Davaa Dondiv erhält Auszeichnung
NABU-Schneeleopardenpreis 2026

Der Schneeleopardenpreis 2026 geht an den Naturschützer Davaa Dondiv aus der Mongolei. Seit über zehn Jahren setzt er sich unermüdlich für die gefährdeten Großkatzen ein. Er wirkte entscheidend an der Einrichtung des Naturreservats Tost-Tosonbumba im Jahr 2016 mit, welches heute zu einem der weltweit wichtigsten Schutzgebiete für Schneeleoparden zählt. Damals drohte der Bergbau, den Lebensraum der Schneeleoparden zu zerschneiden und die Weidegebiete nomadisch lebender Hirten zu beeinträchtigen.
Sein Einsatz ist alles andere als selbstverständlich. Denn vielerorts entscheidet der Konflikt zwischen Hirten und Schneeleoparden über das Schicksal der seltenen Tiere. Früher verloren Hirten der Region Vieh, wenn die Raubkatzen nachts in Ställe eindrangen – ein Verlust, der ihre Lebensgrundlage stark bedrohte. Nach den Rissen sahen viele nur einen Ausweg: Sie töteten Schneeleoparden. Doch Davaa Dondiv, der selbst betroffen war, suchte nach einer anderen Lösung: Er machte seinen Viehpferch raubtiersicher und half zahlreichen Hirtenfamilien dabei, ihre Ställe umzubauen. Mit großem Erfolg: Die Zahl der Nutztierrisse ging deutlich zurück. Zugleich klärte er ehrenamtlich über Schneeleoparden auf und etablierte ein Viehversicherungsprogramm, das Hirten bei Verlusten entschädigt. Dies förderte bei den Menschen vor Ort die Akzeptanz der Schneeleoparden.
Der NABU würdigt Davaa Dondiv zudem für sein herausragendes Engagement als Ranger. Gemeinsam mit sechs weiteren, von der lokalen Gemeinschaft eingesetzten Rangern durchquert er regelmäßig ein rund 250.000 Hektar großes Gebiet. Auf seinen Patrouillen durch das unwegsame Tost-Tosonbuma-Gebirge kontrolliert er Kamerafallen, dokumentiert Wildtierbestände und spürt illegale Aktivitäten auf. Seine Einsätze liefern wichtige Daten für das langfristige Monitoring der Schneeleoparden und ihrer Beutetiere und hilft dabei, das Schutzgebiet wirksam zu sichern.

Der Schutz der Natur und der Schneeleoparden lag mir schon immer sehr am Herzen. Ich möchte, dass meine Kinder und die nächste Generation mit den Wildtieren und den wunderschönen Landschaften aufwachsen, die wir heute noch haben.
Davaa Dondiv
Über den NABU-Schneeleopardenpreis
Der NABU-Schneeleopardenpreis wird am Tag des Schneeleoparden, dem 23. Oktober, an Menschen und Organisationen verliehen, die sich in außerordentlichem Maße für die bedrohte Großkatze einsetzen. Der Preis umfasst eine Trophäe sowie ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro, das traditionell in ein gemeinsames Schneeleopardenschutzprojekt investiert wird. Der Preis wurde erstmals 2018 verliehen.
Wer kann den Preis gewinnen?
Der NABU freut sich jedes Jahr über Bewerbungen oder Nominierungen von Einzelpersonen oder Organisationen aus den Bereichen Natur- und Artenschutz, Politik, Wissenschaft und Kultur, die sich um den Schutz des Schneeleoparden, seiner Beutetiere oder seines Lebensraums verdient gemacht haben. Zu diesen Beiträgen können Maßnahmen wie die folgenden gehören:
- Initiativen zur Bekämpfung der Wilderei
- Einrichtung oder Verwaltung von Schutzgebieten
- Sensibilisierungs- und Bildungsmaßnahmen
- Bau von raubtiersicheren Gehegen
- Andere innovative Erhaltungsstrategien
Jetzt Patenschaft übernehmen!
Es sind Menschen wie Davaa Dondiv, die abgelegene Bergregionen durchqueren, Brücken zwischen Hirten und Schneeleoparden bauen und lokale Gemeinschaften als Teil der Lösung verstehen. Unterstützen sie genau solche Menschen mit einer Schneeleoparden-Patenschaft.
Die weiteren Preisträger*innen im Überblick
Seit 2018 haben folgende Personen und Organisationen den Schneeleopardenpreis erhalten:
Nepal: Tshiring Lhamu Lama
Die Schneeleopardenpreisträgerin 2025 ist die außergewöhnliche Naturschützerin Tshiring Lhamu Lama aus Nepal. Dank ihr überleben wieder mehr Schneeleoparden in Nepals Bergregion Dolpo.
Dolpo ist eine abgeschiedene und hoch gelegene Bergregion im Nordwesten Nepals. Sie liegt mitten im Himalaya. Hier ist Tshiring Lhamu Lama geboren und aufgewachsen. Als erste Frau der Gemeinde hat sie einen Masterabschluss im Naturressourcenmanagement gemacht. Heute ist Tshiring Lhamu Lama als Naturschützerin dem Schneeleoparden auf der Spur – zu seinem eigenen Schutz. Denn es gibt ein Problem. Immer wieder werden in Dolpo Schneeleoparden getötet, weil sie in Viehställe von Hirten eindringen und damit deren Existenz bedrohen. In den vergangenen acht Jahren hat Tshiring Lhamu Lama allein elf dieser Tötungen dokumentiert. In der Realität waren es vermutlich noch viel mehr, sagen viele in den Dörfern. Dabei gibt es nur noch rund 90 Schneeleoparden in Dolpo.
Lama gründete Snow Leopard Journey, eine gemeindebasierte Trekking-Initiative, und Snow Leopard Sisters, eine gemeinnützige Organisation. Im Rahmen dieser Organisationen konnte sie bereits 15 junge Naturschützer*innen ausbilden, 100 Hirten erreichen und die Verluste an Vieh in zwei Dörfern um 90 Prozent reduzieren. Für Tshiring Lhamu Lama ist klar: Erst wenn die Verluste an Viehbeständen zurückgehen, haben auch die seltenen Großkatzen in Dolpo eine Zukunft.
Tadschikistan: Davlatkhon Mulloyorov
Davlatkhon Mulloyorov stammt aus dem Dorf Zighar an der tadschikisch-afghanischen Grenze und hat sich seit den späten 1990er Jahren dem Schutz der bedrohten Schneeleoparden verschrieben. Er arbeitet im Naturschutzgebiet „M-Sayod”, das in seiner Region heute einen sicheren Lebensraum für Schneeleoparden und ihre Beutetiere darstellt. Da der Verlust von Lebensräumen zu den größten Bedrohungen von Schneeleoparden zählt, sind solche sicheren Refugien von unschätzbarem Wert. Mulloyorovs Engagement hat die Region zu einem Vorbild für erfolgreichen Artenschutz gemacht und der Schneeleopardenpopulation zu einem bedeutenden Aufschwung verholfen.
Indien: High Asia Habitat Fund
In Indien leben nur noch rund 300 Schneeleoparden. Dank des High Asia Habitat Fund sind die Mensch-Wildtier-Konflikte, eine der größten Gefahren für die Großkatze, im indischen Ladakh zurückgegangen. Die erst 2020 gegründete Naturschutzorganisation High Asia Habitat Fund (HAHF) hat in kürzester Zeit bereits herausragende Arbeit zum Schutz des gefährdeten Schneeleoparden geleistet. Daher ging der NABU-Schneeleopardenpreis 2022 an das Team der Naturschutzorganisation.
Nordpakistan: Naturschutzorganisation BWCDO
Seit über zwei Jahrzehnten setzt sich der Wildschutzverein Baltistan Wildlife Conservation and Development Organization dafür ein, dass Menschen, Schneeleoparden und ihre Beutetiere im Hochgebirge von Gilgit-Baltistan friedlich nebeneinander leben können. Dank der Baltistan Wildlife Conservation and Development Organization sind die Mensch-Wildtier-Konflikte in Baltistan zurückgegangen: Über 90 Schneeleoparden leben in der Region. Der NABU-Schneeleopardenpreis 2021 ging an die Mitglieder des Vereins. Hochverdient!
Kirgisistan: Erines Otorbaev
In den 1980ern lebten in Kirgisistan noch etwa 1.400 Schneeleoparden, heute nur noch rund 300. Dass es nicht noch weniger Tiere sind, ist dem diplomatischen Geschick von Erines Otorbaev zu verdanken: Der Schneeleopardenpreisträger von 2020 ist ein Wegbereiter des internationalen Artenschutzes. Erines Otorbaev setzt sich seit 1984 über Ländergrenzen hinweg für den Schneeleopardenschutz ein. Der Schlüssel im Kampf gegen Wilderei und andere Bedrohungen ist die multinationale Zusammenarbeit aller zwölf Verbreitungsstaaten.
Tadschikistan: Burgut
Der gemeindebasierte tadschikische Wildschutzverein Burgut wurde 2019 mit dem Schneeleopardenpreis ausgezeichnet. In seiner Laudatio lobte Thomas Tennhardt, NABU-Direktor Internationales, das herausragende Engagement des Wildschutzvereins und der lokalen Gemeinden zum Schutz der Natur. Burgut zeigt, wie Gemeinden Naturschutz und nachhaltige Entwicklung in ihrer Region erfolgreich in Einklang bringen können. Der Verein pachtet Flächen, erklärt diese zum Wildschutzgebiet und unterbindet Weidehaltung und Wilderei durch Patrouillen und Aufklärungsarbeit.
Kirgisistan: Rosa Otunbajewa
Der erste Schneeleopardenpreis ging an die ehemalige kirgisische Präsidentin Rosa Otunbajewa. Dank Otunbajewa und der Vereinbarung sind seitdem große Schritte in Richtung international einheitlicher Schneeleopardenschutz gelungen. Ein Sekretariat wurde eingerichtet, um die Zusammenarbeit zu koordinieren, zahlreiche Lebensräume sind identifiziert und unter Schutz gestellt worden, zwei davon unter der Koordination des NABU. Besonders hervorzuheben ist Otunbajewas Engagement bei der Umsetzung des ersten internationalen Schneeleopardenforums 2013.