Lebensraum und Nahrung für Sechsbeiner
Pflanzen für den Insektengarten

Welche Pflanzen helfen Insekten besonders?
Insekten und Pflanzen sind ein eingespieltes Team: Jede Pflanze hat eine Funktion, jedes Insekt eine Vorliebe. Die Pflanzen erfüllen dabei verschiedene Zwecke. Nicht nur Nektar und Pollen, sondern auch die Stängel und Blätter sind wichtig für Insekten. Denn aus ihnen werden Nester gebaut oder sie werden von Raupen gefressen. Manche Insekten sind auf bestimmte Pflanzen angewiesen, andere sind da nicht so wählerisch. Aber allen fehlt es an Nahrung und Lebensraum.
Frühblüher
Bereits im zeitigen Frühjahr sind viele Wildbienen, Hummeln und andere Insekten auf Nahrung angewiesen. Frühblüher sind eine wichtige Quelle.
Kräuter- und Nutzpflanzen
Auch Kräuterbeete können eine wertvolle Nahrungsquelle sein. Viele Kräuter gehören zu den beliebtesten Insektenpflanzen überhaupt.
Stauden und Wildblumen
Viele heimische Wildstauden liefern über Wochen hinweg Nektar und Pollen. Gleichzeitig dienen ihre Blätter oder Stängel zahlreichen Insekten als Lebensraum und Winterquartier.
Heimische Wildrosen
Wildrosen bieten zahlreichen Insekten Nahrung. Ihre ungefüllten Blüten sind leicht zugänglich und enthalten reichlich Pollen und Nektar. Darüber hinaus dienen ihre Hagebutten vielen Vögeln als Winterfutter.
Zierrosen und Insekten
Hochgezüchtete Rosen, die prachtvoll blühen und gefüllte Blüten haben, nützen unseren Insekten oft wenig. Ihre Blüten sind zu eng für die Tiere. Hinzu kommt, dass die Blüten oft keinen Nektar oder Pollen enthalten. Sie bieten den Insekten also keine Nahrung.
Insekten lieben die ungefüllten, einfachen Wildformen. Mit ihrem Duft und ihrer Farbe locken sie Insekten aller Art an. Und: Auch Vögel lieben heimische Rosen, ihre Hagebutten sind im Winter seltene Nahrung. Wer Rosen pflanzen möchte, sollte möglichst ungefüllte heimische Wildrosen wählen.
Welche Insekten bevorzugen welche Pflanze?
Auf der Suche nach Nahrung hat jede bestäubende Insektenart ihre eigenen Vorlieben. Im Garten und auf dem Balkon sollten daher viele heimische Pflanzen vorhanden sein und eine große Vielfalt von Blütenformen und -farben. Von März bis Oktober sollte immer etwas blühen.
Farbe und Geruch von Pflanzen locken Insekten aus der Ferne an. Einige Blüten leiten Bestäuber mit sogenannten Farbmale direkt zu ihrem Nektar oder Pollen. Manche dieser Muster sind für Menschen gar nicht sichtbar. Ob ein Insekt an die Nahrung in der Blüte kommt, bestimmt aber ihre Form. Manche Bestäubergruppen werden durch eine spezielle Blütengestalt ausgeschlossen oder sogar ganz gezielt bedient. Die Länge und Form des Mundwerkzeugs des Insekts und die Größe und Form der Blüte spielen dafür eine wichtige Rolle.
Honig- und Wildbienen
Honigbienen und Wildbienen ernähren sich von Nektar und Pollen und haben nur kurze Rüssel. Daher sollte der Nektar in greifbarer Nähe von einem Zentimeter liegen. Sie fliegen mit Vorliebe Lippen- und Rachenblütler mit rauen Blütenblattflächen an, auf deren Unterlippe sie gut landen können.

Manche Wildbienen sind auf Glockenblumen spezialisiert, in die sie komplett hineinkriechen. Die Farben der Wahl sind Gelb und Blau, per Farbmale finden die Tiere die Bereiche mit Nektar und Pollen. Damit auch frühfliegende Wildbienen wie die Hummeln Nahrung finden, sollte auch im Frühjahr etwas blühen, beispielsweise Krokusse und Taubnesseln.
Schmetterlinge
Tagfalter saugen Nektar aus tiefen, langen Blütenröhren, die Bienen und Fliegen nicht erreichen können. Oft liegt der Nektar in den meist aufrechten Blüten bis zu vier Zentimetern im Inneren der Blüte verborgen. Favorisierte Farben sind Rot, Blau oder Gelb. Die Farbmale locken die Insekten zu ihrer Nahrungsquelle in der Blüte.

Tagfalter müssen gut auf den Blüten landen können. Tellerförmige Blüten mit langen Röhren (Stieltellerblumen) wie Nelken werden deshalb gern angeflogen. Auch Schmetterlingsblütler wie Gewöhnlicher Hornklee, Ginster oder Frühlings-Platterbse und röhrenförmige Blüten, etwa von Karden, ziehen Tagfalter an.
Auch für Nachtfalter hält die Natur passende Blüten bereit. Nachtfalter fliegen auf meist hängende Röhrenblumen und Stieltellerblumen, deren Nektar bis zu 20 Zentimeter tief verborgen liegen kann. Sie bevorzugen helle Blüten ohne Farbmale. Da es dunkel ist, orientieren sich die Falter an dem starken süßlichen Geruch der Blüte. Es gibt mehrere Gruppen von Nachtfaltern, die größten sind die Schwärmer und Eulen. Während Eulen einen Landeplatz brauchen, ist dieser für Schwärmer wie das Taubenschwänzchen nicht nötig. Nachtfalterpflanzen sind tagsüber geschlossen. Sie öffnen sich am Abend und verströmen dann ihr Aroma.
Tipp: Wer Schmetterlinge ins heimische Grün locken möchte, sollte unbedingt auch an die Futterpflanzen der Raupen denken, wie den Gewöhnlichen Dost oder den Gewöhnlichen Hornklee auf dem Balkon oder an Weiden und Himbeeren im Garten.
Käfer
Käfer werden als erste Bestäuber der Erdgeschichte angesehen. Blüten besuchende Käfer fressen vor allem Pollen, da der Nektar für ihre kurzen, beißenden Mundwerkzeuge oft zu tief verborgen ist. Sie sind deshalb auf gut zugänglichen, offenen, pollenreichen Blüten zu finden wie von Rosen, Apfelbäumen und Clematis oder von Doldenblütlern wie Engelwurz, Schafgarbe und Wilder Möhre.

Die Farben der Blüten bewegen sich im weißlichen oder gelb-bräunlichen Spektrum. Zudem lieben Käfer alles, was stinkt. Daher verströmen manche Käferblumen einen herben Duft, andere wiederum riechen fruchtig. Käfer nutzen die Blüten auch zum Sonnen, Übernachten oder als Paarungsplatz.
Wanzen
Wanzen haben einen kurzen, ausklappbaren Rüssel und fliegen vor allem gut zugängliche Blüten an. Knöterich- und Ampfersorten gehören zu ihren Vorlieben. An diesen legen sie auch gern ihre Eier ab. Die nächste Generation sitzt damit gleich an der richtigen Futterpflanze.

Einige erwachsene Wanzen bevorzugen Säfte von unreifen Früchten ihrer Wirtspflanzen, etwa Himbeeren und Brombeeren. Die Lederwanze, die häufigste Art, saugt an Heckensträuchern, verschiedenen Stauden, Disteln und Weidenröschen und bevorzugt Ampfer- und Knötericharten. Streifenwanzen und andere Wanzenarten stehen auf den süßen Saft von Doldenblütlern wie Dill oder Wilde Möhre.
Fliegen
Blüten besuchende Arten brauchen unterschiedliche Blütenformen. Während Schwebfliegen Nektar konsumieren und möglichst offen zugängliche Blüten suchen, fliegen Aasfliegen sehr spezielle Blüten an, um dort ihre Eier abzulegen.

Schwebfliegen haben kurze und leckende Mundwerkzeuge und favorisieren etwa Doldenblütler, Korbblütler oder werden von Fallenblumen angelockt, aus der sie erst nach der Bestäubung wieder freikommen.
Das Wichtigste in Kürze
Wer möglichst vielen Insekten helfen möchte, setzt auf:
- heimische Pflanzenarten
- verschiedene Blütenformen
- ein durchgehendes Blütenangebot von März bis Oktober
- Nektar- und Pollenpflanzen
- Raupenfutterpflanzen
Je vielfältiger die Bepflanzung, desto mehr verschiedene Insektenarten finden Nahrung und Lebensraum.



