Ausstieg vorantreiben, Folgeschäden begrenzen
Schmutzige Kohle

Kohle hat die industrielle Entwicklung Deutschlands über mehr als zwei Jahrhunderte geprägt. Noch heute wird sie in vielen Ländern zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt. Gleichzeitig zählt Kohle zu den klimaschädlichsten Energieträgern überhaupt. Hinzu kommen erhebliche Eingriffe in Landschaften, Gewässer und Ökosysteme, die teilweise noch Jahrzehnte nach dem Ende des Abbaus nachwirken.
Entstehung und Förderung von Kohle
Kohle entstand über Millionen Jahre aus abgestorbenen Pflanzenresten, die unter Luftabschluss und hohem Druck umgewandelt wurden. In Deutschland wird zwischen Braunkohle und Steinkohle unterschieden. Während die heimische Steinkohleförderung inzwischen beendet wurde, wird Braunkohle weiterhin abgebaut. Steinkohle besitzt einen höheren Energiegehalt und wurde in Deutschland überwiegend im Untertagebergbau gefördert. Braunkohle liegt dagegen meist näher an der Oberfläche und wird in großflächigen Tagebauen abgebaut. Dafür müssen große Mengen Boden und Gestein bewegt werden, um die darunterliegenden Kohleflöze freizulegen.
Im Jahr 2025 wurden insgesamt rund 84 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut, was knapp 15 Prozent der deutschen Bruttostromerzeugung entsprach. Diese Zahlen sind kontinuierlich rückläufig, im Vergleich zum Jahr 2024 ging die Fördermenge um ca. acht Prozent zurück. In Deutschland wird Braunkohle heute noch im Rheinischen Revier (Nordrhein-Westfalen), im Lausitzer Revier (Brandenburg/Sachsen) sowie im Mitteldeutschen Revier (Sachsen-Anhalt/Sachsen) gefördert.
Jahrhundertelanger Kohleabbau mit sichtbaren Folgen
Die Umweltauswirkungen der Kohle beginnen bereits bei ihrem Abbau. Der Braunkohletagebau verändert dabei oberirdisch ganze Landschaften: Wälder, Äcker, Feuchtgebiete und Siedlungen mussten in der Vergangenheit vielerorts dem Bergbau weichen. Die natürlichen Funktionen der betroffenen Flächen gehen dabei teilweise über lange Zeiträume verloren. Beim Steinkohleabbau spielen sich die Veränderungen größtenteils im Verbogenen ab. Durch Einstürze des löchrigen Untergrunds haben sich Gebiete teilweise abgesenkt oder sind der Gefahr von Erdstößen ausgesetzt.

Auswirkungen auf den Wasserhaushalt
Hinzu kommen Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Damit die Abbaugrube trocken bleibt, muss Grundwasser großräumig abgepumpt werden und in umliegende Flüsse und Seen geleitet werden. Diese sogenannte Sümpfung kann dazu führen, dass Feuchtgebiete austrocknen, Quellen versiegen und sich Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen verändern. Auch nach dem Ende des Bergbaus wirken diese Veränderungen häufig über Jahrzehnte fort.
In ehemaligen Tagebauen bringt der Wiederanstieg des Grundwassers neue Probleme mit sich und belastet die Wasserqualität. Im Erdreich steckt oft Pyrit, das an der Luft in Sulfat und Eisen umgewandelt wird. Diese Stoffe werden ausgewaschen und gelangen in Flüsse und Seen. Das kann die Wasserqualität beeinträchtigen und empfindliche Gewässerökosysteme belasten.
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Umweltbelastungen durch Kohleverbrennung
Neben den Folgen des Bergbaus verursacht auch die Verbrennung von Kohle erhebliche Umweltbelastungen. Kohlekraftwerke stoßen Kohlendioxid, Stickoxide, Feinstaub und weitere Luftschadstoffe aus. Über die Schornsteine der Kraftwerke steigen die giftigen Abgase in die Höhe und verwehen über tausende Kilometer. Zwar konnte der Schaden durch moderne Filtertechnologien reduziert werden, die hohen Treibhausgasemissionen der Kohleverstromung bleiben jedoch bestehen. Mit rund 1100 Gramm Kohlendioxid pro erzeugter Kilowattstunde Strom ist sie der klimaschädlichste Energieträger im deutschen Strommix. Obwohl ihr Anteil an der Stromerzeugung bereits deutlich zurückgegangen ist, trägt die Braunkohle weiterhin erheblich zur globalen Erwärmung bei. Weltweit verursacht Kohle rund 44 Prozent der CO₂-Emissionen aus der Verbrennung von Energieträgern.
Naturparadiese auf ehemaligen Bergbauflächen
Trotz der erheblichen Umweltfolgen des Kohleabbaus haben sich einige ehemalige Bergbauflächen zu wertvollen Lebensräumen entwickelt. Wo die Natur nach dem Ende des Bergbaus ausreichend Raum erhält, können strukturreiche Offenlandschaften, Seen, Trockenrasen, Pionierwälder und Feuchtgebiete entstehen. Diese Flächen können somit Lebensraum für seltene und spezialisierte Tier- und Pflanzenarten werden, die in anderen Landschaften kaum noch geeignete Bedingungen finden. Erfolgreiches Beispiel ist das NABU-Naturparadies Grünhaus in Brandenburg, wo sich auf der ehemaligen Tagebaufläche eine einzigartige Wildnislandschaft entwickelt hat, die bereits Tausenden Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet.

Die entstandenen Schäden des Kohleabbaus können nicht mehr rückgängig gemacht oder ausgeglichen werden. Aber aus ehemals stark genutzten Industrielandschaften können dennoch langfristig wertvolle Naturräume entstehen. Dies unter der Voraussetzung, dass Renaturierung und natürlichen Entwicklungsprozessen ausreichend Raum gegeben wird.
Kohleausstieg: Wie kann es weitergehen?
Deutschland hat den Ausstieg aus der Kohleverstromung mit dem sogenannten Kohleausstiegsgesetz im Jahr 2019 beschlossen. Dies legt fest, dass die Kohleverstromung schrittweise verringert wird und bis Ende 2038 vollständig beendet sein soll. Der Ausstieg ist zentrale Voraussetzung für den Klima- und Umweltschutz.
Mit der Stilllegung von Tagebauen und Bergwerken endet jedoch nicht die Verantwortung für die betroffenen Landschaften. Viele ehemalige Kohlereviere stehen vor langfristigen Herausforderungen. Nach dem Ende des Abbaus müssen Grundwasserstände stabilisiert, ehemalige Tagebaue und Bergwerke gesichert und Bergbaufolgen überwacht werden. Neben dem Strukturwandel wird die Renaturierung und Wiederherstellung ökologischer Funktionen vielerorts noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen.
Letzte Aktualisierung: 09/2026



