Einzigartiges Binnenmeer zwischen salzig & süß
Die Ostsee

Als größtes Brackwassermeer der Welt stellt die Ostsee einen einzigartigen Lebensraum dar. Weitgehend umschlossen kann nur über die Meerengen vom Kattegat ein Austausch von Wassermassen mit der Nordsee stattfinden. Während in anderen Meeren durch globale Umwälzungsprozesse Sauerstoff in die Tiefe transportiert wird, sind die tiefen Ostsee-Meeresbecken durch Sauerstoffarmut geprägt.
Lebensräume unter und über Wasser
Der Lebensraum Ostsee ist vielfältig, so dass sie eine besondere Tierwelt beheimatet. Einer der Gründe dafür, ist der Unterschied zwischen Norden und Osten:
- Im Südwesten, nahe des Nordseezugangs, sind die Meeresabschnitte eher salzreich. Diese Gewässer bevorzugen Meeresfische wie der Dorsch. Zentrale Laichgebiete liegen in den tieferen Meeresbecken der Ostsee, wie dem Bornholm-Becken.
- Im nordöstlichen Bereich wird über Flüsse dagegen primär Süßwasser in die Ostsee gespeist. Deshalb kommen in diesen salzarmen Teilen primär Süßwasserfische wie Hecht und Zander vor.
Die Meerengen
Die südlichen Meerengen sind wichtige Unterwasserkorridore für Fische und Meeressäuger zwischen Kattegat und der zentralen salzärmeren Ostseebecken. Zudem sind sie, wie auch die westlichen Meerengen zwischen Deutschland und Dänemark sowie Schweden, von außergewöhnlicher Bedeutung für Zugvögel und wandernde Fledermausarten.
An der deutschen Küste treffen Singvögel, die sich die kürzesten Wege über das Meer suchen (beispielsweise die Verbindung von Dänemark nach Fehmarn), mit vielen Meeres- und Küstenvögeln zusammen. Sie ziehen aus arktischen Gebieten gegen Winter in gemäßigtere Bedingungen. Fledermäuse ziehen insbesondere über die westliche Ostsee.
Ostseeriffe
Die stetige Wasserbewegung durch Strömung und Wellen bringt Nährstoffe an nahezu jeden Ort im Meer. So entstehen reich strukturierte Räume am Meeresboden – die Ostseeriffe. Sie sind Oasen der biologischen Vielfalt. Vor allem bieten sie festsitzenden Arten einen geeigneten Lebensraum: Muscheln, Seeanemonen und Schwämme leben festgewachsen an Felsen und Geröll.
Steilwände
Im nordwestlichen Teil der Ostsee treffen wir auch auf Steilwände, die fast senkrecht in die Tiefe führen. An ihren Kanten wachsen große Braunalgen wie zum Beispiel Zuckertang, am Meeresboden siedeln bunte Schwämme und fantasievoll geformte Moostierchen. Diese Artenvielfalt wiederum zieht kleinere Fische an, aber auch größere Jäger wie Dorsche und Deutschlands einzigen heimischen Wal, den Schweinswal.
Seegraswiesen
Das dichte Grün einer Seegraswiese, die tatsächlich einem Wald unter Wasser gleicht, ist Lunge und Kinderstube der Ostsee zugleich. Seegraswiesen filtern Trüb- und Schadstoffe aus dem Wasser und produzieren lebenswichtigen Sauerstoff. Mit ihrem Geflecht aus feinen Wurzeln belüften und stabilisieren die Seegräser den Meeresboden.
Unzählige Arten leben im dichten Gewirr der heimischen Seegräser: Gras- und Schlangennadeln jagen hier, Meeresschnecken weiden auf den Blättern und scheue Seestichlinge und Felsengarnelen verstecken sich in dem dreidimensionalen Gewirr. Viele Arten legen hier ihre Eier ab, weshalb die Seegraswiesen auch als Kinderstube der Ostsee bezeichnet werden.
Bedrohungen der Ostsee
Die Ostsee zählt wie die Nordsee zu den am stärksten genutzten Meeren der Welt. Der geringe Wasseraustausch sorgt dafür, dass Belastungen durch Eutrophierung besonders stark wirken. Der hohe Nährstoffeintrag, insbesondere aus der Landwirtschaft sorgt für starke Algenblüten, deren Zersetzungsprozesse den Sauerstoffgehalt der Tiefenbecken stark dezimieren und Sauerstoffminimumzonen entstehen lassen.
Die intensive Befischung hat zum Einbruch einiger Fischvorkommen, beispielsweise des Dorsches, geführt. Klimatische Veränderungen und Sauerstoffmangel minimieren die Chancen auf eine baldige Erholung, zumal der Fischereidruck selbst die Evolution der Dorsche dahin gelenkt hat, dass die Fische kleiner werden – und deutlich weniger Eier produzieren.
Weitere Belastungen entstehen durch die Schifffahrt, die gerade in den Meerengen im Südwesten intensiv ist und wenig Ausweichmöglichkeiten von stark sensitiven Meeresgebieten ermöglicht. Auch Offshore-Windparks in den von Fledermäusen und Zugvögeln intensiv genutzten Zugarealen in der südwestlichen Ostsee können ein starkes Kollisionsrisiko erzeugen. Hinzu kommen Munitionsbelastungen und Verschmutzungen durch Plastik und weitere Gefahrstoffe, Infrastrukturprojektvorhaben wie der Fehmarn-Belttunnel oder Pipelines, für die wertvolle Habitate zerstört wurden. All diese Belastungen führen dazu, dass auch HELCOM den Zustand der Ostsee in seinem letzten Zustandsbericht als schlecht einstufte.














