Das Wissen über Säugetiere ist so vielfältig wie die zahlreichen Arten selbst. Jede Art besitzt besondere Merkmale, Verhaltensstrategien und ökologische Rollen, die das Verständnis von Säugetieren spannend und komplex gestaltet.
Ihre Wurzeln reichen weit in die Erdgeschichte zurück. Die ersten Vorläufer der Säugetiere entwickelten sich bereits vor über 250 Millionen Jahren aus den noch recht reptilartigen Therapsiden. Diese frühen Säugerähnlichen zeichneten sich durch eine veränderte Kiefer- und Schädelform sowie Aufrichtung der Gliedmaßen aus, die später typisch für die heutigen Säugetiere wurden. Die ersten Säugetiere der Erde waren nach heutigem Kenntnisstand eher klein und unseren Spitzmäusen ähnlich.
Merkmale von Säugetieren auf einen Blick
- Nachwuchs wird gesäugt
- Sie besitzen ein Haarkleid beziehungsweise Fell
- gleichwarm (konstante Körpertemperatur)
- feines Hörvermögen
- leben meist in Gruppen
Was Säugetiere auszeichnet
Biologisch lassen sich Säugetiere heute durch mehrere eindeutige Merkmale charakterisieren. Das markanteste Kennzeichen ist das Milchdrüsensystem: Weibliche Säugetiere säugen ihren Nachwuchs. Für die Jungtiere ist die Muttermilch ein entscheidender Überlebensvorteil, da sie zuverlässig direkt auf sie abgestimmte Nährstoffe in Form einer leicht verdaulichen Nahrung erhalten.
Ein weiteres typisches Merkmal ist das Haarkleid, das eine wichtige Rolle bei der Temperaturregulation spielt. Säugetiere sind gleichwarm, das heißt, sie halten ihre Körpertemperatur unabhängig von der Umgebung konstant. Dies erfordert einen hohen Energiebedarf, ermöglicht ihnen jedoch, auch in extremeren Umgebungen wie kalten Gebirgsregionen aktiv zu sein.
Die drei Gehörknöchelchen im Mittelohr sorgen für ein besonders feines Hörvermögen, während das hochentwickelte Gehirn Grundlage für komplexe Verhaltensweisen ist.
Im Verhalten zeigen Säugetiere eine beeindruckende Vielfalt. Viele Arten sind hochsozial und leben in festen Gruppenstrukturen, wie etwa Wölfe, Wildkaninchen oder Wildschweine. Die sozialen Verbände bieten ihnen unter anderem Schutz oder Möglichkeiten für eine effizientere Nahrungssuche.

Kommunikation ist wichtig
Die Kommunikation untereinander spielt dabei eine zentrale Rolle – akustisch, visuell oder über Geruchssignale. Ritualisierte Verhaltensweisen, wie etwa das gemeinsame Heulen bei Wölfen können den Zusammenhalt der Gruppe stärken. Mit Duftmarken grenzen manche Arten, wie Füchse oder Marder ihre Reviere ab. Wusstest du, dass Füchse ihren Kot als Reviermarkierungen gerne erhöht oder absichtlich mitten auf Wegen platzieren? So kommt zur Geruchsmarkierung zusätzlich auch noch eine visuelle Komponente.
Auch ein fürsorgliches Pflegeverhalten der Jungtiere ist bei den Säugetieren typisch. Die Eltern kümmern sich intensiv um ihren Nachwuchs, teils über lange Zeit hinweg. Säugetiere investieren im Vergleich zu vielen anderen Tiergruppen erstaunlich viel Zeit und Energie in die Aufzucht ihres Nachwuchses.
Fortpflanzung bei Säugetieren
Das Fortpflanzungsverhalten von Säugetieren ist recht vielfältig und wird im Speziellen von der Lebensweise der jeweiligen Art geprägt. Auch bei der Paarfindung spielen Duftstoffe, visuelle Darbietungen oder akustische Signale wieder eine wichtige Rolle.
All das wird beispielsweise bei der eindrucksvollen Brunft des Rotwildes vereint. Einige Wochen im Herbst kann das laute Röhren der Hirsche teilweise kilometerweit gehört werden. Treffen die Männchen aufeinander kommt es zu Revierkämpfen, bei denen die imposanten Geweihe eingesetzt werden und den Weibchen mit besonders viel Kraft imponiert werden soll. Der Platzhirsch markiert sein Territorium dann zusätzlich auch noch mit geruchlichen Reizen bestehend aus Urin und Drüsensekreten.

Winterruhe und Winterschlaf
Zahlreiche Säugetiere haben spezialisierte Anpassungen an Jahreszeiten entwickelt. Besonders bekannt ist der Winterschlaf, der etwa bei Igeln oder Murmeltieren vorkommt. Während des Winterschlafs fahren Tiere ihren Stoffwechsel drastisch herunter, um energiearme Zeiten zu überstehen. Verwandt dazu ist die Winterruhe, wie sie Eichhörnchen und Dachse halten, bei der die Körperfunktionen weniger stark abgesenkt werden und die Tiere auch noch ab und zu aktiv sind, zum Beispiel für die Nahrungsaufnahme.
Bei Eichhörnchen kommt es schonmal vor, dass sie den Ort eines für den Winter angelegten Vorrates vergessen, obwohl sie sich diese ansonsten eigentlich sehr gut merken können. Befinden sich im Vorrat Baumfrüchte, wie Bucheckern oder Eicheln, kann aus einem Eichhörnchen ungeplant ein Gärtner werden, wenn dann aus den versteckten Früchten Bäume wachsen.

Tag oder nachts aktiv?
Eichhörnchen sind weitestgehend tagaktiv, da sie das Tageslicht benötigen, um Nahrung zu finden und Fressfeinde gleichzeitig rechtzeitig zu entdecken. Wie das Eichhörnchen besitzen viele Säugetiere feste Aktivitätsrhythmen, die eng mit ihrem Lebensraum und ihren Bedürfnissen verknüpft sind.
So haben sich nachtaktive Arten an das Leben in der Dunkelheit angepasst und beispielsweise ein besonders gutes Gehör oder eine besonders gute Nase entwickelt. Viele Kulturfolger, wie Füchse, Rehe oder Wildschweine haben ihre Hauptaktivitätszeit immer mehr in die Dämmerung und Nacht verschoben, da sie auf diese Weise den Aktivitätszeiten des Menschen besser aus dem Weg gehen können.
Wissenschaftliche Untersuchungen konnten in diesem Zusammenhang ganz konkret zeigen, dass Tiere in Gebieten in denen beispielsweise weniger radfahrende, spazierende oder sporttreibende Menschen unterwegs sind, auch am Tag mehr unterwegs sind, während andere Individuen derselben Arten in Menschennähe eher mit dem Dunkelwerden herauskommen.

Fledermäuse und die Echoortung
Bezüglich der Orientierung in der Nacht haben die nachtaktiven Fledermäuse mit der Echoortung ein ganz besonders System entwickelt. Sie orientieren sich, indem sie hochfrequente Ultraschalllaute aussenden, die für Menschen meist unhörbar sind. Treffen diese Schallwellen auf ein Objekt, werden sie als Echo zurückgeworfen und von den empfindlichen Ohren der Fledermaus wahrgenommen.
Aus der Zeitspanne und Richtung des zurückkehrenden Echos kann sie Form, Größe und Entfernung von Hindernissen oder Beutetieren präzise bestimmen. So bewegen sich Fledermäuse selbst in völliger Dunkelheit sicher und effizient durch ihren Lebensraum.



