Zu viel wird verbrannt
Was im Restmüll nichts zu suchen hat

In keine Mülltonne werden so viele Abfälle geworfen wie in die Restmülltonne. Im Jahr 2024 fielen in Deutschland 13,1 Millionen Tonnen Rest- beziehungsweise Hausmüll an. Das entspricht durchschnittlich 156 Kilogramm pro Kopf. Zum Vergleich: In der Biotonne landen jährlich im Durchschnitt 64 Kilogramm pro Kopf, beim Altpapier sind es 55 Kilogramm.
In diesen Zahlen sind auch sogenannte hausmüllähnliche Gewerbeabfälle enthalten, etwa Restmüll aus Bürogebäuden. Dieser gewerbliche Anteil beträgt in städtischen Gebieten zehn bis 25 Prozent und im ländlichen Raum weniger als zehn Prozent des gesamten Restmülls.
Restmüll auf einen Blick
- Jeder Mensch in Deutschland wirft pro Jahr durchschnittlich 156 Kilogramm Abfälle in die schwarze oder graue Tonne.
- Der Inhalt der Restmülltonne wird vorrangig verbrannt.
- Nur ein Drittel dieser Abfälle ist „echter“ Restmüll; zwei Drittel sind Bioabfälle und Wertstoffe, die recycelt werden könnten.
- Die EU hat das Ziel, die Restmüllmenge bis 2030 zu halbieren.
- Abfallvermeidung und Mülltrennung sind der Schlüssel.
- Abfallberatung und ein nutzerfreundliches Angebot an Mülltonnen (z. B. Biotonne, Wertstofftonne) sind Voraussetzungen für bessere Mülltrennung.
Der überwiegende Teil des Restmülls wird nach der Tonnenleerung direkt in eine der 66 Müllverbrennungsanlagen in Deutschland gefahren und dort verbrannt. Ein kleinerer Teil geht in mechanisch-biologische Aufbereitungsanlagen. Dort werden heizwertreiche Abfälle zu Ersatzbrennstoffen aufbereitet, die anschließend in Zement- oder Kohlekraftwerken verbrannt werden. Energiearme Abfälle werden häufig biologisch behandelt und schließlich deponiert.
Von den Abfällen, die in der Restmülltonne landen, geht somit der Großteil unwiederbringlich in Rauch auf. Einzig Metalle können nach der Verbrennung oder im Zuge der mechanisch-biologischen Behandlung für das Recycling zurückgewonnen werden.
Die gesetzlich verbindliche Abfallhierarchie schreibt jedoch vor, dass Abfälle in erster Linie vermieden, wiederverwendet oder recycelt werden müssen. Die Verbrennung folgt erst auf der vierten Stufe. Die Europäische Kommission hat daher das Ziel ausgerufen, bis 2030 die Restmüllmenge in der EU zu halbieren. In Deutschland dürften dann nur noch etwa 75 Kilogramm pro Kopf anfallen. Das kann erreicht werden, wenn Abfälle generell vermieden und die nicht vermeidbaren Abfälle besser getrennt werden.
Wenn mehr Bioabfall in der Biotonne, Altpapier in der Papiertonne und Kunststoffverpackungen im Gelben Sack oder der Gelben Tonne landen, verringert sich die Restmüllmenge.
Zu viele Wertstoffe landen in der Restmülltonne
Das Potenzial ist enorm: Einer Studie des Umweltbundesamts zufolge sind zwei Drittel des Inhalts der Restmülltonne Abfälle, die eigentlich getrennt gesammelt und recycelt werden könnten. Den größten Anteil nimmt dabei Bioabfall mit knapp vierzig Prozent ein. Aber auch Wertstoffe wie Altpapier, Verpackungsabfälle oder Elektroaltgeräte machen zusammen knapp 28 Prozent des Inhalts der schwarzen Tonne aus. Hinzu kommt ein halbes Prozent Problemstoffe wie Batterien oder Energiesparlampen. Im Umkehrschluss zeigt sich: Nur ein Drittel der Tonne ist „echter“ Restmüll wie Kehricht, Asche, Zigarettenkippen oder Staubsaugerbeutel.
Vereinfacht formuliert gilt: Je schlechter die Mülltrennung, desto mehr Restmüll. Das Restmüllaufkommen ist somit ein guter Indikator dafür, wie weit wir auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft vorangekommen sind. Der NABU hat die Restmüllmengen in Deutschland auf Ebene der Städte und Kreise analysiert und mehrere wichtige Erkenntnisse gewonnen.

Haushalte brauchen ein besseres Tonnenangebot
Mülltrennung ist nicht nur Aufgabe der Bürger*innen. Kommunen und Abfallbetriebe müssen dafür sorgen, dass die nötige Infrastruktur vorhanden ist. Nur wenn Mülltonnen und Sammelsysteme nutzerfreundlich gestaltet sind, werden Abfälle richtig getrennt und landen nicht im Restmüll. Doch genau daran fehlt es vielerorts.
Eine NABU-Analyse zu Bioabfällen zeigt, dass in 13 Prozent der Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland die Biotonne nicht flächendeckend angeboten wird. In weiteren 15 Prozent gibt es die Biotonne lediglich auf freiwilliger Basis. Dies äußert sich auch in den Abfallsammelmengen: In Städten und Kreisen mit einer verpflichtenden Biotonne landen durchschnittlich pro Kopf etwa 35 Kilogramm weniger Abfälle im Restmüll als in Kreisen ohne Biotonne oder mit freiwilliger Biotonne.
In den meisten Kreisen und Städten in Deutschland gibt es außerdem keine bequeme Möglichkeit, Plastik- und Metallabfälle, die keine Verpackungen sind (sogenannte stoffgleiche Nichtverpackungen), getrennt zu sammeln. In die gelbe Tonne oder den gelben Sack dürfen nur Verpackungsabfälle. Kaputtes Plastikspielzeug oder alte Töpfe landen daher meist im Restmüll. Abhilfe kann hier die Wertstofftonne schaffen, in der sowohl Verpackungen als auch andere Abfälle aus Kunststoff, Metall und Verbundstoffen entsorgt werden können. Allerdings gibt es keine bundesweite Vorgabe. Kommunen ist es freigestellt, eine Wertstofftonne einzuführen. Aktuell steht sie daher nur rund 15 Millionen Bürger*innen zur Verfügung.
Großstädte haben die höchsten Restmüllmengen
In Großstädten landet mehr Abfall in der Restmülltonne als in kleineren Städten und ländlichen Kreisen. Dies kann nur teilweise damit erklärt werden, dass in Großstädten die Menge an gewerblichem Restmüll aufgrund der höheren Dichte an Büros und Geschäften größer ist. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Mülltrennung in Städten schlechter ist. Dadurch landen weniger Abfälle in der Biotonne, der Altpapiertonne oder dem Gelben Sack und stattdessen mehr im Restmüll.
Daher braucht es spezielle Maßnahmen, um die Abfälle in Großstädten besser getrennt zu sammeln. Neben einer umfassenden und modernen Abfallberatung seitens der Verwaltung und der Abfallbetriebe müssen die Abfallgebührensysteme finanzielle Anreize für die Bürger*innen schaffen, ihren Müll richtig zu trennen. Bei sogenannten verursachergerechten Gebührensystemen wird mittels eines Ident-Systems die individuelle Abfallmenge und die entsprechende Abfallgebühr eindeutig dem einzelnen Haushalt zugeordnet. Bezahlt man nur für die Menge an Abfall, die man selbst produziert, ist das ein Anreiz, Abfälle sowohl zu vermeiden als auch getrennt zu sammeln. In einem Pilotprojekt in Großwohnanlagen in Berlin wurde das Gebührensystem umgestellt. In Verbindung mit gezielter Abfallberatung und der Reinigung der Sammelplätze konnte die Restmüllmenge innerhalb von drei Jahren von über 230 auf 84 Kilogramm pro Kopf reduziert werden.

Wo Müll verbrannt wird, fällt mehr Restmüll an
Auf den ersten Blick paradox: Die NABU-Analyse zeigt einen Zusammenhang zwischen der Restmüllmenge und der Verfügbarkeit einer Müllverbrennungsanlage (MVA) vor Ort. Während in kreisfreien Großstädten mit MVA durchschnittlich pro Kopf 194 Kilogramm Restmüll anfallen, sind dies in Großstädten ohne MVA „nur“ 165 Kilogramm.
Die Analyse legt nahe, dass MVAs den kommunalen Handlungsspielraum reduzieren, Abfälle umfassend getrennt zu erfassen. Einmal getätigte Investitionen in die Modernisierung oder sogar den Neubau von Verbrennungsanlagen führen zu langfristigen finanziellen und infrastrukturellen Abhängigkeiten. Denn für den rentablen Betrieb müssen die Anlagen mindestens zu siebzig Prozent, besser sogar zu mehr als achtzig Prozent ausgelastet sein. Das geht nur, wenn der Nachschub an Restmüll nicht abreißt. Dadurch fehlen Anreize, Abfälle zu vermeiden und mehr zu recyceln.
Das fordert der NABU:
- Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie sowie Einführung verbindlicher Ökodesign-Anforderungen zur Förderung langlebiger, reparierbarer und wiederverwendbarer Produkte
- Gesetzliche Ziele und Maßnahmen zur Reduktion der Gesamtabfallmenge sowie einzelner Abfallfraktionen, z. B. Verpackungsabfälle, Lebensmittelabfälle oder Einwegartikel
- Pflicht-Biotonne als bundesweiter Standard für die flächendeckende Getrenntsammlung von Bioabfällen (mehr dazu hier)
- Bundesweite Einführung einer Wertstofftonne im Rahmen eines Wertstoffgesetzes (mehr dazu hier)
- Einführung allgemeiner Qualitätsstandards für die Abfallberatung durch Kommunen, Entsorger und duale Systeme
- Verursachergerechte Abfallgebühren kombiniert mit Tonnenkontrollen zur Sicherstellung hoher Sammelqualität
- Kommunale Zero-Waste-Konzepte zur schrittweisen Reduzierung der Verbrennungskapazitäten
- Verteuerung der Müllverbrennung durch CO₂-Bepreisung
Letzte Aktualisierung: 07/2026
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