Distelfalter, Azurjungfer und Widderbock

Tipps zur Insektenbeobachtung im Juni

Insektenbeobachtung geht ganz leicht im eigenen Garten. Auch an Wiesen und Wegrändern, an Hecken oder im Wald lassen sich die Sechsbeiner erforschen. Wir geben Tipps, welche Arten im Juni unterwegs sind – und wie man selbst bei Regenwetter fündig wird.
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© Foto: NABU/CEWE/Dagmar Gernt

Noch vor Bienen sind Schmetterlinge die beliebtesten Insekten. Sie wirken elegant, sind nicht bedrohlich und recht auffällig, also leicht zu entdecken und vergleichsweise gut zu bestimmen. Schaut man auf die Ergebnisse des NABU-Insektensommers, befindet sich unter den Top 10 der Juni-Zählung allerdings in der Regel kein einziger Schmetterling. Der Grund: Anfang Juni haben viele der frühen Falter ihren ersten Saisonhöhepunkt schon hinter sich und die Bestände der typischen Sommerfalter sind noch im Aufbau.

Anfang Juni führte der Kleine Fuchs die Zahl der im NABU-Naturgucker gemeldeten Arten an. Auch Kleines Wiesenvögelchen, Waldbrettspiel und Kleiner Kohlweißling wurden oft gesehen, von den Frühjahrsarten vor allem Admiral und Zitronenfalter. Und dann ist da noch ein Gast aus dem Süden, auf den Naturfreund*innen besonders achten sollten: In der Regel ab Mitte Mai werden mehr und mehr Distelfalter beobachtet. Dieser Wanderschmetterling zieht im Laufe mehrerer Generationen aus Afrika von südlich der Sahara bis nach Skandinavien und im Herbst dann wieder zurück. Die jährliche Zahl der Distelfalter schwankt allerdings sehr stark.

Im Juni macht ein weiterer Wanderfalter von sich reden, das sich kolibri-ähnlich bewegende Taubenschwänzchen. Anders als beim Distelfalter geht dessen außergewöhnlich häufiges Erscheinen aber nicht auf den Einflug aus dem Süden zurück. Vielmehr überwintern klimawandelbedingt immer mehr Taubenschwänzchen in Deutschland, vor allem am Oberrhein.

Die Libellensaison ist ebenfalls in vollem Gang. Längst sind nicht nur die knallrote Frühe Adonislibelle oder der Frühe Schilfjäger unterwegs. Bei den eindrucksvollen Großlibellen begegnet man jetzt vor allem Plattbauch, Vierfleck, Großem Blaupfeil und Königslibelle. Selbst die Blaugrüne Mosaikjungfer fliegt bereits, wenn auch längst nicht so zahlreich wie im Hochsommer.

Bei den schlanken Kleinlibellen – Flügel im Sitzen fast immer geschlossen – ist die Hufeisen-Azurjungfer jetzt mit Abstand am häufigsten. Beim Spaziergang entlang eines Gewässerufers fliegen die gestörten Azurjungfern immer wieder auf und landen nach kurzem Schweben auf dem nächstgelegenen Grashalm oder Zweig. Bei geduldiger Annäherung lassen sie sich gut aus der Nähe betrachten. Dabei lohnt es, genauer hinzuschauen. Je nach Form der Zeichnung auf dem zweiten Hinterleibssegment – Helm, Speer, Haube, Mond oder Fledermaus –, also ganz vorne kurz vor der Brust, kann es sich nämlich auch um eine der deutlich selteneren Schwesterarten handeln. Ebenfalls häufig und gut zu erkennen sind Pechlibelle und Federlibelle, letztere anhand ihrer verbreiterten und mit langen Dornen versehenen Beine. Besonders auffällig an Fließgewässern sind die Prachtlibellen.

Während man bei Schmetterlingen und Libellen in der Annäherung recht vorsichtig sein muss, lassen sich die meisten Käfer kaum stören. Oft kann man ihnen ganz nah kommen, sie sogar auf den Finger nehmen. Besonders häufig sind jetzt die Asiatischen Marienkäfer und ihre grauschwarzen Larven mit den beiden orangenen Seitenstreifen. Auch wenn beide Arten übers Jahr etwa gleichauf liegen, sind Siebenpunkt-Marienkäfer im Juni etwas seltener.

Ebenfalls häufig sind die im Vergleich zu den Marienkäfern riesigen, glanzendgrünen Rosenkäfer und die etwas kleineren Trauerrosenkäfer. Tatsächlich werden Heckenrosen von den Rosenkäfern gerne besucht, auch Gartenlaubkäfer findet man dort, mit Vorliebe an den Blütenblättern knabbernd. Wer niedrig wachsende Zweige an Waldrändern absucht, wird im Juni dort die auffälligen Widderböcke finden. Das gelbe Streifenmuster auf schwarzem Grund hat ihnen auch den Namen Wespenbock eingebracht.

Tipps für Regenwetter

Regnerisches Wetter mögen Insekten nicht wirklich. Wenn es feucht wird, ist das Insektenleben erschwert und auch die Gefahr von Krankheiten und Pilzbefall nimmt zu. Bei Regen wird der Flugverkehr eingestellt und viele Insekten verstecken sich. Um nun Sechsbeiner zu erleben, muss man die Strategie ändern und aktiv suchen. Als Versteck besonders beliebt sind die Unterseite von Blättern, ob nun von Brennnesseln oder von Eichen. Es lohnt sich unbedingt, von unten hinzuschauen oder die Blätter vorsichtig umzudrehen. Oft sitzen Käfer, Wanzen und Wildbienen auch in mehr oder minder geschlossenen Blüten.

Wer sonst vor allem bunten Faltern nachjagt oder laut brummenden Holzbienen, wird an einem dichten Krautsaum oder einem niedrig hängenden Zweig zunächst einmal nur ein grünes Nichts sehen. Das Auge muss sich erst an die feinen optischen Unterschiede gewöhnen, um auch dort Insekten zu erkennen.

Zu den ohnehin nicht besonders auffälligen Insekten gehören die zahlreichen Blattlausarten. Leider sehen sie sich oft sehr ähnlich und selbst die Identifikation der Wirtspflanze hilft bei der Lausbestimmung nicht immer. Noch relativ „sicher“ sind die wahlweise roten oder grünen Großen Rosenblattläuse, die weißen Brennnessel-Röhrenschildläuse und die hochspezialisierten Rindenläuse, etwa an Eichenzweigen oder an Birken.

Noch weniger störanfällig sind die Bewohner von Gallen in Blättern oder Stielen. Oft verbergen sich darin Insekten, etwa Gallwespenlarven oder winzige Blattlauskolonien. Ort und Form der Galle in Verbindung mit der Pflanzenart lässt in vielen Fällen eine genaue Bestimmung zu. An verbreiteten Baumarten wie Buche, Eiche, Linde, Ulme oder Ahorn findet man fast immer Gallen. Besonders auffällig sind die tropfenartigen Gallen der Buchengallmücke und die roten Hörnchengallen auf den Lindenblättern. Letztere werden allerdings von Gallmilben verursacht und dies sind keine Insekten, sondern Spinnentiere.