Kohlenstoffärmer bedeutet nicht klimafreundlich

Erdgas: Fossiler Energieträger mit Risiken

Erdgas wird häufig als sauberer fossiler Energieträger dargestellt. Es schneidet aber nur im Vergleich zu Kohle und Erdöl besser ab. Förderung, Transport und Nutzung von Erdgas gehen mit erheblichen Auswirkungen auf Umwelt und Klima einher.
  • Artikel
  • Lesedauer: 1 Min.
Fracking-Anlage in Niedersachsen
Hier wird Erdgas gefördert: Fracking-Anlage in Niedersachsen© Foto: NABU/Sebastian Scholz

Erdgas entstand vor Jahrmillionen aus organischem Material und ist ein brennbares Gasgemisch, das überwiegend aus Methan besteht. Es wird zur Wärmeversorgung und Stromerzeugung verwendet sowie für industrielle Prozesse.

Lange galt Erdgas als sogenannte „Brückentechnologie“ auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energieversorgung. Angesichts der Klimakrise sind jedoch drastischere Reduktion der Treibhausgasemissionen und der zügige Ausbau erneuerbarer Energien notwendig. Neue Investitionen in fossile Strukturen führen dabei zu weiteren Verzögerungen beim notwendigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern.

Wie wird Erdgas gefördert?

Erdgas befindet sich in unterirdischen Lagerstätten und kann auf unterschiedliche Weise gefördert werden.

Konventionelle Lagerstätten

In konventionellen Lagerstätten befindet sich das Gas in porösen oder permeablen Gesteinen (z. B. Sandgestein). Nach einer Bohrung strömt das Gas vergleichsweise leicht zur Oberfläche. Nach der Reinigung und Aufbereitung wird es unter hohem Druck über Pipelines oder als Flüssiggas (engl. „Liquified Natural Gas“, LNG) transportiert und in regionalen Netzen verteilt.

Vogel-Icon auf hellblauem Hintergrund

Neue fossile Abhängigkeiten in der Klimakrise 

LNG ist nur eine Scheinlösung

Die Bundesregierung verkauft flüssiges Erdgas als die Lösung der vom russischen Krieg ausgelösten Energiekrise. Dafür werden mit einer Vielzahl an LNG-Terminals und Pipelines langfristig Tatsachen geschaffen. Dies wird aber weder der Klima- noch der Energiekrise gerecht. 

Mehr anzeigen

Unkonventionelle Lagerstätten

Aus unkonventionellen Lagerstätten kann das Gas nur mit erheblichem Aufwand gefördert werden, da es in besonders dichten Gesteinen (z. B. Schiefer- oder Tongestein) eingeschlossen ist. Möglich ist die Gewinnung mit dem sogenannten Fracking (Hydraulic Fracturing).

Beim Fracking wird eine Mischung aus Wasser, Stützmitteln (meist Sand) und weiteren Zusatzstoffen unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst. Dadurch entstehen künstliche Risse, durch die das Erdgas zur Bohrung strömen kann. Das Verfahren wird insbesondere in den USA in großem Umfang eingesetzt und hat dort wesentlich zum Ausbau der Erdgasförderung beigetragen. In Deutschland ist Fracking seit 2017 durch das Wasserhaushaltsgesetz verboten.

Vogel-Icon auf hellblauem Hintergrund

Warum Deutschland an dem Verbot festhalten sollte

Fracking: Risiken für Umwelt und Klima

In Deutschland ist Fracking als Fördermethode für fossiles Erdgas verboten. Das sollte aus Sicht des NABU auch so bleiben. Wir erklären, warum die Technik so gefährlich für Klima und Umwelt ist.

Mehr anzeigen

Warum Erdgas keine Energiequelle der Zukunft ist

Zunächst spricht sich der NABU gegen die oben beschriebene Methode des Frackings aus unkonventionellen Erdgasvorkommen aus. Zu den Problemen des Verfahrens gehören vor allem der hohe Wasserverbrauch und potenzielle Belastungen von Grund- und Trinkwasser durch die Verpressung von sogenanntem Rückflusswasser. Diese kann außerdem geologische Spannungen beeinflussen und in Einzelfällen Erdbeben auslösen. Die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission Fracking kommt zwar zu dem Schluss, dass sich verschiedene Risiken durch technische Maßnahmen reduzieren lassen, verweist aber weiterhin auf Restrisiken und die Notwendigkeit umfassender Überwachung und Bewertung.

Problem: Methan

Die Kritik des NABU richtet sich nicht allein gegen einzelne technische Verfahren, sondern gegen die mit der Förderung fossiler Energieträger verbundenen Umwelt- und Klimafolgen. Eine zentrale Herausforderung bei Erdgas ist sein Hauptbestandteil: Methan. Dieses Treibhausgas wirkt über einen Zeitraum von 20 Jahren um ein Vielfaches klimaschädlicher als Kohlendioxid und trägt erheblich zur globalen Erwärmung bei.

Methan kann bei der Förderung, Verarbeitung, Speicherung und beim Transport von Erdgas unbeabsichtigt entweichen. Bereits geringe Leckagen können die vermeintlichen Vorteile von Erdgas gegenüber anderen fossilen Energieträgern deutlich verringern. Deshalb beschränkt sich die Klimawirkung von Erdgas nicht auf seine Verbrennung, sondern auch sogenannte Vorkettenemissionen müssen berücksichtigt werden. Die EU hat deshalb 2024 eine Methanverordnung eingeführt, die Betreiber fossiler Energieinfrastrukturen zu einer systematischen Erfassung und Verringerung von Methanemissionen verpflichtet.

Pipeline durch die Wattenmeerküste Friedrichskoog.
Pipelines an der Wattenmeerküste Friedrichskoog© Foto: www.sczepanski-fotografie.de

Neben den Klimafolgen führt Erdgas auch zu weiteren Umweltbelastungen: Bohr- und Förderanlagen, Pipelines, Speicher und Importterminals beanspruchen Flächen, zerschneiden Lebensräume und können Natur und Landschaft beeinträchtigen.

Schließlich ist die Hoffnung von Erdgas als Brückentechnologie eine Illusion. Denn je mehr in dessen Förderung investiert wird, umso größer ist die Gefahr, dass damit Investitionen in Energieeffizienz, klimafreundlichere Technologien und erneuerbare Energien blockiert werden. Vor allem der Einsatz der Fracking-Technologie würde das Zeitalter der fossilen Energien deutlich verlängern.

Fazit

Klimafreundliche Welt ohne fossile Energieträger

Die Bewältigung der Klima- und Biodiversitätskrise kann nicht durch die Erschließung neuer fossiler Lagerstätten gelingen. Statt neue Abhängigkeiten von Erdgas zu schaffen, müssen Energieeinsparung, Effizienzsteigerungen und der naturverträgliche Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt werden. Nur so lassen sich Klima und Umwelt schützen und Versorgungssicherheit realisieren.

Letzte Aktualisierung: 07/2026

Mehr zum Thema