Millionen Gärten können Lebensräume verbinden
Ob Vorgarten, Kleingarten oder Hinterhof: Millionen Gärten können zusammen ein riesiges Netz aus Lebensräumen bilden.
Ökologisch betrachtet ist ein Garten ein Mosaik aus kleinen Lebensräumen: offener Boden, Rasen oder Wiese, Beete, Hecken, Bäume, Totholz, Mauernischen, Kompost, Wasserstellen - genau diese Vielfalt aus Strukturen entscheidet darüber, ob ein Garten einfach nur grün ist oder ein Ort der Artenvielfalt ist. Viele Arten nutzen Gärten nicht als Einzelfläche, vielmehr sind Gärten Teil eines Netzes aus Trittsteinen im Siedlungsraum, die es ermöglichen, dass Arten zwischen Biotopen wandern können. Und als Teil dieses Netzes sind naturnahe Gärten unverzichtbar.
Was sind Trittsteinbiotope?
Trittsteinbiotope sind kleine Lebensräume, die Pflanzen und Tieren helfen, Entfernungen zwischen größeren Lebensräumen zu überbrücken. Sie dienen als Zwischenstationen – etwa als Nahrungsquelle, Rastplatz oder Brutort – und sichern so die Ausbreitung von Arten und den genetischen Austausch.
Gerade in stark zerschnittenen Landschaften gewinnen solche „Inseln“ an Bedeutung: Straßen, Siedlungen oder intensiv genutzte Agrarflächen sind für viele Arten kaum überwindbar. Trittsteine können diese Lücken schließen und Lebensräume miteinander vernetzen.
Auch naturnahe Gärten übernehmen diese Funktion. Je vielfältiger sie gestaltet sind und je mehr es davon gibt, desto besser können sie ein funktionierendes Netzwerk bilden – und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.
Was macht einen naturnahen Garten aus?
Wo liegt das Potenzial – und wie groß ist es?
17 Millionen Gärten gibt es in Deutschland. Zusammen können sie ein riesiges Netzwerk für die Artenvielfalt bilden.
Diese Fläche liegt im Siedlungsraum, also genau dort, wo Lebensräume durch Bebauung, Zerschneidung und Versiegelung besonders stark unter Druck stehen. Entscheidend ist weniger die Größe eines einzelnen Gartens als seine Qualität: Das Projekt gARTENreich zeigt zum Beispiel, dass in einem artenarmen Garten im Schnitt etwa 26 Pflanzenarten wachsen, in einem naturnahen Garten dagegen etwa 293 Pflanzenarten. Mehr Pflanzenvielfalt und ein hoher Anteil heimischer Pflanzen bedeuten in der Regel auch mehr Nahrung und Lebensraum für Tiere. Zusammen mit einer hohen Strukturvielfalt bieten sie viele ökologische Nischen und damit mehr Überlebenschancen für Tier- und Pflanzenarten.
Trittsteine, Nahrungsketten, Mikroklima
Ein einzelner naturnaher Garten ist selten „der alleinige“ Lebensraum für Arten, aber viele Gärten zusammen können ein Netzwerk von Lebensräumen bilden. Für Fluginsekten oder Vögel sind sie oft Zwischenstationen, hier finden sie Nahrung, Schutz und Brutplätze. Für weniger mobile Arten, zum Beispiel Amphibien, entscheidet dagegen die Durchlässigkeit des Siedlungsraums darüber, ob Arten passende Lebensräume überhaupt erreichen. Von ihrer Gestaltung eines Gartens hängt ab, ob Arten genug Futter, Wasser, Brutplätze, Versteck und einen Platz zum Überwintern vorfinden. Je naturnäher, desto besser. Gleichzeitig beeinflussen Gärten das Mikroklima: Bäume, Sträucher und unversiegelter Boden kühlen und speichern Feuchtigkeit und CO2 – ein Vorteil, der mit zunehmender Hitze und Trockenheit auch ökologisch relevanter wird.
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Was das für den Artenschutz bedeutet
Der Garten ist kein Ersatz für große, wilde Natur – aber er ist ein relevanter Baustein im Artenschutz, besonders im Siedlungsraum. Wenn Millionen Gärten artenärmer werden, verliert die Natur im Alltag unzählige kleine Nahrungs- und Rückzugsorte. Wenn sie dagegen strukturreich sind, können sie Biodiversität tragen, Lebensräume verbinden und Arten helfen, die in unserer Landschaft kaum noch Platz finden. Konkrete Tipps, wie das im eigenen Garten geht, geben wir auf unseren Seiten zum naturnahen Gärtnern.









