Säugetiere gehören zu den anpassungsfähigsten Tiergruppen in unserer Landschaft, viele von ihnen leben heute in unmittelbarer Nähe des Menschen. Doch ihre Lebensräume verändern sich rasant. Straßen, intensive Landwirtschaft und dichte Besiedlung zerschneiden ehemals zusammenhängende Gebiete und lassen wertvolle Strukturen verschwinden. Hinzu kommen neue Gefahren, die oft unauffällig wirken: etwa Lichtverschmutzung oder die zunehmende Versiegelung von Böden im Siedlungsraum.
Diese Entwicklungen führen dazu, dass Rückzugsräume, Wanderwege und Nahrungsquellen schwinden. Während manche Arten flexibel reagieren, geraten besonders spezialisierte oder wandernde Säugetiere unter Druck. Umso wichtiger ist es, bestehende Lebensräume zu vernetzen, strukturreiche Landschaften zu fördern und auch in Städten naturnahe Bereiche zu erhalten.

Säugetiere oft Opfer des Straßenverkehrs
Die Zerschneidung von Lebensräumen durch Straßen, Bahntrassen und Siedlungen zählt zu den größten Gefährdungen für viele Säugetiere. Wandernde Arten wie Rothirsche, Rehe oder Wildkatzen stoßen auf ein dichtes Netz aus Verkehrswegen, das ihre Wanderrouten unterbricht.
Igel, Dachse und Füchse werden auf der Suche nach Nahrung oder neuen Revieren häufig Opfer des Straßenverkehrs. Kleinere Waldreste und isolierte Grünflächen bieten oft nicht genügend Ressourcen und erschweren den genetischen Austausch zwischen Populationen. Dadurch werden langfristig die Überlebenschancen der Wildtiere verringert. Durch ökologische Durchlässigkeit – beispielsweise Wildtierkorridore, Grünbrücken oder Unterführungen – lassen sich solche Barrieren mindern und Lebensräume wieder vernetzen.
Verlust von Lebensräumen
Der Verlust strukturreicher Lebensräume trifft besonders Arten des Offenlandes und der Kulturlandschaft. Feldhasen, Wiesel oder verschiedene Mausarten sind auf abwechslungsreiche Flächen mit Hecken, Säumen, Brachen und blütenreichen Wiesen angewiesen. Großflächige, intensiv bewirtschaftete Äcker und häufiges Mähen lassen wenig Deckung und Nahrung übrig.
Der Einsatz von Pestiziden reduziert zudem das Insektenangebot, von dem viele Kleinsäuger indirekt abhängen – etwa über die Nahrungskette oder durch den Rückgang von Kräutern und Wildpflanzen.
Auch in Wäldern führen Monokulturen und eine intensivierte Nutzung dazu, dass alte Bäume, Totholz und natürliche Strukturen seltener werden, die für Fledermäuse oder Bilche wichtige Quartiere bieten. Eine extensivere Bewirtschaftung mit Rücksicht auf ökologische Strukturen hilft, Lebensräume wieder vielfältiger zu gestalten.

Lichtverschmutzung und Mähroboter
Im Siedlungsraum treten andere Gefahren in den Vordergrund. Lichtverschmutzung verändert die Nachtlandschaft: Fledermäuse meiden künstlich beleuchtete Bereiche oder ändern ihr Jagdverhalten, und auch andere nachtaktive Säugetiere werden in ihrem Rhythmus gestört.
Igel, Gartenschläfer oder Siebenschläfer geraten in offene Lichtschächte, werden von Mährobotern verletzt oder finden in stark versiegelten, „aufgeräumten“ Gärten kaum noch Unterschlupf. Viele dieser Risiken lassen sich durch einfache Maßnahmen verringern.
Was kann ich tun?
Wer seinen Garten naturnah gestaltet und dabei Versteckmöglichkeiten schafft, hilft Tieren, sichere Rückzugsorte zu finden. Offene Schächte können abgedeckt werden, um Unfälle zu verhindern. Auch der Verzicht auf nächtliche Dauerbeleuchtung und der sorgfältige Umgang mit technischen Geräten, wie beispielsweise Mähroboter, schützt nachtaktive Arten. So entsteht selbst im unmittelbaren Wohnumfeld Raum ein vielfältiger Lebensraum für Säugetiere.
Und: Wer aufmerksam beobachtet, wo Säugetiere leben, und seine Beobachtungen bei Citizen-Science-Projekten meldet, hilft dabei, wichtige Daten für ihren Schutz zu gewinnen. So wächst ein lebendiges Netzwerk engagierter Menschen – für mehr Lebensraum, mehr Verbundenheit und weniger Gefahren im Alltag unserer Wildtiere.







