Die Ozeane und deren Nebenmeere bedecken rund 71 Prozent der Erdoberfläche. Aufgrund ihrer immensen Ausdehnung und ihrer Funktion als Nahrungs- und Ressourcenquelle können sie als Gemeingut der Menschheit betrachtet werden. Sie wirken als Orte der Entspannung, beeinflussen maßgeblich unser Klima und beherbergen die größte Artenvielfalt der Erde.
Ein Großteil der Meeresgebiete liegt dabei außerhalb nationalstaatlicher Rechtssysteme (engl. areas beyond national jurisdiction, ABNJ) und Eingriffsregelungen in diesen Bereichen sind dementsprechend nur unzureichend entwickelt.
Internationale Meeresschutz-Abkommen
Ein erster Schritt dem entgegenzuwirken war das 1994 in Kraft getretene Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (engl. United Nations Convention on the Law of the Seas, UNCLOS), welches ein System verschiedener Meereszonen etablierte und gleichzeitig einen Rechtsrahmen für Naturschutzregelungen auf der Hohen See bildet. Artikel 192 des Seerechtsübereinkommens benennt dabei ganz klar die Pflicht der Vertragsstaaten, die Meeresumwelt adäquat zu schützen und zu bewahren.
Nach fast 20 Jahren Verhandlung folgte 2023 ein Durchbruch: das Abkommen der Vereinten Nationen zum Schutz der Weltmeere wurde verabschiedet. Das sogenannte Hochseeschutzabkommen ermöglicht es nun, die Meere auch abseits staatlicher Hoheitsgebiete endlich zu schützen.
Es folgt auf das Weltnaturschutzabkommen von Montréal vom Dezember 2022. Dort hatten sich die Vertragsstaaten geeinigt, bis 2030 30 Prozent der Meere als Schutzgebiete auszuweisen, um die biologische Vielfalt zu schützen. Doch hinsichtlich der Umsetzung blieben viele Fragen offen. Insbesondere für die Hohe See fehlten entsprechende Institutionen und Regelwerke.
Wie geht es weiter?
Mit dem Hochseeschutzabkommen, welches Anfang 2026 offiziell in Kraft getreten ist, wird das 30-Prozent-Ziel greifbar. Denn erstmals gibt es einen rechtsverbindlichen Rahmen mit dem Schutzgebiete auf der Hohen See eingerichtet werden können. Darüber hinaus sollen künftig wirtschaftliche Aktivitäten fernab der Küsten auf ihre Umweltverträglichkeit hin geprüft und Gewinne und der Zugang zu marinen Ressourcen fair zwischen den Ländern des globalen Südens und Nordens geteilt werden.
Allerdings ist durch das bloße Inkrafttreten des Abkommens noch kein Wal, Hai, Seevogel oder anderer Hochseebewohner gerettet worden. Zunächst müssen die durch das Übereinkommen geschaffenen Institutionen und die im Vertrag enthaltenen Verpflichtungen erprobt und ambitioniert umgesetzt werden. Dabei müssen Fragen hinsichtlich der Kompetenzen genauso geklärt werden, wie Fragen der Überwachung und der Finanzierung.
30 Prozent bis 2030 unter Schutz
Politik ist gefordert
Um den Verlust der marinen Biodiversität zu stoppen und das Ziel bis 2030 30 Prozent der Meere als Schutzgebiete auszuweisen zu erreichen, fordert der NABU eine schnelle und wirksame Umsetzung der Vorgaben, unter anderem die Ausweisung von Schutzgebieten auf Hoher See frei von menschlicher Nutzung sowie den Stopp der Pläne zum Tiefseebergbau.
Zudem nimmt der NABU die Bundesregierung in die Pflicht. Denn nach wie vor sind Schutzgebiete in der deutschen Nord- und Ostsee unwirksam. Während die Bundesregierung international eine Vorreiterrolle im Meeres- und Naturschutz einnimmt, sehen wir an der Nord- und Ostseeküste leider gegenteilige Entwicklungen. So wurden fast zeitgleich zum Erfolg des Hochseeschutzabkommens mit der Umsetzung der EU-Notverordnung, dem Aussetzen von Umweltprüfungen, den geplanten LNG-Terminals, Windparks in Meeresschutzgebieten und der Debatte um CCS hierzulande bestehende Schutzstandards drastisch reduziert.
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