Was belastet unsere Böden?

Bodenschutz

Böden haben wichtige Funktionen mit Blick auf unsere Ernährungssicherheit, das Klima und für viele Arten. Doch ein Großteil der Böden in Europa befindet sich in einem schlechten Zustand. Wie können wir sie besser schützen?
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Trockenrisse im Boden
Böden verlieren ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern, Nährstoffe bereitzustellen und Kohlenstoff zu binden.© Foto: Helge May

Böden gehören zu den wichtigsten, aber gleichzeitig am stärksten unterschätzten natürlichen Ressourcen Europas. Daten des Joint Research Centre (JRC) zeigen, dass rund 60 bis 70 Prozent der Böden in der EU bereits in einem ungesunden Zustand sind.  

Die Ursachen sind vielfältig, aber überwiegend menschengemacht: intensive landwirtschaftliche Nutzung, häufige Bodenbearbeitung, der Einsatz von Pestiziden und mineralischen Düngern sowie Flächenversiegelung und Verschmutzung. Hinzu kommen klimatische Veränderungen, die Prozesse wie Erosion, Austrocknung oder den Verlust organischer Substanz weiter verstärken. Besonders kritisch ist dabei, dass viele Böden gleichzeitig von mehreren Degradationsprozessen betroffen sind – etwa Humusverlust, Biodiversitätsrückgang und Verdichtung. 

Maßnahmen des Bodenschutzes

Die Folgen dieser Entwicklung sind gravierend: Böden verlieren ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern, Nährstoffe bereitzustellen und Kohlenstoff zu binden. Dadurch geraten zentrale Ökosystemleistungen unter Druck – von der landwirtschaftlichen Produktivität über den Hochwasserschutz bis hin zur Klimaregulation. Gleichzeitig wird die Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremwetterereignissen geschwächt. Studien zeigen, dass Bodendegradation nicht nur ökologische, sondern auch erhebliche ökonomische Schäden verursacht und die langfristige Ernährungssicherheit gefährdet.

Um Böden zu schützen und ihre Funktionen wiederherzustellen, ist ein grundlegender Wandel im Umgang mit Land erforderlich. Zentrale Hebel sind eine Reduktion der Bodenstörung, eine dauerhafte Bodenbedeckung, der Aufbau organischer Substanz sowie eine höhere Diversität in landwirtschaftlichen Systemen. Auch die Integration von Bäumen (Agroforst), die Wiedervernässung von Mooren und der Verzicht auf weitere Flächenversiegelung spielen eine wichtige Rolle. Entscheidend ist dabei ein systemischer Ansatz: Maßnahmen müssen standortspezifisch angepasst und entlang der gesamten Wertschöpfungskette unterstützt werden. 

Das Bodenleben wird durch Bodenruhe und Humusaufbau in den Baumstreifen gefördert.© Foto: Lignovis GmbH/Michael Weitz

Langfristig geht es darum, Böden wieder als das zu begreifen, was sie sind: eine lebendige Infrastruktur, die zentrale Funktionen für Klima, Wasser und Biodiversität erfüllt. Politische Initiativen wie die EU-Bodenstrategie und die geplante Bodenüberwachungsrichtlinie setzen hierfür wichtige Rahmenbedingungen. Doch um die Trendwende zu schaffen, braucht es zusätzlich klare ökonomische Anreize, verlässliche politische Leitplanken und eine breite Umsetzung nachhaltiger Bewirtschaftungspraktiken in der Fläche.