Baustein im Klimaschutz

Technische Kohlenstoffsenken

Um das Klima zu stabilisieren, reichen Emissionsminderungen allein nicht aus. Es braucht natürliche und technische Kohlenstoffsenken. Der NABU begleitet die Debatte um Technologien wie CCS oder DACCS kritisch und bringt sich mit eigenen Bewertungen ein.
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Abfallverbrennung in Müllverbrennungsanlage.
An Müllverbrennungsanlagen könnte CO₂ künftig aufgefangen und anschließend chemisch verwendet oder unterirdisch eingelagert werden© Foto: NABU/Eric Neuling

Risiken minimieren

Thesenpapier mit BDI, DGB und WWF

Gemeinsam mit BDI, DGB und WWF spricht sich der NABU für eine gemeinsame Industrie- und Klimastrategie aus. Ziel ist es, Restemissionen in schwer dekarbonisierbaren Sektoren zu vermeiden – mit klaren Regeln, gesellschaftlicher Beteiligung und Priorität für naturbasierte Lösungen. 

Als Vertreter*innen von Industrie, Gewerkschaften und Umweltverbänden bekennen wir uns zur Minderung von CO₂-Emissionen, zu einem ambitionierten Ausbau erneuerbarer Energien, zu mehr Effizienz und der Förderung natürlicher CO₂-Senken wie Wäldern und Mooren.

In einigen wenigen Bereichen wie der Zement- und Kalkindustrie werden wir jedoch nicht umhinkommen, auch technische Senken wie CCS (Carbon Capture and Storage) zum Einsatz zu bringen. Wir fordern die Bundesregierung auf, im Rahmen der Carbon-Management-Strategie und deren Umsetzung einen klaren Rahmen für diese technischen Senken zu stecken. Außerdem setzen wir uns gemeinsam für eine aktive und frühe Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, Länder und Kommunen ein, um die Akzeptanz solcher Lösungen sicherzustellen.

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Was sind technische Kohlenstoffsenken?

Technische Senken sollen CO₂ aus der Atmosphäre binden und dauerhaft speichern. Dabei gibt es verschiedene Ansätze – mit ganz unterschiedlichen Wirkungen, Risiken und Reifegraden:

CCS: Kohlenstoff unterirdisch speichern

Kurz erklärt wird bei CCS (engl. Carbon Capture and Storage) das CO₂ nach der Abtrennung unterirdisch oder im Meeresuntergrund dauerhaft und vollständig gespeichert. Unterirdisch geht das in salzhaltigen Grundwasserleitern, sogenannten salinen Aquiferen. Das ist technisch möglich, aber bislang kaum skaliert. 

CCU: Kohlenstoff chemisch verwenden

Kurz erklärt wird bei CCU (engl. Carbon Capture and Utilization) CO₂ nach der Abscheidung in Produkten weiterverarbeitet. Bisher zeigt sich hier nur ein begrenzter Nutzen für das Klima.

DACCS: Kohlenstoff aus der Atmosphäre in den Untergrund

Kurz erklärt geschieht bei DACCS (engl. Direct Air Carbon Capture and Storage) die CO₂-Abscheidung direkt aus der Luft. Die Hoffnungen sind groß, das Verfahren ist allerdings sehr energieintensiv.

BECCS: Kohlenstoff aus Bioenergie-Emissionen speichern

Bei BECCS (engl. Bioenergy Carbon Capture and Storage) wird das CO₂ an punktuellen Emissionsquellen abgeschieden, die durch Bioenergie verursacht werden.

Sonstige technische Verfahren

Darüber hinaus werden verschiedene weitere Verfahren diskutiert, die teils als Geoengineering eingestuft werden können. Grundsätzlich sind alle Ansätze des Geoengineering sehr risikoreich, weil sie eine hohe Eingriffstiefe haben und nicht mehr rückholbar sind.

Energiebedarf und Skalierung

Fast alle Verfahren stehen noch am Anfang. Sie brauchen enorme Mengen Energie – und könnten so selbst zum Problem für unser Klima werden, wenn sie nicht mit 100 Prozent Erneuerbarer Energie betrieben werden. Zudem fehlen in vielen Fällen belastbare Nachhaltigkeitskriterien.

CCS-, BECCS- und DACCS-Technologien wurden in erster Linie entwickelt, um einen schrittweisen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe zu ermöglichen. Durch die Abscheidung, den Transport und die geologische Speicherung von CO₂ aus der Industrie können zwischen 65 und 80 Prozent CO₂-Emissionen eingespart werden. Demgegenüber steht allerdings ein erhöhter Energieverbrauch der gesamten Prozesskette um etwa 40 Prozent.

Fest steht: Nur wenn das eingelagerte CO₂ dauerhaft und vollständig in den Speichern verbleibt, können diese Technologien einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Eine Speicherung ist in ausgeförderten Kohlenwasserstofflagerstätten, in salzhaltigen Grundwasserleitern, in Kohleflözen oder im Meeresuntergrund möglich.

Wie riskant sind diese Technologien?

Bei all diesen Technologien bestehen Risiken beim Transport des CO₂. Ob durch Pipelines, per Schiff, Schiene oder Straße zum Speicherort: Die Befürworter*innen dieser Technologien halten diese Risiken durch eine angemessene Wartung der Anlagen für bewältigbar.

Viele Wissenschaftler*innen halten die Speicherung von CO₂ in Kohlenwasserstofflagerstätten für wenig problematisch, da sich im Laufe der Erdgeschichte auf natürlichem Wege Öl oder Gas in Kohlenwasserstoff-Speichergesteinen gesammelt haben und dort verblieben sind. Um die dauerhafte Speicherung sicherzustellen, kann die Dichtigkeit der Bohrlöcher durch Druckmessungen, Gassensoren und Temperaturmessungen kontrolliert werden. Ähnliches würde für die Speicherung in salzhaltigen Grundwasserleitern gelten. Das Umweltbundesamt plädiert für die Gewährleistung einer maximalen jährlichen Leckagerate von 0,01 Prozent.

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„Negativemissionen“ ist ein trügerischer Begriff

Nur wenn CO₂ dauerhaft entfernt und gespeichert wird, sprechen wir von echten Negativemissionen. Das ist zum Beispiel der Fall bei natürlichen Kohlenstoffsenken oder CO₂-Filterung direkt aus der Luft mit anschließender Speicherung.

Viele Verfahren sind aber nicht dauerhaft – oder kaschieren lediglich eine verlängerte Nutzung fossiler Energien. Wird Kohlenstoff aus der Verbrennung von fossilen Rohstoffen abgefangen und anschließend für neue Produkte genutzt, kann dies den Prozess maximal CO₂-neutral machen.

Beteiligung ermöglichen – Vertrauen schaffen

Der NABU fördert ein transparentes Verfahren unter Beteiligung von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Wir empfehlen, einen transdisziplinären Beirat (oder Klima-Tisch) zu gründen, um sozial robuste und akzeptable Lösungen zu schaffen. Ein solches Gremium hätte die Aufgabe, die Implementierung der Infrastruktur für negative Emissionstechnologien zu begleiten, zu geeigneten Förderinstrumente zu beraten sowie die Technologien auf ein notwendiges Maß zu begrenzen, damit im Jahr 2045 CCS nur noch für unvermeidliche Restemissionen eingesetzt wird.

Im Projekt „Umsetzung eines zukunftsfähigen Vorsorgeprinzips – Innovationen hinsichtlich der Risiken für Umwelt und Gesundheit bewerten und nachhaltig gestalten“ entwickeln wir einen Verfahrensvorschlag zur Governance von risikobehafteten Innovationen unter Beteiligung der Gesellschaft.

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NABU-Positionspapier: Carbon Management

  • Publikation
  • 02.06.2025
  • PDF
  • 2,1 MB

Die NABU-Position zum Thema Carbon Management ist das Ergebnis einer gesamtverbandlichen Diskussion. Sie bietet wichtige Informationen und Abwägungen und gibt Empfehlungen für den Umgang mit Zielkonflikten und die Methodenauswahl. Mit unserer Position wollen wir einen natur- und sozialverträglichen Ansatz liefern. Für die weitere Entwicklung und Implementierung stehen wir mit fachlicher Expertise zur Verfügung:

Ansprechpersonen

Poträtfoto von Katharina Fey
Katharina Fey
Referent*in Carbon Management
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Katharina.Fey@NABU.de
Porträtfoto von Steffi Ober
Dr. Steffi Ober
Teamleitung Transformation
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Steffi.Ober@NABU.de

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