Vespa volutina
Die Asiatische Hornisse breitet sich aus

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) gehört wie die Europäische Hornisse (Vespa crabro), die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) oder die Deutsche Wespe (Vespula germanica) zu der Unterfamilie der „Echten Wespen“ (Vespinae). Die Asiatische Hornisse ist etwas kleiner als die Europäische Hornisse, und an dem dunkleren Körper und gelben Füßen von der rotbraun und gelben heimischen Art leicht zu unterscheiden. Die Staaten der Asiatischen Hornisse sind mit bis zu 2.000 Tieren viel individuenreicher als die der heimischen Hornisse mit bis zu 700 Individuen.
Vespa velutina baut ihre Gründungsnester in ähnlichen Orten wie heimische soziale Wespen, zum Beispiel in Schuppen oder Rollladenkästen. Der Staat zieht jedoch im Hochsommer um und baut sein sogenanntes Sekundärnest weit oben in Baumwipfeln. Oft werden diese Nester erst bemerkt, wenn die Bäume im Herbst kahler werden. In der Umgebung von alten, nicht entfernten Nestern kommt es im Folgejahr zu vermehrten Neugründungen.
FAQ: Fragen und Antworten zur Asiatischen Hornisse
Aufgrund mangelnden Wissens über die Asiatische Hornisse gerät auch die heimische, besonders geschützte Europäische Hornisse zunehmend in Gefahr. Viele Bürger*innen können die beiden Arten nicht auseinanderhalten und töten die Tiere – befeuert von medial geschürter Panik.
Wir beantworten daher einige Fragen zur Asiatischen Hornisse.
Vespa velutina als invasive Art
Die Asiatische Hornisse stammt aus Südostasien. Sie wurde über Warentransporte 2004 nach Frankreich verschleppt und breitet sich seitdem in Europa aus. Die Einwanderung ist in Europa mittlerweile unumkehrbar. Die EU hat Vespa velutina im Jahr 2016 auf die Unionsliste der invasiven Arten gesetzt. Jedes Mitgliedsland muss daher Maßnahmen zur Bekämpfung der Art umsetzen. Die Maßnahmen variieren je nach Grad der Etablierung der Art. In Deutschland wurde sie 2025 offiziell als „etabliert“ eingestuft.
Eine invasive Art wird definiert als gebietsfremde Art mit besonderer Fähigkeit sich auszubreiten und einem negativen Einfluss auf die heimische Biodiversität. Längst nicht jede gebietsfremde Art ist also auch invasiv. Als soziale Art mit großen Staaten, ist die Asiatische Hornisse jedoch stark invasiv. So ist zum Beispiel auch die in Europa heimische Deutsche Wespe in den USA und Neuseeland stark invasiv.
Als Proteinquelle für ihre Nachkommen jagen alle Wespen andere Insekten oder Spinnen. Vespa velutina fängt, wie die Europäische Hornisse auch, viele Honigbienen, da diese sehr häufig sind, aber auch andere soziale Wespen, Fliegen, Wildbienen und weitere Insekten. Durch ihre hohe Individuenzahl kann sie daher eine Gefahr für die heimischen Insektenarten und die Imkerei darstellen. Außerdem wurden in Frankreich und Spanien bereits Ernteverluste durch das Anknabbern von Früchten (vor allem Weintrauben) verzeichnet.
Die Asiatische Hornisse ist nicht aggressiver als die Europäische Hornisse. Sie greift Menschen auch nicht an, solange man sich dem Nest nicht zu sehr nähert. Vereinzelt gibt es jedoch Meldungen zu stärkeren allergischen Reaktionen auf die Stiche.

Die Lage in Deutschland
Der erste Nachweis einer Asiatischen Hornisse erfolgte 2014 in Waghäusel (nördlich von Karlsruhe). In Baden-Württemberg, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen ist sie bereits stark verbreitet. Die Klimakrise mit ihren milderen Wintern begünstigt die Ausbreitung. Die Hornisse breitet sich laut Studien mit einer Geschwindigkeit von knapp 80 Kilometern pro Jahr aus, doch vor allem Verschleppungen etwa durch Transportwege können die Ausbreitungszeit stark verkürzen. So wurden schon Einzelfunde in Hamburg, Bremen und Berlin gemeldet. Zunächst konnte die weitere Ausbreitung dort aber verhindert werden.
Bisher besiedelt die Asiatische Hornisse erst rund ein Drittel des Bundesgebietes. Dennoch ist sie seit März 2025 offiziell eine etablierte Art. Das ist deswegen von praktischer Bedeutung, weil nun für Vespa velutina in Deutschland nicht mehr die gesetzlichen Vorgaben zur Früherkennung und Verhinderung der Ausbreitung gelten (Artikel 16 der EU-Verordnung zu invasiven Arten). Stattdessen greifen Maßnahmen zum Management einer etablierten Art (Artikel 19). Der größte Unterschied: Die Bekämpfungspflicht der Naturschutzbehörden fällt weg. Andererseits können die Kosten jetzt über den Naturschutz hinaus auf verschiedene Töpfe aufgeteilt werden.

Maßnahmen zur Eindämmung konsequent umsetzen
Trotz der weiten Verbreitung der Art im Westen Deutschlands ist die Asiatische Hornisse in vielen anderen Bundesländern längst noch nicht etabliert. Hier kann eine Ausbreitung zumindest verlangsamt werden, um Zeit zu gewinnen und somit effektivere Bekämpfungsmethoden zu entwickeln. Der NABU appelliert an die Naturschutzbehörden in Bayern, Thüringen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Berlin, die Maßnahmen zur Eindämmung konsequent umzusetzen. Denn eine Etablierung der Asiatischen Hornisse kommt mit weiteren Kosten (Ernteausfälle, Imkerei, Gesundheitssektor) einher. Die von der Regierung vorgegebenen Maßnahmen greifen allerdings zu kurz und sind teils kontraproduktiv.
Letzte Aktualisierung Mai 2026
Weitere Informationen:
Dr. Stephan Härtel
Sprecher der NABU-Bundesarbeitsgemeinschaft Hymenopteren
E-Mail: SHaertel@NABU-Berlin.de, mobil +49-178-9319710


