Einfache Klimaschutzmaßnahme, große Wirkung
Tempolimit auf Autobahnen

Was haben Burundi, Haiti, Bhutan und Deutschland gemeinsam? In keinem dieser Länder gibt es ein Tempolimit. Allerdings sind die Straßen in diesen Ländern in der Regel auch gar nicht auf so hohe Geschwindigkeiten ausgerichtet wie in Deutschland.
Während es in vergleichbaren Ländern mit gut ausgebautem Straßennetz verboten ist, schneller als meist 120, 130 oder 140 Kilometer pro Stunde zu fahren, werden der Geschwindigkeit hierzulande an vielen Orten keine Grenzen gesetzt. Auf etwa 70 Prozent der deutschen Autobahnen gilt kein dauerhaftes Tempolimit.
Trotz dieser Sonderstellung Deutschlands ist ein generelles Tempolimit weiterhin umstritten. Zwar spricht sich mittlerweile in Umfragen eine Mehrheit der Bevölkerung für ein Tempolimit aus, trotzdem zögert die Politik. Dabei kostet ein Tempolimit den Staat praktisch nichts, kann sofort umgesetzt werden und spart jährlich Millionen Tonnen CO₂. Gleichzeitig erhöht es die Verkehrssicherheit, reduziert Lärm und Schadstoffe und verbessert den Verkehrsfluss.
Beim Tempolimit stehen Fakten versus politische Interessen
Die Gründe dafür liegen vor allem im politischen Raum, denn die Fakten sprechen eine klare Sprache: Die tatsächlichen Einschränkungen eines Tempolimits wären für die meisten Bürger*innen sehr begrenzt, die Vorteile jedoch erheblich. So liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf Autobahnen ohne Tempolimit aktuell bei lediglich 113,5 km/h. Auch fahren 83 Prozent der Autofahrenden ohnehin langsamer als 130 km/h. Weitere zehn Prozent bewegen sich zwischen 130 und 140 km/h. Nur ein sehr kleiner Teil der Fahrenden nutzt regelmäßig deutlich höhere Geschwindigkeiten. Viele empfinden Geschwindigkeiten bis 130 km/h als sicher und angenehm, möchten Kraftstoff sparen oder bevorzugen eine entspanntere Fahrweise.
Fünf gute Gründe für ein Tempolimit
Tempolimit spart Treibstoff
Der Energieverbrauch ist auch beim Tempolimit für herkömmliche Verbrenner ein zentrales Argument: Mit steigender Geschwindigkeit wächst der Luftwiderstand stark an. Besonders oberhalb von 100 km/h steigt deshalb auch der Kraftstoffverbrauch deutlich. Wer dauerhaft 160, 180 oder gar 200 km/h fährt, verbraucht überproportional mehr Kraftstoff als bei moderateren Geschwindigkeiten. Ein Tempolimit würde somit unmittelbar Treibstoff sparen, Kosten senken und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren.
Eine Klimaschutzmaßnahme, die kaum Kosten verursacht
Gerade angesichts der deutschen Klimaziele, die im Verkehrssektor seit Jahren regelmäßig verfehlt werden, wäre ein einheitliches Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen eine niedrigschwellige, unbürokratische und direkt umsetzbare Maßnahme. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes könnten dadurch jährlich rund 1,9 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden. Bei einem Tempolimit von 120 km/h läge die Einsparung sogar bei rund 2,6 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass diese Einsparungen weder neue Infrastruktur noch technische Innovationen voraussetzen.
Sauberere Luft und weniger Lärm
Neben CO₂ würde ein Tempolimit auch die Emission gesundheitsschädlicher Luftschadstoffe wie Stickoxide und Feinstaub reduzieren. Gleichzeitig sinkt die Lärmbelastung entlang stark befahrener Verkehrsachsen. Davon profitieren insbesondere die Menschen, die an Autobahnen und stark befahrenen Straßen leben. In Kombination mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auf Landstraßen und mehr Tempo-30-Bereichen in Städten und Gemeinden könnte unser Straßenverkehr ganz einfach klimafreundlicher, gesundheitsschonender und sicherer werden.
Ein Tempolimit kann Leben retten
Neben den positiven Umweltwirkungen erhöht ein Tempolimit auch die Sicherheit auf den deutschen Autobahnen. Das langfristige Leitbild der Verkehrspolitik vieler europäischer Länder ist die sogenannte „Vision Zero“ – das Ziel, die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten auf null zu reduzieren. Dabei spielt die Geschwindigkeit eine zentrale Rolle: Je höher das Tempo, desto länger werden Bremswege, desto schwerer fallen Kollisionen aus und desto geringer bleibt die Reaktionszeit für alle Beteiligten – vor allem bei großen Geschwindigkeitsdifferenzen der Verkehrsteilnehmenden.
Aktuelle Forschungsergebnisse der Ruhr-Universität Bochum zeigen, dass ein Tempolimit von 120 km/h die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten um 26 Prozent und die Zahl der tödlichen Unfälle sogar um 35 Prozent reduzieren könnte. Angesichts von Tausenden Verletzten und Hunderten Todesopfern pro Jahr auf Autobahnen wäre dies ein erheblicher Gewinn an Sicherheit.
Besserer Verkehrsfluss, effizienteres Fahren
Auch beim Verkehrsfluss spricht vieles für eine einheitliche Höchstgeschwindigkeit. Moderne Tempomaten und Fahrerassistenzsysteme erleichtern heute ein entspanntes Fahren mit konstanter Geschwindigkeit. Je ähnlicher die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmenden ist, desto besser fließt der Verkehr. Wenn weniger stark beschleunigt und gebremst werden muss und die Unterschiede zwischen langsamen und schnellen Fahrzeugen abnehmen, entstehen weniger sogenannte Stauwellen. Der Verkehr wird berechenbarer, Überholvorgänge verlaufen flüssiger und die vorhandene Straßenkapazität kann effizienter genutzt werden.
Einfache Maßnahme, große Wirkung
Ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen wäre eine einfache Maßnahme mit großer Wirkung:
- für das Klima,
- für die Gesundheit,
- für mehr Sicherheit und für ein entspannteres Miteinander auf Deutschlands Straßen.
Um unsere Forderung nach einem Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen durchzusetzen, haben wir uns im Bündnis für ein Tempolimit mit vielen anderen Akteur*innen zusammengeschlossen.
Letzte Aktualisierung: 09/2026
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