Vermeiden, verlagern, klimafreundlich gestalten

Der Weg zum dekarbonisierten Güterverkehr

Deutschland ist eine Export- und Logistiknation. Gleichzeitig verursacht der Güterverkehr erhebliche Belastungen für Klima, Umwelt und Gesundheit. Wir zeigen, wie die umweltfreundliche Wende im Güterverkehr gelingen kann.
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Güterzug, der viele Autos transportiert
Das Verlagern von Transporten auf die Schiene ist ein Baustein zu einem umweltfreundlicheren Güterverkehr© Foto: NABU/Jan Piecha

Millionen Tonnen Güter werden jeden Tag in Deutschland transportiert und auch in Zukunft wird eine leistungsfähige Logistik unverzichtbar sein. Um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen und Umwelt und Gesundheit zu schützen, ist ein Umsteuern im Güterverkehr unverzichtbar.

Deshalb gelten für den NABU weiterhin drei klare Grundsätze: 

  • Verkehr vermeiden,
  • auf klimafreundlichere Verkehrsträger verlagern,
  • den unvermeidbaren Güterverkehr so emissionsarm wie möglich gestalten.

Transporte vermeiden, wo es möglich ist

Der umweltfreundlichste Transport ist der, der gar nicht erst stattfindet. Noch immer führen globale Lieferketten, Just-in-Time-Produktion und steigende Anforderungen an die Liefergeschwindigkeit zu vielen vermeidbaren Transporten. Nicht jede Sendung muss bereits am nächsten Morgen zugestellt werden, nicht jeder Transport so schnell wie möglich geschehen, um dann am Werkstor Stunden auf die Abfertigung zu warten.

Kurze Lieferwege, regionale Wirtschaftskreisläufe, eine bessere Logistikplanung und langlebige Produkte können dazu beitragen, Transportaufkommen zu reduzieren und Ressourcen zu schonen.

Mehr Güter auf Schiene und Wasserstraße bringen

Wo Transporte unvermeidbar sind, sollten sie möglichst auf energieeffiziente Verkehrsträger verlagert werden. Schiene und Binnenschiff können große Gütermengen deutlich effizienter transportieren als Lkw. Die Europäische Kommission hat deshalb das Ziel formuliert, bis 2050 die Hälfte der Straßengütertransporte über 300 Kilometer auf Schiene und Wasserstraße zu verlagern. Um dieses Ziel zu erreichen, muss Deutschland die Schieneninfrastruktur konsequent modernisieren und ausbauen sowie Wasserstraßen ökologisch aufwerten und klimaresilient machen.

Binnenschifffahrt, hier ein Hafen in Mannheim, ist effizienter als Lkw© Foto: Mathias Schäf

Schienenwege stoßen allerdings schon heute vielerorts an ihre Kapazitätsgrenzen. Auch die Binnenschifffahrt leidet zunehmend unter Niedrigwasserereignissen infolge der Klimakrise. Selbst bei einem ambitionierten Ausbau von Schiene und Wasserstraße wird deshalb auch langfristig ein erheblicher Teil des Güterverkehrs auf der Straße stattfinden.

Der Straßengüterverkehr braucht eine elektrische Zukunft

Für diese Realität brauchen wir eine schnelle Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs. Schwere Nutzfahrzeuge machen in Europa nur einen kleinen Teil des Fahrzeugbestands aus, verursachen aber einen überproportional hohen Anteil der Emissionen des Straßenverkehrs. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind Lkw und Busse für fast ein Drittel der Treibhausgasemissionen des Straßenverkehrs und für sieben Prozent der Gesamtemissionen in Deutschland verantwortlich.

Dabei ist der batterieelektrische Lkw heute kein Zukunftsprojekt mehr. Alle großen europäischen Hersteller bieten schwere E-Lkw in Serie an. Fahrzeuge mit realistischen Reichweiten von über 500 Kilometern und der Möglichkeit in der festgeschriebenen Ruhepause zu laden, ermöglichen heute fast immer den Einsatz von E-Lkw. Im Regionalverkehr und bei regelmäßig planbaren Fahrten können E-Lkw ohne größere Planung sofort und wirtschaftlich eingesetzt werden.

Die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs bietet deshalb eine große Chance, Klimaschutz, industrielle Wertschöpfung und zukunftsfähige Arbeitsplätze miteinander zu verbinden.

Klare CO₂-Standards schaffen Investitionssicherheit

Europäische Nutzfahrzeughersteller investieren seit Jahren Milliardenbeträge in die Entwicklung und Produktion emissionsfreier Lkw. Die geltenden europäischen CO₂-Flottengrenzwerte schaffen die notwendige Planungssicherheit für diese Investitionen. Die EU hat beschlossen, die Emissionen neuer schwerer Nutzfahrzeuge gegenüber dem Referenzwert schrittweise um 45 Prozent bis 2030, 65 Prozent bis 2035 und 90 Prozent bis 2040 zu senken.  

Diese Vorgaben sind nicht nur ein Instrument des Klimaschutzes. Sie geben Herstellern, Zulieferern, Logistikunternehmen und Infrastrukturbetreibern die Sicherheit, die sie für langfristige Investitionen benötigen. Die Europäische Kommission betont ausdrücklich, dass die Standards Investitionen in emissionsfreie Technologien fördern und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Nutzfahrzeugindustrie stärken sollen.  

Eine Aufweichung der Flottengrenzwerte, wie es von einigen Herstellern immer wieder gefordert wird, würde dagegen Investitionen gefährden und dem technologischen Wettbewerb schaden, in dem sich europäische Hersteller befinden. Statt auf Scheinlösungen und Übergangstechnologien zu setzen, sollten Politik und Wirtschaft den erfolgreichen Markthochlauf emissionsfreier Lkw konsequent unterstützen.

Unsere Forderungen

1. Starke CO₂-Flottengrenzwerte erhalten

Die europäischen CO₂-Grenzwerte für Lkw müssen bestehen bleiben. Sie schaffen Planungssicherheit für Unternehmen, treiben Innovationen voran und sichern Investitionen in klimafreundliche Technologien. Ein Zick-Zack-Kurs wie bei den Flottengrenzwerten für Pkw muss unbedingt vermieden werden – auch im Sinne der Beschäftigten in der Lkw-Produktion. Anstelle von Ausnahmen oder einer Anrechnung von Scheinlösungen wie Biokraftstoffen sollte der Fokus auf tatsächlich emissionsfreien Antrieben liegen.

2. Ladeinfrastruktur und Stromnetze konsequent ausbauen

Der Ausbau leistungsfähiger Ladeinfrastruktur entlang wichtiger Transportkorridore sowie in Logistikzentren muss konsequent fortgeführt werden. Gleichzeitig müssen Netzanschlüsse schneller bereitgestellt und Genehmigungsverfahren vereinfacht werden, damit Ladepunkte dort entstehen können, wo sie benötigt werden.

3. Kleine und mittlere Unternehmen beim Umstieg unterstützen

Viele kleinere und mittlere Speditionen stehen vor hohen Anfangsinvestitionen. Förderprogramme, Investitionshilfen, steuerliche Anreize und günstige Finanzierungsangebote können dazu beitragen, den Umstieg auf emissionsfreie Nutzfahrzeuge zu erleichtern.

4. Neue Technologien staatlich unterstützen

Der Aufbau eigener technologischer Kompetenzen muss politisch gezielt unterstützt werden. Dazu gehört insbesondere der Einstieg in eine deutsche und europäische Batteriezellfertigung, um Abhängigkeiten von außereuropäischen Produzenten zu verringern, industrielles Know-how aufzubauen und Wertschöpfung sowie gute Arbeitsplätze in Europa zu sichern. 

Erfolge bei der Erweiterung der Lkw-Maut

In der Vergangenheit war die Lkw-Maut ein wichtiger Baustein, um mehr Kostengerechtigkeit und faire Wettbewerbsbedingungen im Güterverkehr zu erzielen. Unsere Forderungen nach einer Erweiterung der Lkw-Maut wurden inzwischen umgesetzt:

  • Die Lkw-Maut gilt mittlerweile auch für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht.  
  • Mit der Einführung einer CO₂-Komponente wird die Maut heute stärker nach den verursachten 
    Klimaschäden differenziert.  
  • Die Maut wurde auf das gesamte Bundesfernstraßennetz ausgeweitet und schafft damit mehr Kostenwahrheit im Güterverkehr.

Für die Wende im Güterverkehr braucht es politischen Willen

Politische Rahmenbedingungen können den Wandel im Güterverkehr wirksam unterstützen. Um die umwelt- und klimafreundliche Wende im Güterverkehr zu erreichen, kommt es nun darauf an, konsequent die nächsten Schritte zu gehen: Bei den CO₂-Standards auf Kurs bleiben und keinen Zick-Zack-Kurs wie bei den Pkw hinlegen, eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur aufbauen, Unternehmen beim Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge unterstützen und neue Technologien wie die Batteriezellfertigung in Deutschland und Europa gezielt stärken.

Letzte Aktualisierung: 09/2026

Ansprechperson

Porträtaufnahme NABU-Mitarbeiterin Pauline Schur.
Pauline Schur
Teamleiterin Verkehrspolitik
+49 (0) 1525 915 8575
Pauline.Schur@NABU.de

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