Umwelt/Wald
Lösungen für Wälder im Klimastress
Prof. Dr. Christoph Leuschner erhält die NABU-Waldmedaille 2026.
Wie machen wir unsere Wälder fit, damit sie ihre Ökosystemfunktionen auch in Zukunft erfüllen können? Prof. Dr. Christoph Leuschner forscht dazu seit Jahrzehnten, für seine Arbeit zeichnet ihn der NABU nun mit der Waldmedaille 2026 aus.
NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger gratuliert Leuschner zur Auszeichnung und betont: „Die Herausforderung, gesunde und produktive Wälder im Klimawandel zu erhalten, ist riesig und die Wissenschaft bietet Lösungen. Vorhandenes Wissen muss dafür die akademische Sphäre aber auch verlassen und von Politik und Praxis noch stärker reflektiert und umgesetzt werden. 2026 zeichnen wir einen der profiliertesten und international am häufigsten zitierten Waldexperten, Geobotaniker und Ökosystemanalytiker aus. Evidenz first, Bauchgefühl second.“
Christoph Leuschners wichtigste Erkenntnis: Im Wirtschaftswald ist eine Wende hin zu Baumarten mit größerer Stressresistenz und in Richtung auf das Waldinnenklima bewahrende Strukturen notwendig. Das erfordert ein Umdenken in der Forstwirtschaft. Es gilt, möglichst wenig zusätzlichen Stress in die Bestände zu bringen, also Bodenverdichtung mit Maschinen zu vermeiden und ein kühles Waldinnenklima zu erhalten. Vor allem in den wärmeren Tieflagen sollte die Baumartenwahl nicht mehr vorrangig von der Produktivität und Holzqualität bestimmt werden, sondern von der Resistenz gegenüber Hitze und Trockenheit.
Weil die Aussichten für den „Brotbaum“ Fichte düster sind, ist man dabei, sie vielerorts durch die amerikanische Douglasie zu ersetzen. Neueste Arbeiten unter anderem von Christoph Leuschner zeigen jedoch, dass dieser Nadelbaum als Hoffnungsträger nur begrenzt taugt. Die Douglasie reagiert auf Trockenheit und Hitze empfindlicher als weithin angenommen, außerdem fassen angepasste Schädlinge aus ihrer amerikanischen Heimat auch bei uns zunehmend Fuß und schwächen die Vitalität. Zu den ökologischen Risiken dieser Baumart treten also ökonomische. Wesentlich stresstoleranter sind heimische Laubbäume wie Spitzahorn, Traubeneiche, Winterlinde, Hainbuche und Elsbeere.
Auch genetische Vielfalt innerhalb einer Art hilft, auf veränderte Klimabedingungen reagieren zu können. Durch Züchtung und Begründung von Waldbeständen mit Samen sogenannter Plusbäume, die vor allem nach Produktivität und Stammqualität ausgewählt wurden, engt die Forstwirtschaft die natürliche genetische Vielfalt ein. Das könnte die Überlebenschancen der Wälder im Klimawandel entscheidend verringern.
Zum Pressebild: https://medienbibliothek.nabu.de/shared/AwJXDI1Q0prObgkAOcacfLm79IBPfgv7
Zur NABU-Waldmedaille: Die Waldmedaille vergibt Deutschlands mitgliederstärkster Umweltverband seit 2015. Sie zeichnet Personen und Initiativen aus Forschung und Praxis aus, die sich für den Waldnaturschutz oder für eine schonende Waldbewirtschaftung besonders verdient gemacht haben. Zuletzt ehrte der NABU mit Knut Sturm und Martin Levin die langjährigen Leiter der Stadtwälder Göttingen und Lübeck, 2024 ging die Medaille an Amtsleiterin Monika Runkel und Bildungsrevierleiter Andreas Schäfer vom Forstamt Hachenburg, 2023 an die Wissenschaftsstadt Darmstadt für den zukunftsweisenden Umgang mit ihrem Stadtwald. Die offizielle Preisverleihung an Christoph Leuschner findet im Rahmen der jährlichen Bundesvertreterversammlung des NABU statt, die am Wochenende in Berlin tagt.
Zu Christoph Leuschner: Geboren 1956 in Erlangen und aufgewachsen in Hamburg, studierte Leuschner Biologie, Geografie und Wasserwirtschaft in Freiburg, Göttingen und Hannover. Nach Rufen an verschiedene deutsche Universitäten war er von 2000 bis 2025 Professor für Pflanzenökologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Seit 2025 ist Christoph Leuschner zudem Honorarprofessor an der HAWK Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Seine Forschungsinteressen liegen vor allem in der Waldökologie, der Stressphysiologie der Bäume und in Maßnahmen zum Schutz der Agrarbiodiversität.
Für Rückfragen
Sven Selbert, Seniorreferent für Landnutzung und Waldpolitik, Tel. 0172-2832663, E-Mail: Sven.Selbert@NABU.de


