Gegen die Plastikflut im Meer

Müll im Meer

Mehr als zehn Millionen Tonnen Abfälle gelangen jährlich in die Ozeane. Sie kosten Abertausende Meerestiere das Leben. Seevögel verwechseln Plastik mit natürlicher Nahrung, Delfine verfangen sich in alten Fischernetzen.
Eine Plastiktüte liegt am Meeresboden.
Plastikmüll treibt in den Ozeanen und bedroht die Meeresbewohner© Foto: NABU/Jan Piecha

Kaum eine Bedrohung der Meere ist heute so sichtbar wie die Belastung durch Plastikabfälle. Das anfänglich vielgelobte Material hat unseren Planeten in kurzer Zeit unwiederbringlich verändert. Wurden in den 1950er Jahren knapp 1,5 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert, sind es heute fast 400 Millionen Tonnen. Ein viel zu großer Teil davon landet im Meer:

  • Etwa 75 Prozent des gesamten Meeresmülls besteht aus Kunststoffen
  • Der jährliche Eintrag von Kunststoff beträgt 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen
  • Nach Angaben des Umweltprogramms der vereinten Nationen (UNEP) treiben inzwischen auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe.

Doch wir sehen nur die Spitze des Eisbergs.

1. Mikroplastik im Meer und seine Folgen

Über 90 Prozent der Abfälle sinken auf den Meeresboden und bleiben unserem Auge verborgen. Plastik ist im Meer nahezu unvergänglich, nur langsam zersetzt es sich durch Salzwasser und Sonne und gibt nach und nach kleinere Bruchstücke an die Umgebung ab – das Mikroplastik. Längst ist es auch in Fischen und Muscheln nachgewiesen worden.

Die Überbleibsel unserer Wegwerfgesellschaft kosten jedes Jahr bis zu 135.000 Meeressäuger und eine Million Meeresvögel das Leben. Die Tiere verhungern mit vollen Mägen, da Plastik den Verdauungsapparat verstopft. Wale und Delfine, aber auch Schildkröten, verfangen sich in alten Fischernetzen, ertrinken oder erleiden schwere Verletzungen bei Befreiungsversuchen.

2. Warum bedroht Plastik unsere Meere?

Allein in Europa schmeißen wir jährlich Millionen Tonnen Plastik selbstverständlich nach einmaligem Gebrauch weg. Plastiktüten, Plastikflaschen und auch Zigarettenkippen gehören zu den häufigsten Fundstücken am Strand. Der meiste Abfall kommt dabei vom Land, achtlos wegegeworfen und über Flüsse und den Wind ins Meer getragen. 

Geschätzte 380 Tonnen Kunststoff schwemmt der Rhein jedes Jahr in die Nordsee. Daneben spielen regional auch die Einträge aus der Schifffahrt, der Fischerei und der Offshore-Industrie eine große Rolle. Allein am Grund der Nordsee liegen vermutlich mehr als 600.000 Kubikmeter Müll, das entspricht 1,5 Mal dem Kölner Dom.

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3. Plastikgefahr erkannt, aber nicht gebannt: Was unternimmt die Politik?

Die Gefahren der Meeresvermüllung sind der Politik bekannt. Eine Reihe völkerrechtlicher und gesetzlicher Instrumente sollen die Problematik eindämmen, darunter Aktionspläne der regionalen Meeresschutz-Übereinkommen, der G7 und G20 oder die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL).

Die Europäische Kommission hat mit der EU-Plastikstrategie und der Einwegplastik-Richtlinie reagiert. Während die Symptome der Vermüllung heute in den Meeren offensichtlich werden, müssen die Maßnahmen aber vorrangig an Land ergriffen werden. Die Herausforderung liegt darin, den Meeresschutz mit den Feldern der Abfall-, Abwasser-, Kreislauf- und Ressourcenpolitik zu verschneiden.

Großangelegte Reinigungsaktionen oder auch die NABU-Initiativen Fishing for Litter oder Gewässerretter leisten einen wichtigen Beitrag, können das Problem der vermüllten Ozeane jedoch nicht lösen. Wir brauchen ein effektives Rahmenwerk, welches die regulatorischen und förderpolitischen Leitplanken setzt. Naturverträglichkeit, Klimaneutralität, Ressourcenschonung sowie die soziale und globale Gerechtigkeit müssen die wichtigsten Prinzipien des politischen Handelns in der Plastikkrise sein.

4. Was tut der NABU?

Der Kampf gegen die Müllkippe Meer ist Schwerpunkt unserer NABU-Meeresschutzarbeit. Seit 2010 erarbeiten wir im Projekt „Meere ohne Plastik“ Infomaterialien für und mit Fischern und Wassersportler*innen. Wir organisieren Reinigungsaktionen an Stränden und Flussufern und unterstützten das Umweltmonitoring an der Nord- und Ostseeküste.

In Politik und Wirtschaft setzen wir uns aktiv für eine bessere Abfallentsorgung in Häfen ein und entwickeln gemeinsam mit Küstenkommunen Maßnahmen, die den Eintrag von Müll ins Meer verhindern sollen . Nur wenn wir Abfälle vermeiden, Ressourcen schonen und unsere Produktlandschaft auf Mehrweg und Langlebigkeit ausrichten, schützen wir unsere Meere vor Plastik.

Download

NABU-Broschüre: Müllkippe Meer

  • Publikation
  • 11.11.2016
  • PDF
  • 1,1 MB

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