Wie gehen wir mit den Folgen der Klimakrise um?

Klimaanpassung

Hitzewellen, Dürrephasen, Starkregen – die Auswirkungen der Klimakrise sind schon jetzt unübersehbar. Umso wichtiger ist es, wie wir uns anpassen. Der NABU fasst den aktuellen Wissensstand zur Klimaanpassung zusammen.
Niedrigwasser am Rhein bei Bonn, Lastschiff auf Wasser.
Immer längere Hitze- und Trockenperioden sorgen für Niedrigwasser, hier am Rhein© Foto: NABU/Helge May

Die Klimakrise ist und ihre Auswirkungen sind längst nicht mehr nur im globalen Süden spürbar. Wiederkehrende und vermehrt auftretende Extremwetterereignisse hinterlassen auch vor unserer Haustür Spuren. Dürresommer, Sturzfluten und Hochwasser machen die Krisensituation greifbar. Ebenso leiden Ökosysteme unter der globalen Erwärmung, denn die Klimakrise befeuert das Artensterben und den Verlust einzigartiger Lebensräume.

Umso wichtiger für eine lebenswerte Zukunft ist es, Maßnahmen zur Klimaanpassung für Mensch und Ökosysteme zu ergreifen. Nur dann kann die Gesundheit der Bevölkerung und die allgemeine Handlungsfähigkeit sicher gestellt werden. Nur dann bleiben Ökosysteme weiterhin intakt und können wichtige Leistungen wie Wasserspeicherung und Kohlenstoffbindung erbringen.

Klimaanpassungen

Klimaanpassungen sind Maßnahmen, die durch die Klimakrise verursachte oder drohende Schäden an menschlichen und Ökosysteme vermindern bzw. vermeiden. Auf gesellschaftlicher Ebene beinhalten sie den Schutz

  • menschlicher Gesundheit
  • der Infrastruktur
  • finanzieller Ressourcen vor Schäden durch zunehmende Hitzebelastung und Extremereignisse

 

Bei Ökosystemen vordergründig sind (beschleunigt und ermöglicht durch Eingreifen des Menschen) der Schutz von

  • Lebensräumen
  • Arten
  • Biodiversität
  • Ökosystemleistungen wie Kohlenstoffbindung.

Fakt ist: Selbst wenn ab sofort keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangten, würden die vergangenen Emissionen noch einige Jahrzehnte nachwirken. Wir werden in Zukunft also noch öfter mit Extremwetterereignissen und steigenden Temperaturen umgehen müssen.

Auswirkungen auf Arten, Lebensräume und Ökosysteme

  • Langstreckenzieher unter den Vögeln kommen „zu spät“ aus ihren Winterquartieren zurück, während der Frühling hier längst begonnen hat. Brutplätze sind bereits von anderen Arten besetzt. Die für die Jungenaufzucht als Nahrung notwendigen Insekten haben ihre Vermehrungen bereits hinter sich, sodass auch das Nahrungsangebot leidet. Werden die Insekten insgesamt besser geschützt, kann ein solcher Mangel zumindest teilweise abgefedert werden.
  • Mildere Winter führen dazu, dass an kühlere Klimate und die Jahreszeiten angepasste Arten wie das Alpenschneehuhn massiv unter Druck geraten: Die eigentlich überaus sinnvolle Weißfärbung des Federkleids wird bei ausbleibender Schneedecke von einer Tarnung zu einer Signalfarbe – Räuber haben in der Folge leichtes Spiel. Auch viele heimische Arten, zum Beispiel Insekten und Amphibien sind betroffen, da sie aufgrund der höheren Temperaturen keine volle Winterstarre ausbilden und damit die körpereigenen Reserven schneller aufgezehrt werden.
  • Ohnehin durch menschlichen Einfluss beeinträchtigte Moore und Feuchtgebiete trocknen aus: Sie gehen dadurch nicht nur als Lebensraum für seltene und spezialisierte Arten wie die Hochmoor-Mosaikjungfer oder den Hochmoor-Perlmuttfalter verloren, sondern büßen auch ihre Funktion als Wasserspeicher, -rückhalt und lokale „Klimaanlage“ ein. Zudem wird der in ihnen gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt, was wiederum die Aufheizung der Atmosphäre verschärft. Die Renaturierung von Mooren, Feuchtgebieten und Flussauen ist also Naturschutz, Klimaschutz und Klimaanpassung in einem.
  • Die Erderhitzung bewirkt direkt und indirekt steigende Meeresspiegel: Ozeane erwärmen sich und damit dehnt sich der Wasserkörper aus. Gleichzeitig verlieren Eisschilde und Gletscher immer mehr an Masse; das Schmelzwasser fließt ins Meer und lässt den Meeresspiegel ansteigen. Diese Entwicklung stellt nicht nur den Küstenschutz, sondern auch Ökosysteme vor enorme Herausforderungen. Das Weltnaturerbe Wattenmeer ist die weltweit größte Wattlandschaft und reich an Arten und Lebensräumen. Wegen des schwachen Gefälles ist das Gezeitenökosystem aber besonders anfällig für steigende Meeresspiegel; große Teile der Wattflächen, die heute zweimal täglich trocken fallen, könnten dauerhaft überflutet werden.
  • Ausgewiesene Schutzgebiete verlieren ihre Bedeutung, weil sich die örtlichen Bedingungen (Wasserverhältnisse, Bewuchs, Temperatur) so verändern, dass die Arten und Lebensräume, für deren Erhalt das Gebiet einst ausgewiesen wurde, mit diesen nicht mehr zurechtkommen und verschwinden. Deshalb ist es so wichtig, dass die Schutzgebiete über ökologische Korridore miteinander verbunden sind, um Wanderungen und Anpassungsbewegungen – zum Beispiel eine Verlagerung des Areals nach Norden - zu ermöglichen.

Klimaanpassung in den Fokus

Klimaanpassung spielt also eine entscheidende Rolle auf dem Weg in eine lebenswerte Zukunft. Dennoch fällt sie in der öffentlichen Wahrnehmung meist hinter Klima- und Naturschutz zurück. Aus diesem Grund hat der NABU in einem Hintergrundpapier den Wissensstand zur Klimaanpassung zusammengetragen: Es bietet einen Einblick in die Thematik, mit einem Fokus auf dem Zusammenspiel zwischen Naturschutz, Klimaschutz und Anpassung.

Im Mittelpunkt stehen die sechs Schwerpunktbereiche Biologische Vielfalt, Wald und Forst, Wasser, Landwirtschaft, Küste und Meer sowie Städte und Siedlungen. Für jeden dieser Bereiche werden die bereits eingetretenen und die erwarteten Klimafolgen erläutert, bevor verschiedene Anpassungsoptionen vorgestellt werden. Den Abschluss jedes Schwerpunktkapitels bilden NABU-Empfehlungen zum Thema.

NABU-Hintergrundpapier: Klimaanpassung

  • Publikation
  • 05.11.2021
  • PDF
  • 3,6 MB

Wie umgehen mit den Folgen der Klimakrise? Ökosystembasierte Ansätze für Gesellschaft, Natur und Klima.

Ansprechpersonen

NABU Mitarbeitende Katharina Stucke im Portrait.
Katharina Stucke
Referentin und stellv. Teamleitung Klima und Verkehr
Porträt Christian Kopp
Christian Kopp
Referent für Klima und Verkehr
+ 49 (0)1525 9567 443
Christian.Kopp@NABU.de

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