Weichen stellen für eine zukunftsfeste Mobilität

Verkehrsinfrastruktur in Deutschland

Hohe Treibhausgasemissionen, zerschnittene Lebensräume und versiegelte Böden: In der Verkehrspolitik ist dringend ein Umdenken nötig. Wir zeigen mögliche Lösungen auf.
Stadtaufnahme, in der Mitte fährt eine blaue Tram über begrünte Schienen, rechts und links jeweils mehrspurige Autostraßen.
Ein wichtiger Punkt für nachhaltige Mobilität: Verlagerung auf klimafreundlichere Verkehrsmittel© Foto: NABU/Jan Piecha

Der Verkehrssektor ist einer der wenigen in Deutschland, der seine Treibhausgasemissionen in den letzten Jahrzehnten nicht deutlich mindern konnte. Doch nicht nur der Verkehr selbst belastet das Klima: Auch die dafür erforderliche Infrastruktur verbraucht wertvolle Ressourcen, versiegelt Böden, zerschneidet Landschaften sowie Lebensräume und gefährdet damit unmittelbar die Artenvielfalt. Die bisherige Planung von Verkehrswegen hat die Biodiversitätskrise zusätzlich verschärft – das gilt für alle Verkehrsträger. Deshalb ist hier ein grundlegendes Umdenken erforderlich.

NABU-Positionspapier Verkehrsinfrastruktur

  • Publikation
  • 01.03.2025
  • PDF
  • 15,3 MB

In unserem Positionspapier zeigen wir mögliche Ansätze und Rahmenbedingungen für eine klimafreundliche Verkehrsinfrastruktur auf und leiten daraus unsere Forderungen ab:

Verkehr und Umweltschutz – ein Balanceakt

Wir alle sind abhängig von einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur, entweder um von A nach B zu gelangen oder indirekt für den Transport von Gütern, auf die wir angewiesen sind. Dazu zählen Straßen, Schienen, Brücken, Tunnel, Häfen und Flughäfen. Die Verkehrsträger unterscheiden sich jedoch erheblich in ihren Auswirkungen auf die Umwelt. So sind Schienenwege platzsparender als Straßen und lassen im Gegensatz zu Asphaltflächen Wasser versickern. Auch wenn sie Ressourcen verbrauchen, sind Schienen in jedem Falle umweltschonender.

Welche Eingriffe sind vertretbar, um nachhaltige Mobilität wie Schienenverkehr zu ermöglichen?© Foto: NABU/Jan Piecha

Doch auch Schienen- oder Radwege gehen mit Eingriffen in die Natur einher. Dieser Zielkonflikt erfordert eine sorgfältige Abwägung: Welche Eingriffe sind vertretbar, um nachhaltige Mobilität zu ermöglichen? Grundsätzlich gilt es, die Schäden so gering wie möglich zu halten und durch geeignete Maßnahmen zu minimieren oder auszugleichen.

Wie wirksam sind Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen?

Eingriffe in Natur und Landschaft durch Verkehrsinfrastruktur sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§§ 13ff. BNatSchG) vorrangig zu vermeiden. Falls dies nicht möglich ist, müssen sie minimiert und durch Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen kompensiert werden. Ausgleichsmaßnahmen zielen darauf ab, die beeinträchtigten Funktionen in der gleichen Art und am gleichen Ort wiederherzustellen. Ersatzmaßnahmen hingegen kompensieren die Eingriffe nicht, sondern sehen andere Maßnahmen vor, die aber genauso wertvoll sind und andernorts stattfinden.

In der Praxis gibt es in diesem Punkt erhebliche Defizite: Nur 73 Prozent der vorgesehenen Maßnahmen werden tatsächlich umgesetzt, oft jedoch mit unzureichender Wirkung. Häufig fehlen geeignete Flächen oder die langfristige Funktionsfähigkeit der Maßnahmen ist nicht gewährleistet. Die wenigsten Eingriffe sind zudem 1:1 an anderer Stelle kompensierbar, besonders wenn wertvolle Lebensräume zerschnitten oder zerstört werden. Finanzielle Ersatzleistungen dürfen nur das letzte Mittel sein und müssen endlich an ökologische Verbesserungen gekoppelt werden.

Binnenwasserstraßen stufen wir grundsätzlich als umweltfreundlich ein, da Schiffe große Mengen an Gütern mit vergleichsweise geringem Energieverbrauch transportieren können. Allerdings stehen Ausbau- und Vertiefungsmaßnahmen im Widerspruch zu ökologischen Zielen, da sie den natürlichen Wasserhaushalt stören, Lebensräume zerstören und das Grundwasser absinken lassen. Wir fordern daher, keine weiteren Flüsse für die Schifffahrt auszubauen, sondern stattdessen bestehende Wasserwege ökologisch zu verbessern und klimaneutrale Antriebstechnologien für Schiffe zu fördern.

Der Radverkehr ist neben dem Fußverkehr die nachhaltigste Fortbewegungsart, da er weder CO₂-Emissionen noch größere Flächenversiegelung verursacht. Neue Radwege sollten jedoch vorrangig durch die Umwidmung bestehender Straßenflächen entstehen, um zusätzliche Eingriffe in die Natur zu vermeiden. Städte wie Paris, Kopenhagen und Barcelona sind hier als Positivbeispiel hervorzuheben. 

Wir brauchen ein Umdenken in der Verkehrswegeplanung

Zusammenfassend fordern wir ein Umdenken in der Verkehrspolitik. Verkehrsvermeidung, Verlagerung auf klimafreundlichere Verkehrsmittel und eine umweltgerechte Gestaltung der Infrastruktur müssen zum Mittelpunkt werden.

Dieses Umdenken muss verbindlich in der Verkehrswegeplanung des Bundes, insbesondere im Bundesverkehrswege- und Mobilitätsplan 2040 (BVMP 2040), verankert werden. Zielkonflikte zwischen Mobilität und Naturschutz müssen durch eine stärkere Integration von Umweltaspekten in die Verkehrsplanung sowie durch konsequente Umsetzung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen gelöst werden.

Letzte Aktualisierung: 08/2026

Ansprechperson

Porträtaufnahme NABU-Mitarbeiterin Pauline Schur.
Pauline Schur
Teamleiterin Verkehrspolitik
+49 (0) 1525 915 8575
Pauline.Schur@NABU.de

Mehr zum Thema