tun?

Hilf mit, das einzigartige Ökosystem Moor zu bewahren - für unser Klima und für bedrohte Arten wie den Seggenrohrsänger. Der Abbau von Torf ist einer der Haupgründe für den Rückgang der Moore. Deswegen gilt: Torf gehört ins Moor und nicht in den heimischen Garten.

Das macht der NABU

Erhalt und Renaturierung

So schützt der NABU weltweit Moorgebiete

Es gibt eine Chance, den Seggenrohrsänger wieder nach Deutschland zurückzubringen: Die Renaturierung von Mooren.

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