Warum manche Wälder sich frei entwickeln dürfen
Naturwald in Deutschland

Wälder bieten uns Menschen viel. Ihre Rolle als Holzlieferant fällt vielen sicher zuerst ein. Der nachhaltige und vielseitige Rohstoff ist aber nur ein Aspekt. Wälder erbringen darüber hinaus zahlreiche unschätzbar wichtige Funktionen, die der Allgemeinheit zugutekommen: Sie sorgen weiträumig für Abkühlung durch Verdunstung, speichern CO₂-Emissionen aus unseren Auspuffen und Schloten, bieten Arten einen Lebensraum und nicht zuletzt dienen sie den Menschen als Erholungsgebiete. Und mit all diesen Funktionen sind auch wirtschaftliche Effekte verbunden, sei es durch die Trinkwassergewinnung oder den Tourismus.
Natürliche Entwicklung auf einem Teil der Waldfläche
Ursprünglich war Deutschland zu einem großen Teil von Wäldern bedeckt. Zwar wächst heute immer noch auf einem Drittel unseres Landes Wald, aber nur auf mittlerweile 3,1 Prozent dieser Fläche darf sich dieser vom Menschen ungesteuert entwickeln. Um das Artensterben zu verlangsamen, hat sich Deutschland daher im Rahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) bereits 2007 das Ziel gesetzt, fünf Prozent der deutschen Waldfläche zu solchen Naturwäldern zu entwickeln. Dies wurde 2024 bei Fortschreibung der Strategie (NBS 2030) noch einmal bestätigt. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen also noch mehr Wälder als bisher zu Naturwäldern werden.
NABU-Stiftung bewahrt großen Naturwald
Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe bewahrt seit Anfang 2026 südwestlich von Stolberg im Südharz (Sachsen-Anhalt) Hektar einen 1.000 Hektar großen Naturwald. Dort entsteht ein naturbelassener Bergwald, der mit majestätischen Baumriesen und wilden Naturprozessen unser Klima schützt, die heimische Tier- und Pflanzenwelt erhält und eindrucksvolle Orte für Naturerleben und Erholung bietet.
Der Bund unterstützt das Projekt „KlimaWildnis-Fläche bei Stolberg im Harz“. Bei einem Besuch der Projektflächen im August 2026 übergab Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) im Beisein von Sachsen-Anhalts Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann (SPD) eine Förderurkunde an die NABU-Stiftung. Mit den Mitteln aus dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) konnten rund 1.000 Hektar ökologisch wertvoller Waldflächen erworben werden. Ziel ist es, bedeutsame Waldlebensräume dauerhaft zu sichern, natürliche Entwicklungsprozesse zu ermöglichen und somit den Klimaschutz zu stärken.
Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Wiederherstellung widerstandsfähiger und leistungsfähiger naturnaher Waldökosysteme. Durch die dauerhafte Sicherung der Flächen für die Natur können sich die Wälder künftig ohne forstwirtschaftliche Nutzung entwickeln
Mehr Artenvielfalt und Stabilität
Auf diesen Flächen darf der Wald einfach nur Wald sein, der Mensch hält sich raus. Dadurch verbessern sich die oben genannten Funktionen nachweislich deutlich. Durch das geschlossenere Kronendach kann der Wald zudem den Folgen der Klimakrise besser trotzen, da Feuchtigkeit besser gehalten wird. Naturnahe Wälder und ihre Böden sind starke Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise. Bäume, die mehrere Hundert Jahre alt werden, können atmosphärischen Kohlenstoff langfristig binden. In den Waldböden reichert sich über die Zeit ebenfalls Kohlenstoff an.
Auch für den Naturschutz haben diese Naturwälder einen hohen Nutzen. Hier dürfen die Bäume ungestört alt werden und auch in abgestorbenem Zustand im Wald bleiben. So entstehen jede Menge verschiedene Lebensräume, von denen seltene und von alten Wäldern abhängige Arten wie Mittelspecht, Zwergschnäpper oder Bechsteinfledermaus profitieren. Die Artenvielfalt nimmt stark zu.
Für die Wissenschaft ist es außerdem von großem Wert, die natürliche Dynamik der Wälder zu beobachten. Die gewonnenen Erkenntnisse geben dann wertvolle Hinweise darauf, wie Wälder im Klimawandel künftig nachhaltig bewirtschaftet werden können. Das nutzt auch der Forstwirtschaft.
Holz effizienter nutzen
Lediglich als Holzlieferant stehen uns diese Wälder nicht mehr zur Verfügung – doch das sollten wir zugunsten der vielen Vorzüge in Kauf nehmen. Wenn man bedenkt, dass aktuell mehr als 80 Prozent des eingeschlagenen Laubholzes direkt im Ofen landet, obwohl mittlerweile verbrennungsfreie erneuerbare Heiztechnologien zur Verfügung stehen, erscheint dieser Verzicht mehr als machbar. Wenn dieses CO₂ m Wald gespeichert bleibt, ist dem Klima am meisten geholfen. Grundsätzlich müssen wir den wertvollen Rohstoff Holz in Zukunft effizienter einsetzen, das heißt, ihn primär in langlebigen Produkten verwenden und anschließend möglichst lange im Stoffkreislauf halten.
FAQ zum Naturwald
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