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Jeder Tropfen zählt: Wege zur Wassersicherheit
Gemeinsame Studie von NABU und BCG
Mittel gegen Trockenheit: Gesunde Böden helfen, Wasser zu speichern - Fotos: Norman Schiwora
Deutschland verliert mehr Wasser, als es natürlich speichern kann. Der Klimawandel verschärft diese Entwicklung und setzt Böden, Wälder und Landschaften zunehmend unter Druck. Unsere Studie zeigt: Die Wasserkrise ist kein Mangel an Regen, sondern ein Verlust an natürlicher Speicherfähigkeit. Naturbasierte Lösungen wie gesunde Böden, regenerative Landnutzung und der Umbau unserer Wälder können die Wasserbilanz stabilisieren – ökologisch wirksam, wirtschaftlich sinnvoll und langfristig.
Deutschland gilt nicht mehr als „wasserreich“
Nach Jahrzehnten, in denen Wasser in Deutschland als selbstverständlich galt, wird immer deutlicher, dass unser Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht geraten ist. Der Klimawandel wirkt zwar wie ein Beschleuniger, doch der entscheidende Treiber liegt in der Art, wie wir unsere Landschaften nutzen und gestalten.
Denn ob Regenwasser versickert, gespeichert wird oder ungenutzt abfließt, hängt maßgeblich von Böden, Vegetation und Landnutzung ab. Verdichtete Böden, vereinfachte Vegetationsstrukturen und eine auf schnelle Entwässerung ausgerichtete Landschaft führen dazu, dass Wasser verloren geht, bevor es seine ökologische Wirkung entfalten kann.
Der Klimawandel verstärkt diese Entwicklung. Höhere Temperaturen führen dazu, dass mehr Wasser verdunstet, während Niederschläge zunehmend in kurzen, intensiven Ereignissen fallen. Solche Starkregen können von vielen Böden kaum noch aufgenommen werden. Statt langsam zu versickern und das Grundwasser zu speisen, fließt das Wasser oberflächlich ab. In Trockenphasen fehlen dann genau die Reserven, die Landschaften früher stabilisiert haben.
So kann die Natur helfen
Entscheidend ist daher nicht allein, wie viel Regen fällt, sondern was danach mit dem Wasser passiert. Über viele Jahre wurde die Landnutzung darauf ausgerichtet, Wasser möglichst schnell abzuleiten – durch Drainagen, Gräben, verdichtete Böden, versiegelte Flächen und vereinfachte Vegetationsstrukturen. Dadurch sind die sogenannten kleinen Wasserkreisläufe geschwächt worden: Das lokale Zusammenspiel von Boden, Pflanzen und Atmosphäre, das Wasser in der Landschaft hält, Verdunstung ermöglicht und so für Abkühlung und erneuten Niederschlag sorgt.
Besonders deutlich zeigen sich diese Zusammenhänge in der Land- und Forstwirtschaft. In vielen Regionen sind Böden ausgelaugt oder verdichtet und können Wasser nur noch eingeschränkt aufnehmen. Gleichzeitig verlieren Wälder mit einförmigen Strukturen und geschädigten Waldböden ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern und über Verdunstung zur Kühlung der Landschaft beizutragen. Der notwendige Waldumbau hin zu vielfältigen, klimaangepassten und strukturreichen Wäldern ist daher nicht nur eine Frage des Waldschutzes, sondern ein zentraler Hebel für die Stabilisierung des Wasserhaushalts.
Landwirtschaft und Wald sind der größte Hebel (für eine größere Ansicht bitte anklicken) - Grafik: BCG/NABU
Diese Entwicklung ist nicht unumkehrbar – und wir haben alle Hebel in der Hand. Es gibt wirksame Lösungen und viele davon liegen in der Art, wie wir Landschaften nutzen und pflegen. Viel Potenzial liegt bei landwirtschaftlich genutzten Flächen und bei Waldflächen, da diese den größten Flächenanteil in Deutschland ausmachen.
Vorteile der Regenerativen Landwirtschaft (für eine größere Ansicht bitte anklicken) - Grafik: BCG/NABU
Maßnahmen, die häufig unter Regenerativer Landwirtschaft zusammengefasst werden, wie eine dauerhafte Bodenbedeckung, humusaufbauende Bewirtschaftung, vielfältige Fruchtfolgen und eine reduzierte Bodenbearbeitung, verbessern die Bodenstruktur und erhöhen die Wasserspeicherfähigkeit. Wasser kann besser versickern, bleibt länger verfügbar und steht Pflanzen auch in Trockenphasen zur Verfügung.
In den Wäldern trägt der Umbau zu klimaresilienten Mischbeständen dazu bei, Böden zu stabilisieren, die Wasserspeicherfähigkeit zu erhöhen und die Kühlwirkung der Landschaft zu stärken. Im Vergleich zu dichten, gleichförmigen Beständen gelangt in strukturreichen Mischwäldern mehr Niederschlag bis zum Boden, da das Abfangen von Regen durch Kronen geringer und zeitlich gestreckter ist. Unterschiedliche Baumarten und Wurzeltiefen verbessern zudem die Bodenstruktur und fördern die Versickerung. Ergänzend kann eine dynamische Steuerung von Entwässerungssystemen dazu beitragen, Wasser gezielt in der Landschaft zu halten und nur bei Bedarf abzuführen. So lassen sich Wasserrückhalt, Landnutzung und Klimaanpassung besser miteinander verbinden.
Die zentralen Ergebnisse der Studie
Naturbasierte Maßnahmen, wie regenerative Landwirtschaft, Waldumbau und eine angepasste Steuerung von Entwässerungssystemen, können jährlich sieben bis 7,5 Milliarden Kubikmeter Wasser zusätzlich in der Landschaft halten – deutlich mehr als rein technische Maßnahmen. Gleichzeitig stärken sie Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze und Trockenheit und leisten einen zentralen Beitrag zur Klimaanpassung.
Ohne Gegenmaßnahmen könnten die Kosten durch Wasserknappheit, Ernteausfälle, Waldschäden und Infrastrukturrisiken bis zur Mitte des Jahrhunderts auf 20 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr steigen, mit einem kumulierten Schaden von bis zu 625 Milliarden Euro bis 2050. Frühzeitige Investitionen in natürliche Wasserspeicher sind daher ökologisch wie ökonomisch sinnvoll.
Damit diese Lösungen flächendeckend umgesetzt werden können, muss Wasser stärker in der Agrarförderung verankert und die Koordination öffentlicher und privater Mittel verbessert werden. Wasser ist ein öffentliches Gut – seine Sicherung erfordert gemeinsames Handeln.
Die Studie zeigt: Deutschland hat genug Regen, bekommt statistisch sogar mehr Regen. Entscheidend ist, ob unsere Landschaften Wasser speichern können. Gesunde Böden, klimaangepasste Wälder und eine angepasste Landnutzung sind der Schlüssel. Jetzt gilt es, sie konsequent umzusetzen.
Über die Studie
Die Studie „ Every Drop Counts – Pathways to Restore Germany’s Water Balance“ von der Boston Consulting Group (BCG) und dem NABU ist am 15. Januar 2026 erschienen. Die Untersuchung basiert auf der umfassendsten Meta-Analyse zu Wasser im deutschsprachigen Raum kombiniert mit proprietären Datenanalysen und zeigt, wie sich die Versorgungssicherheit bei der lebenswichtigen Ressource Wasser wiederherstellen lässt, und stellt exemplarische Lösungen vor.
Anhand des Beispiels der Region Berlin-Brandenburg zeigt die Studie detailliert die Effekte von zunehmendem Wasserstress und den daraus folgenden Kosten, sowie die möglichen wirtschaftlichen Vorteile von ganzheitlichem Wassermanagement in der Fläche. Details zu allen Analysen und genutzten Daten finden Sie im technischen Appendix.
Die Studie als Download
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