20 spannende und kuriose Insektenfakten
Blaues Blut und Stinkefüße
Wie viele verschiedene Insektenarten es auf dem Erdball gibt, lässt sich nur schätzen, denn die Mehrzahl ist noch gar nicht wissenschaftlich beschrieben. Es sind wohl 3 bis 7,5 Millionen Arten weltweit – da wirkt die Zahl von 34.000 beschriebenen Arten in Deutschland geradezu übersichtlich. Untersuchungen von Erbgut-Bruchstücken (sogenanntes DNA-Barcoding) am Beispiel von Zweiflüglern zeigen, dass es bei uns noch Tausende weitere unbeschriebene Arten gibt.
Bei unserem heimischen Glühwürmchen, auch als Kleiner Leuchtkäfer oder Johanniswürmchen bekannt, leuchten beide Geschlechter, wenn auch in verschiedenen Farben und Mustern. Bereits die Eier weisen ein schwaches Leuchten auf. Das Licht entsteht durch die Reaktion von Enzymen mit Sauerstoff.
Nicht nur Fliegen nutzen mit Enzymen angereicherten Speichel, um Nahrung zu zersetzen. So haben zum Beispiel Wanzen einen Saugrüssel, der aus zwei dünnen Röhrchen besteht. Durch ein Röhrchen wird Verdauungssaft in die Nahrung geleitet, um diese zu zersetzen. Mit dem anderen Röhrchen wird der Nahrungsbrei aufgesaugt.
Flügelansätze bilden sich Stück für Stück bereits in den Larvenstadien aus, beim ausgewachsenen Insekt (Imago) ist dann die Endausbaustufe erreicht. Um die Frage Larve oder Imago beantworten zu können, muss man allerdings wissen, wie bei der entsprechenden Art die fertigen Flügel aussehen. Das kann sehr unterschiedlich sein. Zahl und Farbe der Punkte oder Flecken auf den Flügeldecken der Marienkäfer sind artspezifisch, wobei einige Arten, darunter der häufige Asiatische Marienkäfer, bei der Punktzahl sehr variabel sind.
Libellen sind nicht nur unglaublich wendige Flieger und beherrschen sogar den Rückwärtsflug. Während Kleinlibellen wie Azurjungfern oder Federlibellen relativ gemächlich unterwegs sind, können Großlibellen auch sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen. Die Blaugrüne Mosaikjungfer bringt es auf bis zu 50 Stundenkilometer.
Zwar gibt es Insekten, bei denen die Entwicklung vom Ei bis zum Erwachsenenstadium nur wenige Tage dauert. Nicht wenige benötigen dafür aber ein Jahr oder sogar mehrere. Ein extremes Beispiel sind die amerikanischen 17-Jahre-Zikaden. Ihr langes Larvenleben verbringen sie ebenso unter der Erde wie unsere europäischen Maikäfer, Nashornkäfer oder Rosenkäfer, deren Larven alle als Engerlinge bekannt sind.
Die Bezeichnung Großlibelle im Unterschied zu den Kleinlibellen ist zunächst mal nur eine zoologische Einteilung. Die Königslibelle ist aber auch wortwörtlich eine Großlibelle. Schon die Larven erreichen eine Länge von fünf Zentimetern, das ausgewachsene Insekt kommt auf gut acht Zentimeter. Dabei werden wie immer bei Insekten die Gliedmaßen und die Flügel nicht mitgemessen, die Flügelspannweite der Großen Königslibelle beträgt sogar bis zu elf Zentimeter.
Lange nahm man an, dass Insekten von den Tausendfüßern abstammen, da beide Tiergruppen über sogenannte Tracheen atmen. Das trifft allerdings auch auf Spinnen- und Krebstiere zu. Inzwischen geht die Wissenschaft nicht zuletzt aufgrund von genetischen Untersuchungen davon aus, dass sich die Insekten aus Krebstieren wie den Kiemenfußkrebsen oder den Hufeisengarnelen entwickelt haben.
Kein Insektengift ist in einer Einzeldosis für einen gesunden Menschen tödlich. Dennoch verursachen Insekten jährlich den Tod zahlreicher Menschen. Dazu gehören Todesfälle durch allergische Reaktionen (anaphylaktischer Schock) - in Deutschland rund 50 pro Jahr - , vor allem aber durch die Übertragung von Krankheitserregern. Alleine an Malaria starben zuletzt jährlich weltweit über 600.000 Menschen.
Die Insektenwelt ist so vielfältig, dass es tatsächlich auch Arten mit roter Körperflüssigkeit gibt. In den meisten Fällen ist diese sogenannte Hämolymphe aber gelblich oder farblos. Eine Ausnahme bilden zum Beispiel Zuckmücken, deren Larven wie Wirbeltiere rotes Hämoglobin für den Sauerstofftransport einsetzen.
Manche Insekten können noch tagelang weiterleben, obwohl ihr Kopf vom Körper abgetrennt wurde. Das liegt daran, dass sich das Gehirn beziehungsweise das Nervensystem nicht nur im Kopf befindet. Die Insekten können dann sogar immer noch auf Licht und Temperaturen sensibel reagieren.
Mit rund 7000 Arten alleine in Deutschland machen Käfer einen großen Teil der Insektenwelt aus. Verglichen damit sind die Marienkäfer mit gut 80 Arten noch recht einfach zu überblicken. Viele Marienkäfer lassen sich anhand der Punktmuster erkennen, es gibt aber auch punktlose Arten.
Den sprichwörtlichen Wolf im Schafspelz gibt es bekanntlich nur im übertragenen Sinne. Florfliegenlarven kommen der Idee aber schon sehr nahe. Diese sind auch als Blattlauslöwen bekannt, denn Pflanzenläuse sind ihre bevorzugte Nahrung. Oft tarnen sich Florfliegenlarven mit den ausgesaugten Hüllen ihrer Beute. So können die anderen Blattläuse sie schwerer erkennen, und auch die Ameisen, die Blattläuse verteidigen, werden abgelenkt.
Einen sogenannten Legebohrer, mit denen Eier abgelegt werden, haben viele Insekten. Ein Wehrstachel zur Verteidigung besitzen aber nur Hautflügler, am bekanntesten die Bienen und Wespen.
Fakt ist, dass es kaum Insektenarten gibt, die im offenen Meer leben. Zu den Gründen gibt es verschiedene Hypothesen. Eine Annahme: Das Enzym, das für das Aushärten der Außenhaut zuständig ist, benötigt molekularen Sauerstoff. Und den gibt es im Meer nur in geringen Mengen.
Ungefähr 600 Wildbienenarten gibt es hierzulande. Der Großteil nistet im Boden. Wildbienen graben ihre Bruthöhlen zwischen lückig verlegten Pflastersteinen, auf Trampelpfaden oder in längst vergessenen Sandhaufen. Eine ganze Reihe Wildbienenarten besiedeln auch senkrechte Flächen wie Abbruchkanten an Flussufern oder Hohlwege.
Die Roten Listen Deutschlands decken aktuell rund 14.000 Insektenarten ab, zu weiteren 20.000 Arten gibt es bisher keine Bewertung. Besonders hohe Gefährdungsanteile haben etwa Steinfliegen mit mehr als 46 Prozent oder Blattkäfer mit 41 Prozent. Die im Mai 2024 neu überarbeite Rote Liste der Heuschrecken bewertet 31 Prozent der Arten als gefährdet.
Berechnungen über den Wert der Bestäubungsleistungen sind nicht einfach. Die eine Milliarde Euro für Deutschland sind daher ein grober Wert. Für die weltweite jährliche Bestäubungsleistung durch Insekten kam eine von der EU geförderte Studie auf 153 Milliarden Euro. Das entspricht 9,5 Prozent des Gesamtwertes der landwirtschaftlichen Nahrungsmittelproduktion.
Hummeln haben Fußgeruch und können darüber sich selbst und andere Artgenossen erkennen. Sie hinterlassen eine persönliche Duftnote, wann immer sie sich niederlassen. Dadurch können sie riechen, ob sie selbst oder Artgenossen eine Blüte bereits besucht haben. Das haben Forscher der Universität Bristol herausgefunden.
Die ersten Insekten entstanden vor rund 480 Millionen Jahren. „Nur“ 100 Millionen Jahre später tauchten die ersten Fluginsekten auf, über sehr lange Zeit waren sie die einzigen flugfähigen Lebewesen. Zum Vergleich: Die Dinosaurier lebten von vor 235 Millionen Jahren bis vor 66 Millionen Jahren, Menschen im heutigen Sinne (Homo sapiens) gibt es erst seit rund 300.000 Jahren und die Gattung Homo seit rund zwei Millionen Jahren.
Buchtipp: Hannelore Hoch & Ekkehard Wachmann: Insekten. Was sie schon immer fragen wollten - 222 Antworten für Neugierige. - 348 Seiten. 24,95 Euro. Quelle & Meyer 2022. ISBN 978-3-494-01880-5.