Kranichzug-Archiv
Der Kranichzug 2025 zum Nachlesen

31. Dezember 2025
Weihnachten vorbei, Kranichzug vorbei? In den letzten Tagen des Jahres sind kaum noch Kraniche unterwegs, ab und zu mal eine kleine Flugkette, mehr aber nicht. Die Winterflucht der Kraniche hat sich also ziemlich genau auf die Weihnachtsfeiertage beschränkt.
Inzwischen liegen die summierten Zahlen der Beobachtungsgruppe um Manfred Kraft für die Hessenroute vor. Das Team deckt quer zur Flugroute eine Linie von Alsfeld bis Herborn ab und kann so das Aufkommen recht gut erfassen. An den drei Weihnachtstagen zogen über Hessen fast 10.000 Kraniche. Da das Meldungsaufkommen aus NRW über den Zeitraum hinweg ähnlich groß war, kann man wohl von insgesamt rund 20.000 Kranichen ausgehen, die Deutschland während der kalten Tage Richtung Frankreich verlassen haben. Aus Frankreich meldet die Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO) ebenfalls verstärkten Zug nach Südwesten. Soweit sie nicht länger am großen Stausee Lac du Der in der Champagne stoppen, fliegen die Kälteflüchtlinge also Richtung Bordeaux. Ein beliebtes Überwinterungsgebiet dort sind die durch Braunkohleabbau entstandenen Seen von Arjuzanx.
26. Dezember 2025
Am zweiten Weihnachtsfeiertag zogen weiterhin zahlreiche Kraniche nach Südwesten, wenn auch nicht mehr ganz so viele wie am Vortag. Der Schwerpunkt hatte sich auf die Hessenroute verlegt. Einzelne Zugbeobachtungen kamen auch von Orten, die nur selten von Kranichen überflogen werden, zum Beispiel in Bayern Hof und Nürnberg. In der Nordhälfte der Republik reichten die Beobachtungen von Lübeck in Schleswig-Holstein bis zum brandenburgischen Oderbruch kurz vor der polnischen Grenze nahe der Europabrücke Neurüdnitz-Siekierki
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25. Dezember 2025
Eigentlich ist der alljährliche Zug der Kraniche schon seit Wochen beendet. In größerer Zahl flogen sie zuletzt Anfang Dezember, seitdem sind bestenfalls noch kleine Trupps unterwegs. Auch in Frankreich und Spanien wurden kaum mehr Bewegungen gemeldet. Pünktlich zu Weihnachten nimmt der Zug aber wieder Fahrt auf. Bei strahlendem Sonnenschein und damit bestem Beobachtungswetter waren am ersten Weihnachtsfeiertag sowohl auf der Hessen- wie auf der NRW-Route mehrere Tausend Kraniche unterwegs.
Auslöser sind die aktuell deutlich kälteren Temperaturen. Diese machen den Kranichen zwar wenig aus, erst bei einer dicken Schneedecke hätten sie Probleme, an Nahrung zu gelangen. Die sogenannte Winterflucht der Großvögel ist eher eine Vorsichtsmaßnahme, denn oft folgt auf einen Temperatureinbruch ja auch Schnee. Hinzu kommt, dass auch ohne Schnee der nun gefrorene Boden die Nahrungssuche erschwert und die flachen Gewässer, in denen die Kraniche nachts gerne stehen, ebenfalls zuzufrieren beginnen. Viele Kraniche werden jetzt nicht bis nach Spanien durchfliegen und stattdessen in Tagesreiseentfernung milde Regionen in Frankreich aufsuchen. Gehen die Temperaturen wieder nach oben, kann es zu Rückflügen nach Deutschland kommen.
Los ging die Winterflucht bereits an Heiligabend, wobei der Schwerpunkt zunächst auf der NRW-Route lag. Aber auch über Hessen kam die Beobachtungsgruppe um Manfred Kraft auf immerhin 2.647 Kraniche, das ist der höchste Tageswert seit dem 1. Dezember. Am ersten Weihnachtstag nahm der Flugverkehr auf beiden Routen noch einmal deutlich zu. Wie viele Kraniche genau sich vor Weihnachten noch in Deutschland aufhielten, ist unbekannt. Die Vögel sind weit zerstreut und an vielen größeren Rastplätzen finden so spät im Jahr keine Synchronzählungen mehr statt. Zahlen liegen vom Ostseebodden vor, wo Mitte des Monats 2.840 Kraniche erfasst wurden, in der Diepholzer Moorniederung waren es sogar 15.419.
26. November 2025
Wo kommen nur all die Kraniche her? Obwohl die Hauptrastplätze im Nordosten schon seit Anfang November nahezu leer sind, ziehen immer noch Kraniche in großer Zahl. Innerhalb der letzten Woche wurden auf der Hessenroute noch einmal mehr als 65.000 Kraniche gezählt, die entweder von zahlreichen kleine Rastplätzen kamen oder aus dem östlichen Europa nachflogen. Die Gesamtzahl dieses Herbstes liegt auf der Hessenroute jetzt bei 285.000 Kranichen; einschließlich der NRW-Route – hier gibt es keine Zählsummen – dürften damit mindestens 400.000 ziehende Kraniche erreicht sein.
Gleichzeitig wurden auf dem westlichen Zugweg bisher mehr als 30.000 an der Vogelgrippe gestorbene Kraniche gezählt. Da in der freien Natur längst nicht alle Kadaver gefunden werden, sind wohl mindestens zehn Prozent der 400.000 über Deutschland, Frankreich und Spanien ziehenden Kraniche der Krankheit zum Opfer gefallen. Aufgrund der Ausbrüche in Geflügelhaltungen wurden in Deutschland zudem mehr als anderthalb Millionen Hühner, Puten, Enten und Gänse „gekeult“. Das ist gut ein Prozent der 130 Millionen gehaltenen Tiere.
07. November 2025
30.400 Kraniche hat die Beobachtungsgruppe um Manfred Kraft gestern auf der Hessenroute gezählt. Der Anzahl der Einzelmeldungen nach zu urteilen, flogen über NRW und Belgien eher sogar noch mehr Kraniche, so dass einschließlich des schwachen Zugs auf der Donauroute wohl über 70.000 Kraniche unterwegs waren.
06. November 2025
Nachdem bereits am Mittwoch der Zug wieder deutlich an Fahrt aufgenommen hatte, brachen am Donnerstag immer mehr Kraniche auf. Beide Hauptrouten wurden beflogen, auf der Route über Nordrhein-Westfalen war es wohl der stärkste Zug der letzten beiden Wochen. Gespeist wird der Zug dort vor allem von den Rastplätzen in der Diepholzer Moorniederung im südwestlichen Niedersachsen. Dort rasteten bei der letzten Zählung am Wochenende immerhin noch 26.000 Kraniche, während sich im von der Vogelgrippe besonders betroffenen Rhin- und Havelluch bei Berlin nur noch 2.800 Kraniche aufhielten.
Der Großteil der Kraniche hat also Deutschland inzwischen verlassen, der Zug in die Winterquartiere nähert sich dem Ende. Die Schlussetappe kann sich allerdings hinziehen, Zugtage mit tausenden Kranichen am Himmel sind selbst im Dezember noch möglich. Solange es nicht zu winterlich wird und das Nahrungsangebot stimmt, werden viele Kraniche zunächst weiter bei uns bleiben und sich die anstrengende Weiterreise sparen. Schlägt das Wetter um, sind mildere meeresnahe Regionen für die Vögel nur einen Flugtag entfernt.
04. November 2025
Nach einigen „Hessentagen“ mit je 7000 ziehenden Kranichen am Freitag und Sonntag, ist wieder weitgehend Ruhe eingekehrt. Nur auf der Donauroute kam es heute zu einem Einflug von mehr als tausend Kranichen. Von Ungarn führte ihr Weg südlich an Wien vorbei über St. Pölten und Ried im Innkreis nach Bayern. Dort wurden Kranichtrupps über Chiemsee, Starnberger See und Ammersee gemeldet, vor allem aber aus dem Raum München. Mit Einbruch der Dunkelheit erreichten die ersten Kraniche Augsburg. Weiter ging der Flug durch Baden-Württemberg, teils via Oberschwaben Richtung Bodensee und Schwarzwald, teils via Stuttgart und Karlsruhe auf der Route zum Lac du Der.
01. November 2025
Vor allem auf der Hessenroute nimmt der Zug wieder etwas Fahrt auf. Am Freitag zählte die Marburger Beobachtungsgruppe um Manfred Kraft 7.090 ziehende Kraniche, die als nächstes Etappenziel den Lac du Der in der Champagne ansteuerten. Dieser größte Stausee Frankreichs dient vor allem dem Hochwasserschutz. Auch hier ist die Vogelgrippe angekommen, bisher wurden 4.600 tote Kraniche aufgefunden – mehr als an jedem anderen Rastplatz des westlichen Zugwegs. In Deutschland und Frankreich sind damit mindestens 10.000 Kraniche gestorben.
29. Oktober 2025
Aktuell findet witterungsbedingt kein nennenswerter Kranichzug statt, auf den Zugrouten sind nur vereinzelte Trupps unterwegs. Eine kleine Ausnahme bildet die Nebenroute von Ungarn über Österreich nach Süddeutschland. Hier flogen am Mittwoch einige hundert Kraniche, streiften von Wien kommend unter anderem den Chiemsee, München, Ulm, Stuttgart und Karlsruhe. Ein Trupp wurde sogar bei Friedrichshafen am Bodensee gesichtet. Da aus Deutschland kaum Nachschub kommt, sind die Rastzahlen am Lac du Der in der Champagne innerhalb einer Woche von 42.000 auf 27.600 Kraniche gesunken.
Von den deutschen Hauptrastplätzen gibt es keine neuen Zählergebnisse, das Bergen von Vogelgrippe-Opfern hat derzeit Vorrang. Allein an den Linumer Teichen wurden nach Angaben des Landesumweltministeriums Brandenburg bereits 2.200 tote Kraniche eingesammelt. Bis Ende der Woche rechnet man mit 2.500, das Geschehen ist aber bereits deutlich abgeflaut. Für die Diepholzer Moorniederung (West-Niedersachsen) gehen Schätzungen von bis 1.400 Vogelgrippeopfern aus. An der Talsperre Kelbra südlich des Harzes wurden gut 500 tote Kraniche geborgen, dazu kommen zahlreiche Einzelfunde in allen Bundesländern außer Bremen, zuletzt auch in Sachsen.
22. Oktober 2025
Verglichen mit den Großflugtagen am Wochenende ist der Kranichzug auf den Hauptrouten über NRW und Hessen seit Wochenbeginn weitgehend zum Erliegen gekommen. Lediglich auf der Nebenroute entlang der Donau via Bayern und Baden-Württemberg fliegen relativ viele Kraniche. Ein aufziehendes Sturmtief mit Wind aus südlichen Richtungen wird das Zuggeschehen in den nächsten Tagen noch weiter abbremsen.
Überschattet wird der Kranichzug von einem heftigen Ausbruch der auch als Geflügelpest bekannten Vogelgrippe. An Hauptrastplätzen wie den Linumer Teichen und dem Stausee Kelbra wurden seit Ende letzter Woche jeweils mehrere hundert tote Kraniche festgestellt. Allein in Linum im Havelland könnten es bis zu tausend Todesopfer sein. Weitere Rastplätze mit Totfunden sind unter anderem der Galenbecker See, der Große Schwerin in der Müritz (beide Mecklenburg-Vorpommern), das Rückhaltebecken Straußfurt (Thüringen) und der Twistevorstau (Hessen). Das Friedrich-Loeffler-Institut hat nach Analysen das Virus vom Typ H5N1 bestätigt und inzwischen die offizielle Risikoeinstufung für Wildvögel und Geflügelhaltungen (PDF) von „niedrig“ auf „hoch“ geändert: „Aufgrund der gegenwärtig starken Zugaktivität von Kranichpopulationen und anderen Wildvögeln, muss mit einer weiteren, möglicherweise großflächigen Ausbreitung von HPAIV-Infektionen in der nächsten Zeit gerechnet werden.“
Wo immer möglich, werden die toten Kraniche geborgen und entfernt, damit sich andere Wildvögel sowie Aasfresser nicht infizieren. Der Stausee Kelbra wurde für Besucher*innen gesperrt, an den Linumer Teichen hat das NABU-Umweltbildungszentrum „Storchenschmiede“ vorsorglich alle geführten Kranichexkursionen abgesagt. Hauptverbreitungsquelle für das Vogelgrippevirus sind Fäkalien. Der NABU appelliert daher an alle Naturfreund*innen, aktuell vom Besuch der Kranichrast- und -schlafplätze abzusehen, um die unabsichtliche Verbreitung über Kotreste zu verhindern. Wer tote Kraniche oder andere Wildvögel findet, sollte die Behörden informieren. Eine unmittelbare Ansteckungsgefahr für Menschen besteht nicht, solange die Vögel nicht berührt werden.
Wie jahreszeitlich üblich, verschieben sich die Kranichrastschwerpunkte innerhalb Deutschlands aktuell nach Westen. Am Ostseebodden wurden zuletzt noch 12.000 Kraniche gezählt und im brandenburgischen Havelland sind von zwischenzeitlich 62.000 Kranichen rund 90 Prozent bereits nach Frankreich abgeflogen. In Niedersachsen nehmen die Rastzahlen dagegen zu. In der Diepholzer Moorniederung stieg der Rastbestand innerhalb einer Woche von 35.840 auf 60.349 Kraniche. Nun werden auch dort erste tote Kraniche gefunden. Eine Bestätigung, dass es sich um die Vogelgrippe handelt, steht noch aus.
19. Oktober 2025
Kranichzug weiß-blau: Zum ersten Mal in dieser Herbstsaison wurden am Sonntag in nennenswertem Umfang Kraniche entlang der sogenannten Donauroute gemeldet. Von Österreich kommend, zogen die Kraniche über Passau und Landshut Richtung Augsburg, weiter südlich flogen sie vom Chiemsee bis München und Fürstenfeldbruck. Am frühen Abend erreichte die Zugspitze das Neckartal bei Stuttgart.
Die Querroute ist erst vor wenigen Jahren entstanden und wird seitdem immer stärker beflogen. Die „Donaukraniche“ stammen von skandinavischen und baltischen Populationen, die eigentlich via Ungarn mit dem Hauptrastplatz Hortobagy-Puszta, dann weiter über den Balkan, die Adria und Süditalien nach Afrika ziehen. Der größte Teil der Donaukraniche hält direkten Westkurs, um sich in der Champagne am Lac du Der mit den Vögeln des westeuropäischen Zugweges zu treffen.
Wie am Samstag wurden am Sonntag sämtliche über Deutschland führenden Zugrouten beflogen. Es waren aber deutlich weniger Kraniche unterwegs. Der Samstag war auf Portalen wie Ornitho.de und NABU-naturgucker.de der mit Abstand meldestärkste Tag des Herbstzuges. Alleine auf der Hessenroute wurden in der Summe rund 50.000 Kraniche gezählt, auch über NRW dürften es Zehntausende gewesen sein. Kein Wunder, dass sich am Etappenziel Lac du Der Sonntag früh mehr als 42.000 Kraniche aufhielten. Zahlreiche weitere Kraniche sind bereits auf dem Weg weiter ins Landesinnere sowie nach Spanien.
18. Oktober 2025
Kranichzug nach Ansage: Das vorhergesagte schöne Herbstwetter sorgte am Samstag für Flugverkehr auf allen Korridoren, wobei die NRW-Route so stark wie noch nie in diesem Herbst beflogen wurde. Die Kraniche starteten von zahlreichen Rastplätzen, wie gehäufte Beobachtungen auch im Raum Leipzig, über Berlin, Hamburg, Bremen und Braunschweig zeigten. Überhaupt bot der Kranichzug ungewohnte Naturerlebnisse mitten in den Großstädten, neben den erwähnten wurden auch Potsdam, Osnabrück, Münster, Dortmund, Essen, Düsseldorf, Köln, Kassel, Frankfurt/Main, Wiesbaden und Mainz überquert.
17. Oktober 2025
In der zweiten Wochenhälfte dümpelte der Kranichzug etwas dahin, wobei am Freitag estmals auch wieder die NRW-Route beflogen wurde. Die Beobachtungswetter-Aussichten sind vor allem am Samstag gut, am Sonntag wird es im Westen deutlich wolkiger. Da am Sonntag auch der Wind auf südliche Richtungen dreht und damit den Kranichen entgegen, ist wohl am ehesten am Samstag mit Kranichzug zu rechnen. Ein Besuch der großen Kranichrastplätze wie Boddenlandschaft und Havelluch lohnt auf jeden Fall, denn der Nordosten kann sich auf ein durchweg sonniges Wochenende freuen.
15. Oktober 2025
Der am Montag begonnene starke Kranichzug Richtung Frankreich hält weiter an, beflogen wird nahezu ausschließlich der Zugkorridor über Hessen. Am Dienstag wurden dort weitere 13.700 Kraniche gezählt, das macht in der Summe seit Ende September fast 40.000; am Mittwoch schien der Zug leicht nachzulassen. Der größte Teil der Kraniche brach vom Großrastplatz im Rhin- und Havelluch auf. Dort sanken die Rastzahlen inzwischen um rund 28.000 auf jetzt 33.590 Kraniche, wobei aus dem Osten immer wieder neue Kraniche nachkommen. In der Diepholzer Moorniederung wachsen die Rastbestände noch, hier kamen innerhalb einer Woche 10.000 hinzu, so dass 35.840 Kraniche gezählt wurden.
14. Oktober 2025
Es waren doch deutlich mehr als zunächst gedacht. Inzwischen liegen die Daten zum gestrigen Zug über Hessen vor: 23.400 Kraniche zählte das Team rund um den Marburger Otnithologen Manfred Kraft. Das Beobachtungsteam deckt quer zur Flugroute eine Linie von Alsfeld bis Herborn ab und kann so das Gesamtaufkommen gut erfassen.
Die Meldungen in den einschlägigen Beobachtungsportalen zeigen, dass die Kraniche mit Start Havelluch oder Stausee Kelbra der Länge nach über Hessen flogen, dann weiter über Rheinland-Pfalz und das Saarland Richtung Champagne. Am Abend kam in der Dunkelheit Nachschub über Nord- und Mittelhessen sowie westlich bis zum Kamm des Rothaargebirges in NRW. Am frühen Dienstag wurden aus dem Raum Kassel erste weitere Kranichtrupps gemeldet. Der Zug geht also weiter.
Auffällig waren am Montag auch die gehäuften Meldungen von Kranichen über Hamburg und weiter via Lüneburger Heide auf einer Linie Buchholz-Fallingbostel – wohl von der Ostseeküste gestartet und zunächst mit Zwischenziel Diepholzer Moorniederung. Die aktuell verbreitet nördliche Windrichtung soll die kommenden Tage anhalten, für die Kraniche bedeutet das Rückenwind.
13. Oktober 2025
Sind das erste kleine Zeichen vor dem großen Aufbruch? Gestern und heute flogen jeweils einige hundert Kraniche auf der Hessenroute Richtung Frankreich. Noch sind am Rastplatz Lac du Der in der Champagne weniger als 2000 Kraniche angekommen, aber bald werden Zehntausende folgen.
In der Zwischenzeit kommen im Nordosten Deutschlands immer mehr Kraniche an. Am „Kranorama“ im mecklenburgischen Günz weisen Ringablesungen auf Neuankömmlinge vor allem aus Norwegen und Polen. Dabei liegt der Anteil der Jungvögel – erkennbar an der noch fehlenden schwarz-weiß-roten Kopfzeichnung der Elterntiere – aktuell bei sieben Prozent. Um die Bestandszahlen zu halten, wäre das als Nachwuchsquote auf Dauer deutlich zu wenig.
Wer die spektakuläre Kranichrast erleben möchte, hat am Mittwoch (15.) dazu besondere Gelegenheit. Von 11 bis 16 Uhr feiert der NABU „Zehn Jahre Kranorama“. Um 11.30 und 14.30 Uhr gibt es im benachbarten NABU-Naturerlebniszentrum „Kranichwelten“ jeweils einen Jubiläums-Rückbick und ab 12 Uhr wird am Kranorama zur Feier des Tages gegrillt. Ab 14 Uhr gibt es zudem einen Basteltisch.
Das Kranorama hat während der Rastsaison täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die erst vor Kurzem neu eröffneten Kranichwelten mit Ausstellung und Bistro können von 10 bis 17.30 Uhr besucht werden. Adresse: Straße des Friedens 21c, 18445 Altenpleen OT Günz.
Am Kranorama wurden in den letzten Tagen mehr als fünf Tonnen Mais und Futterweizen ausgebracht. Das lenkt die Vögel von frisch bestellten Äckern ab und sorgt am Kranorama für beste Beobachtungsmöglichkeiten. Neben rund tausend Kranichen sind auch über 3.000 Gänse und Enten sowie tausende Stare als „Mitesser“ vor Ort.
Am Wochenende konnten Mitglieder von Kranichschutz Deutschland und Mitarbeitende des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft rund um den Darß-Zingster Bodden und Rügen über 44.000 Kraniche während ihres Einfluges zum beziehungsweise Abfluges vom Schlafplatz erfassen. Damit haben sich die Rastbestände dort innerhalb einer Woche nahezu verdoppelt. Die Gesamtrastzahlen dürften in Deutschland damit nahe 150.000 Kranichen liegen. Auf der sogenannten mittleren Zugschiene via Ungarn nach Afrika meldet der Hortobágy-Nationalpark in der ungarischen Puszta derzeit weitere 140.000 rastende Kraniche.
10. Oktober 2025
Wie viele Kraniche rasten inzwischen in Deutschland? Eine einigermaßen verlässliche Zahl gibt es leider nicht, denn ausgerechnet am bisher bestbesuchten Rastplatz im Rhin- und Havelluch blieb die am Dienstag (7.) angesetzte Synchronzählung wegen Frühnebels ohne Ergebnisse. Es stehen also weiter die 62.130 Kraniche von der Vorwoche zu Buche. An der Boddenküste bei Rügen und Zingst sind die Rastzahlen leicht angestiegen, von knapp 21.400 auf 22.800. Allzu viel Nachschub ist zumindest aus Schweden nicht mehr zu erwarten, dort rasten am Hornborgasee aktuell nur noch 5620 Kraniche. Einen deutlichen Sprung haben die Zahlen in Niedersachsen gemacht. Wurden in der Diepholzer Moorniederung Mitte September nur knapp 2500 Kraniche gezählt, halten sich dort inzwischen mehr als 25.000 Kraniche auf. Bundesweit sind es damit, so viel kann man immerhin sagen, einschließlich der kleinen und mittelgroßen Rastplätze deutlich über 100.000 rastende Kraniche.
Ein Weiterzug Richtung Frankreich und Spanien findet weiter nur sporadisch statt. Zwar fliegen immer wieder mal kleine Trupps sowohl auf der NRW- wie auf der Hessenroute, aber am Großrastplatz Lac du Der in der Champagne sind bisher nur wenig mehr als 1000 Kraniche angekommen. Der Tagesrekord von Anfang November 2019 liegt dort bei über 260.000!
30. September 2025
Der Wind stand in der vergangenen Woche gut: Aus Osten und Nord-Osten kommend, verschaffte er den Kranichen aus Südschweden Rückenwind für einen „Sprung“. Sie konnten die Ostsee kräftesparend überqueren. Davon zeugen viele ornitho-Meldungen im südlichen Schleswig-Holstein und östlichen Niedersachsen sowie deutlich weniger Tiere am schwedischen Hornborga-See als in der Vorwoche. Hier wurden am 25. September nur noch 5.150 Tiere gezählt.
Auch am Boden herrscht mehr Betrieb. Vor einer Woche ergab die erste Synchronzählung im Rhin- und Havelluch (ein Großrastplatz bei Berlin) 21.236 rastende Kraniche. Jetzt wurde erneut gezählt: Innerhalb nur einer Woche haben sich die Rastzahlen auf 62.130 fast verdreidacht. Ein Besuch zum Birdwatch-Wochenende am 4. und 5. Oktober lohnt sich also. Schließen Sie sich doch einem der gemeinsamen Vogelbeobachtungs-Veranstaltungen an:
Jedes Jahr Anfang Oktober heißt es Fernglas raus, um beim Birdwatch gemeinsam mit NABU-Expert*innen Zugvögel zu beobachten. Bundesweit gibt es viele Veranstaltungen – in unserem Terminkalender finden Sie sicher auch etwas in Ihrer Nähe! Mehr →
Je nach Witterungsverlauf werden die Kraniche wohl erst gegen Mitte Oktober in nennenswerter Zahl weiterziehen. Einige wenige Vögel haben aber bereits Ende September den günstigen Wind genutzt und sind Richtung Frankreich geflogen. Erste Züge mit wenigen Hundert Tieren wurden auf der Hessenroute beobachtet. Einige wenige flogen auch über Nordrhein-Westfalen, doch noch halten sich auf dieser Route die Sichtungen in Grenzen. Dieser erste „Schwall“ macht sich bereits am Lac du Der in Frankreich bemerkbar: Im Vergleich zu knapp 90 Kranichen in der Vorwoche sind hier mittlerweile über 427 angekommen. Insgesamt dürften bisher weniger als 500 Kraniche unterwegs gewesen sein, und damit gerade mal ein gutes Promille der Flugwegpopulation. Es bleibt also spannend.
24. September 2025
Noch herrscht relative Ruhe, doch die Zeichen für den Aufbruch der Kraniche mehren sich. Am Hornborga-See in Südschweden wurden vor einigen Tagen schon 18.800 Tiere gesichtet und an der Darß-Zingster Boddenkette und Rügen 9.170. Die Zahlen steigen also sichtlich. Doch wie lange wird es noch dauern, bis der Kranichzug richtig in die Gänge kommt?
15. September 2025
Mitte September ist es für viele Zugvögel an der Zeit, sich auf die Reise ins Winterquartier vorzubereiten. Auch die Kraniche sind zumindest in Aufbruchstimmung. Erste Ansammlungen konnten bereits beobachtet werden.
Schon seit der zweiten Augusthälfte steigen die Zahlen an der Boddenküste zwischen Rügen und der Darß-Zingster Boddenkette, hier wurden Ende August über 6.700 Tiere gezählt. Am schwedischen Hornborga-See sammeln sich aktuell die nordischen Vögel: Dort rasteten vor einigen Tagen bereits mehr als 13.500 Kraniche, die demnächst die Ostsee überqueren und an der deutschen Küste erwartet werden.
An der Warthemündung in Polen nahe der deutsch-polnischen Grenze wurden ebenfalls bereits fast 8.000 Kraniche registriert – sie kommen aus dem Baltikum, Polen und Finnland und folgen später der Hessenroute über Nordhessen und Rheinland-Pfalz Richtung Frankreich.
Noch sind es vor allem lokale Brutvögel, die in Familienverbänden und kleinen Trupps auf Feldern und Wiesen nach Nahrung suchen. Doch an bekannten Rastplätzen wie der Diepholzer Moorniederung oder südlich des Harzes deuten sich bereits die ersten größeren Sammelbewegungen an. Die große Zeit des Kranichzugs steht unmittelbar bevor.


